Zum Jahresende ist es wieder so weit: Es beginnt die Zeit der guten Vorsätze. Eine Einladung, alte Laster abzuwerfen und der Selbstoptimierung freien Lauf zu lassen. „Ich will mir vornehmen, mehr Klavier zu üben“, sagt Louis Ufer, 17. Allerdings trifft auf ihn auch zu, dass die langfristige Erfolgsquote von Vorsätzen eher gering ist. Denn Ufers Vorsatz im letzten Jahr war: „Da wollte ich eigentlich auch schon mehr Klavier spielen. Das hat nicht gut geklappt “, sagt er.
So wie Louis Ufer nimmt sich rund jeder Dritte vor, es in diesem Jahr aber einfach besser zu machen. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Studie im Auftrag der Krankenkasse DAK hervor. Wie bereits in den Vorjahren sind bei Berlinern die am häufigsten genannten Vorsätze für 2014 demnach: Stress vermeiden oder abbauen (56 Prozent), mehr Zeit für Familie oder Freunde haben (58 Prozent) sowie sich mehr zu bewegen (56 Prozent).
Bei diesen drei Vorsätzen liegt Berlin leicht über dem Durchschnitt. Dagegen aber gibt es zwei Vorhaben, bei denen Berlin unter dem Durchschnitt liegt: 45 Prozent der Hauptstädter haben vor, sich gesünder zu ernähren, in ganz Deutschland sind es 47 Prozent. Ganze sechs Prozentpunkte (41 Prozent) hinter dem Gesamtwert liegt Berlin zurück bei dem Vorsatz „Mehr Zeit für sich nehmen“.
Der Sprecher der DAK-Krankenkasse, Frank-Rainer Quander, sieht darin eine gewisse Gewöhnung der Großstädter an ihre urbane Umgebung. „Jeder, der hier morgens mit dem Fahrrad oder der U-Bahn zur Arbeit fährt, hat schon mehrere hundert Menschen getroffen“, sagt er.
„Da ist es kein Wunder, dass Berliner sich so sehr daran gewöhnt haben, unter Menschen zu sein, und deshalb gefühlt weniger Zeit für sich brauchen.“ Im Saarland, einem eher ländlichen Bundesland, ist das Bedürfnis viel ausgeprägter: 57 Prozent der Einwohner dort wünschen sich mehr „Zeit für sich“.
Angesichts der immer wieder prekären Finanzlage vieler Berliner ist ein weiteres Detail der Studie spannend – und gleichzeitig schwierig zu erklären: Nur 22 Prozent der Berliner nehmen sich für das kommende Jahr vor, sparsamer zu sein. Dahinter kommen nur noch die sonst so sparsamen Baden-Württemberger (18 Prozent). Warum die Berliner keinen ganz so stark ausgeprägten Wunsch nach Sparen haben, lässt sich unterschiedlich deuten.
Es könnte einerseits signalisieren, dass Berliner ihren Lohn lieber ausgeben oder andererseits, dass sie das Gefühl haben, schon genug zu sparen und nicht „noch mehr“ sparen wollen. Dass der Anführer in dieser Liste ausgerechnet das Nachbarland Brandenburg ist, gibt zu denken. Jeder dritte Brandenburger (34 Prozent) will sparsamer durch das Jahr 2014 gehen.
Dauerthema zum Jahreswechsel: Rauchen aufgeben
Dauerbrenner unter den guten Vorsätzen ist der Wunsch, das Rauchen im kommenden Jahr wirklich aufzugeben. Die Hauptstädter liegen damit bundesweit ganz vorn, denn 14 Prozent der Berliner wollen im kommenden Jahr nicht mehr rauchen. Brandenburg ist das Schlusslicht mit nur sieben Prozent.
Steffi Steinicke, Landeschefin der DAK in Berlin, kommentiert die Umfrageergebnisse so. „In manchen Lebensphasen kommt alles zusammen: die Karriere, die Kinder, das Haus“, sagt sie. „Da ist es schwer, allen gerecht zu werden. Dauerhafte Überlastung kann aber krank machen.“ Die Balance zwischen beruflichen Anforderungen und Entspannung mit der Familie sei aber wichtig, um leistungsfähig zu bleiben.
Doch längst nicht alle Berliner sind mit ihrem Zeitmanagement unzufrieden. Im Gegenteil. „Noch mehr Zeit mit der Familie? Nee, das ist schon in Ordnung so, wie es ist“, sagt Jörg Freter, 44, und lacht. Sein Vorsatz für das kommende Jahr lautet deshalb auch: „Alles so machen wie bisher.“
Berliner haben im Vergleich starken Durchhaltewillen
Doch was nützen Vorsätze, die bereits am 5. Januar vergessen oder gebrochen sind? Die DAK-Studie attestiert den Berlinern Durchhaltewillen. Rund 52 Prozent der Berliner können sich noch an ihre Vorsätze für 2013 erinnern und haben sogar mehrere Monate an ihnen festgehalten.
Damit sind die Menschen in Berlin etwas willensstärker als der Bundesdurchschnitt (50 Prozent). Die Spitzenreiter im Bundesvergleich sind, wie im Vorjahr, die Brandenburger mit 64 Prozent. Das Schlusslicht bildet Hessen mit 42 Prozent.
Der Vollständigkeit halber sei aber noch einmal an ein wichtiges Detail erinnert: Nur jeder dritte Deutsche hatte sich für dieses Jahr überhaupt etwas vorgenommen. Die meisten (nämlich 62 Prozent) wollten in diesem Jahr einfach so weiter machen wie bisher und werden sehr wahrscheinlich auch im kommenden Jahr nichts an diesem ganz besonderen Vorsatz ändern. Auch dies lässt mehrere Interpretationen zu: Resignation oder die Gewissheit, einfach schon klasse zu sein.




