Technische Universität

Christian Thomsen zum neuen Präsidenten der TU Berlin gewählt

Im ersten Wahlgang erhielt Physiker Christian Thomsen die deutliche Mehrheit. Vorgänger Steinbach ist abgewählt. Damit entscheidet sich die Universität für einen neuen Führungsstil.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Ein spannendes Rennen wurde schon im Vorfeld der Wahl des Präsidenten der Technischen Universität erwartet. Entsprechend voll war der Hörsaal am Mittwoch zur öffentlichen Sitzung des erweiterten Akademischen Senats. Dass die Wahl schließlich so eindeutig ausfallen würde, hätte vorher jedoch kaum jemand an der Uni gedacht. Mit 40 von insgesamt 61 Stimmen votierte am Mittwoch der erweiterte Akademische Senat für den Herausforderer Prof. Christian Thomsen. Der bisherige Amtsinhaber Prof. Jörg Steinbach unterlag deutlich mit nur 12 Stimmen. Neun Stimmen waren ungültig. „Das ist eine überwältigende Mehrheit, lagerübergreifend“, kommentierte die Sprecherin der TU, Stefanie Terp, das Ergebnis.

Mehr Transparenz, verbindliches Konfliktmanagement

Die Stimmberechtigten, die aus Vertretern der Studenten, der Professoren und der wissenschaftlichen Mitarbeiter bestehen, haben sich damit vor allem für einen neuen Führungsstil entschieden, denn die Handlungsspielräume sind angesichts der finanziellen Ausstattung der Uni gering.

Christian Thomsen, Dekan der Fakultät II für Mathematik und Naturwissenschaften, versprach in seiner Rede mehr Transparenz und ein verbindliches Konfliktmanagement und traf damit offenbar genau den Nerv der Universitätsangehörigen. Der 54-jährige Thomsen steht aber auch für mehr Studenten und mehr Forschungsprojekte. Dort,wo es möglich ist, sollten Zugangsbeschränkungen aufgehoben werden.

Zudem will er mehr englischsprachige Masterstudiengänge anbieten, damit die TU attraktiver für ausländische Studenten werde. Das steigere auch das Renommee im Ausland und biete neue internationale Kooperationsmöglichkeiten. Auch Forschungsprojekte will Thomsen im Gegensatz zu Steinbach nicht beschränken. Das mache für eine Uni keinen Sinn, sagte der Professor für Festkörperphysik. Wenn die Zuschüsse nicht reichen, müssten eben neue Einnahmequellen dafür erschlossen werden.

Steinbach würde lieber den Status quo der TU halten

Der noch bis März amtierende Präsident Steinbach warnte vor diesem Kurs und nannte Thomsen einen Idealisten. Nach seiner Auffassung müsse die TU vor allem versuchen, den Status quo zu halten. Es dürfe weder mehr noch weniger Studenten geben und auch bei der Forschung müssen man alle Anstrengungen unternehmen, um auf dem jetzigen Level zu bleiben. Ein Mehr sei nicht zu finanzieren, mit einem Absinken würde man jetzige Zuschüsse gefährden. Visionen hatte der 58-jährige Steinbach nicht. Immerhin hat er die TU in seiner vierjährigen Amtszeit zu einer der bundesweit besten Universitäten gemacht. Noch nie sei die Reputation so gut gewesen wie jetzt, sagte er. Und daran solle nicht durch gewagte Experimente gerüttelt werden.

Überzeugt hat Steinbach trotz seiner Erfolge mit seinem „Weiter so“ nicht. Die Mitglieder des akademischen Senats wünschen sich Erneuerung, auch wenn das mit einem Risiko verbunden ist. Unbeliebt hatte sich Steinbach damit gemacht, dass er einen Beschluss des Akademischen Senats als Präsident kurzum aufgehoben hatte. Die Zusammensetzung des Akademischen Senats sollte laut Beschluss so verändert werden, dass alle vier Statusgruppen gleich viel Stimmen haben. Der Präsident verwies darauf, dass der Beschluss rechtlich nicht umsetzbar sei. Diese Entscheidung hätte man dem Gericht überlassen müssen, meinen die Studentenvertreter.

Thomsen gilt als kompromissbereiter

Der künftige Präsident Christian Thomsen ist zwar kein Verfechter der sogenannten Viertelparität, aber er wäre wohl anders mit dem Problem umgegangen. Er verkörpert eine andere Persönlichkeit: leiser, kompromissbereiter, offener. Einen monatlichen Runden Tisch mit den verschiedenen Gruppen von Studenten bis Professoren hat er angekündigt, um den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. „Ich freue mich sehr, der Präsident aller Mitglieder unserer Universität zu werden“, sagte er als ersten Kommentar nach seiner Wahl.

Bisher kann Thomsen vor allem auf wissenschaftliche Erfolge verweisen. Promoviert hat er in den USA, habilitiert an der TU München. Auf dem Fachgebiet der Kohlenstoff-Nanosysteme hat er zahlreiche Publikationen vorzuweisen. Seit 2007 ist er Mitglied der Akademischen Senats der TU Berlin.

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