Für ein siebenjähriges Mädchen aus Berlin-Steglitz hat der Besuch eines weihnachtlich geschmückten Einkaufscenters ein dramatisches Ende genommen.
Im „Boulevard Berlin“ an der Schloßstraße in Steglitz griff das Kind am Donnerstagnachmittag gegen 16.30 Uhr in eine an einer Glaswand im zweiten Obergeschoss des Centers angebrachte Lichterkette und erlitt dadurch vor den Augen seiner Mutter einen heftigen Stromschlag.
Passanten alarmierten umgehend die Feuerwehr. Die nur wenige Minuten später eintreffenden Rettungskräfte brachten die Siebenjährige zur stationären Behandlung sowie zur vorsorglichen Beobachtung in ein Krankenhaus. Das Mädchen hatte zuvor gegenüber den Rettungskräften über starke Schmerzen geklagt, die von der linken Hand bis zur Schulter ausstrahlten.
Polizei ermittelt gegen Unbekannt
Inzwischen war wegen der unklaren Ursache für den Stromschlag auch die Polizei eingeschaltet worden. Die Beamten beschlagnahmten die mit einem Prüfsiegel versehene 240-Volt-Lichterkette für eine technische Untersuchung. Die ergab noch am selben Abend, dass die Isolierung an einer Stelle schadhaft war und der darunter befindliche Kupferdraht frei lag. Für die Polizei deutet derzeit alles darauf hin, dass der Stromschlag durch die schadhafte Stelle ausgelöst wurde, die genauen Untersuchungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen.
Inzwischen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet. Nach Angaben einer Polizeisprecherin richtet sich das Verfahren derzeit noch gegen Unbekannt. Zunächst müsse geklärt werden, wer für die Installation der beschädigten und offensichtlich gefährlichen Lichterkette in dem Einkaufscenter verantwortlich ist, sagte die Sprecherin. Unklar ist auch, ob das Dekorationsstück trotz des Prüfsiegels bereits schadhaft geliefert wurde.
Zustand des Kindes ist stabil
Für die Siebenjährige verlief der Vorfall glücklicherweise glimpflich, Polizeiangaben zufolge ist der Zustand des Kindes stabil. Nach ärztlicher Auskunft ist bei Kindern in solchen Fällen eine längere, unter Umständen mehrere Tage dauernde Beobachtungsphase erforderlich, da schon leichte Stromschläge auch noch Stunden nach dem Schlag Herzrhythmusstörungen auslösen können. In manchen Fällen erfolgt die Beobachtung auch mittels eines 24-Stunden-EKG.
In dem Einkaufscenter ging der vorweihnachtliche Großbetrieb am Tag nach dem Vorfall uneingeschränkt weiter. Für die Kunden war das dramatische Ereignis kein Thema, Verkäufer aus den umliegenden Läden im zweiten Obergeschoss des „Boulevard Berlin“ erinnerte sich dagegen noch sehr gut an das Geschehen vom Vortag. „Das plötzlich heftig weinende Kind und die völlig aufgelöste Mutter, dazu die Menschentraube, die sich sofort um beide gebildet hatte, das blieb natürlich nicht unbemerkt“, sagte eine Verkäuferin. Sie sei selbst Mutter einer kleinen Tochter und wolle sich gar nicht vorstellen, wie es ihr in einer solchen Situation ergangen wäre, sagte die Frau weiter.
Im gesamten festlich beleuchteten Einkaufszentrum gab es an zwei Stellen Lichterketten, die nicht hinter Glas verlegt sind. Eine davon hatte die Siebenjährige angefasst. Das Centermanagement reagierte umgehend und ließ die an Übergängen zwischen den Gebäudeteilen installierten frei zugänglichen Lichterketten entfernen. Am Freitag lief der Geschäftsbetrieb wie gewohnt. Für weitere Nachfragen dieser Zeitung war der Sprecher des „Boulevard Berlin“ jedoch nicht erreichbar.





