Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, Vorwürfe eines Ausverkaufs von Berliner Zoo und Tierpark: Auch nach der Entscheidung des Aufsichtsrates, den im Juni 2014 auslaufenden Vertrag mit Bernhard Blaszkiewitz nicht zu verlängern, kehrt um den Direktor von Zoo und Tierpark Berlin keine Ruhe ein.

Aus zoonahen Kreisen ist zu hören, Blaszkiewitz würde nicht nur seine eigenen Sachen packen, sondern lasse auch wertvolle und seltene Tiere verladen. Der Vorwurf der Kritiker: Seinem Nachfolger, Andreas Knieriem vom Tierpark Hellabrunn, wolle der 59-Jährige schaden, indem er den Exodus von Zoo und Tierpark betreibe.

Aufhänger der Auseinandersetzungen ist ein vom Veterinäramt des Bezirks Mitte verhinderter Transport einer trächtigen Antilope nach Bulgarien. Der zuständige Veterinär will Blaszkiewitz wegen einer Straftat gegen das Tierschutzgesetz anzeigen. Amtstierarzt Ulrich Lindemann sagte am Freitag: „Wir haben den Vorgang heute der Staatsanwaltschaft übergeben.“

Mehrfach Verstöße gegen Bestimmungen zum Tierschutz

Lindemann bestätigte, dass seine Behörde im Zoo mehrfach Verstöße gegen Bestimmungen zum Tierschutz festgestellt habe. So würden Löwen und Eisbären nicht artgerecht gehalten. Auch die geplante Verfütterung von Wellensittichen an Raubkatzen habe er verhindert.

Tierschützer wie die Berliner Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling sprechen von Tierquälerei. Systematisch würden zudem Tiere zunächst vom Zoo zum Tierpark überführt, um sie von dort weiterzuverladen. Ihr Verdacht: Das Lichtenberger Veterinäramt lege weniger strenge Maßstäbe bei der Genehmigung von Tiertransporten an als das von Mitte. Auch Amtstierarzt Lindemann hält es für „auffällig, dass im Tierpark deutlich mehr Transportbescheinigungen ausgestellt werden als im Zoo“.

Zoo-Chef Blaszkiewitz weist alle Vorwürfe zurück. Die Antilope sei transportfähig gewesen. Von einer Anzeige sei ihm nichts bekannt. „Wenn sie kommt, werden wir sie anwaltlich prüfen lassen“, kündigte er an. Mit anderen Amtshandlungen von Mitte werde genauso verfahren.

So habe die Behörde angeordnet, den Löwen ständigen Zugang zum Außengehege zu ermöglichen. Das sei jedoch nicht möglich, weil die Paare sich nicht vertragen würden. „Wir gehen anwaltlich dagegen vor“, so Blaszkiewitz.

Als „Quatsch“ bezeichnete der Zoo-Chef den Vorwurf, dass er wertvolle Tiere aus Berlin wegschaffen lasse. Bei den angeblich exotischen Vögeln handele ich um die normale Entennachzucht. „Da war nichts Wertvolles dabei“, versicherte er. Bernhard Blaszkiewitz sieht als Opfer von Kritikern. „Es ist merkwürdig, dass zum Ende meiner Amtszeit noch einmal eine solche Kampagne gegen mich gefahren wird“, sagte er.

Berliner Abgeordnete sind skeptisch. So fordert Alexander Herrmann, tierschutzpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, den Senat auf, „Einfluss auf die Zooleitung zu nehmen und etwaig unnötige Transporte auszusetzen, sowie die im Raum stehenden Vorwürfe transparent zu prüfen und aufzuklären.“ Nach Angaben seines Sprechers, Jens Metzger, hat Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) den Aufsichtsrat von Zoo und Tierpark aufgefordert, die Inventarlisten darauf zu überprüfen, ob auffällig viele oder wertvolle Tier aus dem Bestand verschwunden sind.