Einem verurteilten Vergewaltiger ist während eines Aufenthalts im Universitätsklinikum Halle am Montagabend ein zweite spektakuläre Flucht innerhalb weniger Wochen gelungen. Nach Angaben des Justizministeriums in Magdeburg war der Mann mit einem Gefangenentransport aus Amsterdam in der Justizvollzugsanstalt „Roter Ochse“ in Halle angekommen und sollte eigentlich am Dienstag weiter nach Berlin reisen. Doch wieder konnte der Mann fliehen.

Zum zweiten Mal nutzte Akram D. einen Krankenhausbesuch um den Justizvollzugsbeamten zu entwischen. Bereits am 22. Dezember 2013 war dem 32-Jährigen die Flucht in Berlin gelungen. Er sollte von Tegel aus zu einer fachärztlichen Untersuchung ins Jüdische Krankenhaus gebracht und dort über Nacht stationär aufgenommen werden. Auf dem Weg zum Krankenhaus konnte er trotz Handschellen drei Beamten des Vollzugsdienstes entkommen. Die Flucht endete in Amsterdam. Jetzt sollte er zurück nach Berlin gebracht werden.

Doch nach seiner zweiten Flucht zu Beginn der Woche in Halle fehlt von dem Mann bislang noch jede Spur. Nach Akram D. werde international gefahndet, sagte Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft.

Akram D., wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ist am Montagabend aus der Universitäts-Klinik in Halle geflohen. „Gegen 19.10 Uhr konnte der Mann entkommen“, sagte Ulrike Diener, die Sprecherin der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd. „Die Fahndung mit einem Hubschrauber, Fährtenhunden und Streifenwagen haben wir sofort eingeleitet.“

Am Mittwoch fehlte noch eine heiße Spur zu dem entflohenen Häftling. „Wir haben keine konkreten Anhaltspunkte, wo sich der Mann derzeit aufhalten könnte“, sagte die Polizeisprecherin. Nach Angaben der Polizei seien bisher kaum Zeugenhinweise auf einen möglichen Aufenthaltsort von Akram D. eingegangen. „Wir gehen davon aus, dass sich der Mann nicht mehr im südlichen Sachsen-Anhalt, also Halle, dem Saalekreis oder Merseburg aufhält. Der Mann habe hier keine Bezugspunkte.“

Nach Angaben Steltners wird derzeit geprüft, ob eine Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet wird. Man gehe aber nicht zwingend davon aus, dass der Mann auf seiner Flucht nach Berlin zurückkehrt. „Der Flüchtende ist ohne Papiere unterwegs und muss sich irgendwo welche beschaffen“, sagte Steltner.

Barfuß auf der Flucht

„Der Mann hatte am späten Montagvormittag über starke Schmerzen geklagt und wurde in ein Krankenhaus in der Nähe der Justizvollzugsanstalt ‚Roter Ochse‘ in Halle gebracht“, sagte Ute Albersmann, Sprecherin des Justizministeriums Sachsen-Anhalt. „Von dort wurde er zur Uniklinik Halle gebracht.“ Unterwegs sei es ihm gelungen, seinen Bewacher auszutricksen, sich auch mit einem Trick seiner Fußfessel zu entledigen und schließlich barfuß zu fliehen.

„Der Mann war mit einer Handschelle an einer Hand an seinem Krankenbett gefesselt und seine Füße waren ebenfalls mit einer Fußfessel aneinander befestigt“, sagte Albersmann. Der Häftling hatte angegeben, zur Toilette gehen zu müssen. Der Justizvollzugsbeamte habe dem Mann deshalb die Handschelle abgenommen und auch die Fußfessel zum Laufen ein wenig gelockert. Dennoch sei dem Mann damit die Flucht aus dem Krankenhaus gelungen.

Warum der 32-Jährige bei seinem Transport von der Justizvollzugsanstalt Halle in die Klinik lediglich von einem Beamten bewacht wurde, muss derzeit noch ermittelt werden. Auch wie es dem Mann gelungen war, sich von seinen Fußfesseln zu befreien und unbemerkt zu entkommen, ist Teil der weiteren Ermittlungen.

Der begleitende Beamte sollen nach Angaben der sächsischen Justizbehörde zwar von der Fluchtgefahr gewusst haben, aber nicht, wie und mit welchem Trick dem Häftling vor wenigen Wochen die Flucht in Berlin gelungen sei.

Knotenpunkt JVA Halle

Der Aufenthalt in Halle ist Teil eines normalen Überführungsverfahrens. Regelmäßig kommen Gefangene, die von einer JVA in Deutschland in eine andere verlegt werden müssen, in der Saalestadt vorbei. Der „Rote Ochse“ ist ein Art Knotenpunkt im Netz an Justizvollzugsanstalten, die als Zwischenstationen dienen.

Ähnlich wie im Nahverkehr pendeln regelmäßig Gefangenentransporte zwischen den einzelnen Stationen nach einem bestimmten Fahrplan hin und her. Für jeden zu transportierenden Häftling gibt es für die Wärter Informationen in einer eigens mitgeführten Akte. In dieser wird auch auf eine Fluchtgefahr hingewiesen.