Am Tag nach dem Raubüberfall geht in der Medimax-Filiale in den Schönhauser Allee Arcaden alles wieder seinen normalen, vorweihnachtlichen Gang. Gestresste Kunden kaufen Weihnachtsgeschenke, gestresste Mitarbeiter bedienen sie. Über die Angst, die die Angestellten seit dem Vorabend haben müssen, wird hier nicht gesprochen – zumindest nicht öffentlich. Auf eine Anfrage an die Unternehmenskommunikation heißt es nur: „Den betroffenen Mitarbeitern geht es den Umständen entsprechend gut.“ Es ist bereits das dritte Mal innerhalb von nicht einmal zwei Wochen, dass eines der großen Elektrogeschäfte der Hauptstadt Ziel eines Einbruchs oder Überfalls geworden ist.

Die Tat vom Mittwochabend unterscheidet sich aber von den beiden vorangegangenen. Dieses Mal brachen die Täter nicht mit einem Auto in das Geschäft ein, sondern kamen zu Fuß. Nach bisherigen Erkenntnissen waren es zwei mit Sturmhauben maskierte Männer, die sich zu Geschäftsschluss gegen 21 Uhr über einen Personaleingang in die Filiale schlichen. Als ihnen sieben Mitarbeiter entgegen kamen, die nichts ahnend auf dem Weg in den Feierabend waren, zückten die Räuber ihre Messer.

Sie bedrohten die Angestellten, drängten sie zurück in das Geschäft und zwangen sie, sich auf den Boden zu legen. Dort fesselten die Täter ihre Opfer, banden ihnen die Hände zusammen. Nur der Geschäftsführer blieb zunächst frei. Mit vorgehaltenem Messer zwang ihn einer der Räuber, den Tresorraum öffnen. Der Komplize bewachte unterdessen die auf dem Boden liegenden Mitarbeiter und entleerte ihre Taschen sowie Portemonnaies.

Mit einer von der Polizei nicht benannten Summe an Bargeld flüchtete das Duo in unbekannte Richtung, nachdem es auch den Geschäftsführer gefesselt zurückgelassen hatte. Einer der Mitarbeiter konnte sich später selbstständig von den Fesseln befreien, seinen Kollegen helfen und die Polizei alarmieren. Eine Angestellte erlitt einen Schock und musste von einem Krisenteam betreut werden.

Zusammenhänge werden geprüft

Die Ermittler überprüfen nun, ob es einen Zusammenhang zu den jüngsten Einbrüchen in einen Media-Markt in Mitte und einen Saturn-Markt in Zehlendorf geben könnte. Nur weil die Taten anders begangen wurden, „heißt das nicht, dass es nicht die selben Täter sein könnten“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Dass die Polizei künftig verstärkt Streifen zu Elektromärkten schicken wolle, bestätigte der Sprecher allerdings nicht.

Drei Raubüberfälle auf Elektronikmärkte innerhalb kürzester Zeit – doch nicht nur in der Art des Überfalls unterscheiden sich die Fälle. Als unbekannte Räuber Mitte Dezember mit einem Kleinwagen nachts in die Mediamarkt-Filiale des Alexa-Shoppingcenters in Mitte gerast waren, erbeuteten sie Handys im Wert von 100.000 Euro. Und auch als wieder ein Kleinwagen benutzt wurde, um am frühen Mittwochmorgen in den Saturn-Markt im Einkaufszentrum Zehlendorfer Welle an der Clayallee einzubrechen, hatten es die Täter auf Ware abgesehen. Am Donnerstag gab die Polizei bekannt, dass dabei Mobiltelefone und Tablet-Computer erbeutet wurden. Die Täter, die nun an der Schönhauser Allee die Mitarbeiter bedrohten, wollten dagegen Bargeld.

Eine ganz neue Masche ist es nicht, Elektronikmärkte auszurauben – gerade in der Vorweihnachtszeit, in der die Täter vermutlich mit viel Neuware und vollen Kassen rechnen. Genau vor einem Jahr etwa machte ein Fall in Steglitz Schlagzeilen. Auch hier rasten die Täter mit einem Auto in einen Saturn-Markt und erbeuteten vor allem Mobiltelefone. Auch Juweliere und Pfandleihhäuser wurden bereits mehrfach in diesem Jahr mit Hilfe eines gestohlenen Autos aufgebrochen und ausgeraubt.

Vorgehensweise bekannt

Die Vorgehensweise, bei Ladenschluss die Mitarbeiter mit vorgehaltenen Waffen zur Herausgabe der Einnahmen zu zwingen, ist bisher vor allem bei Discountern auffällig geworden. Gerade vergangene Woche erst vermeldete die Berliner Polizei, eine Raubserie auf insgesamt sieben Lebensmitteldiscounter aufgeklärt zu haben. Zwei der drei Tatverdächtigen, die von der Polizei dem Rockermilieu zugeordnet werden, sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Ob sie nach den jüngsten Vorfällen bei Elektronikmärkten nun die eigenen Sicherheitsvorkehrungen erhöhen werden, dazu wollten sich die betroffenen Geschäfte am Donnerstag nicht äußern. „Zu den weiteren Hintergründen rund um die Tat machen wir zurzeit keine Angaben“, sagte eine Medimax-Sprecherin auf Anfrage. Selbstverständlich werde man aber eng mit der Polizei zusammen arbeiten, damit die Tat aufgeklärt werden könne. Von der Media-Saturn-Holdung hieß es nur: „Wir haben diverse Sicherheitsvorkehrungen“, aus Sicherheitsgründen wolle man sich jedoch grundsätzlich nicht zu entsprechenden Details äußern. Ähnlich äußerte sich auch eine Sprecherin des Einkaufszentrums Alexa. „Die Sicherheitskonzepte werden laufend an die Risikolage angepasst und sind auf dem neuesten Stand. Selbstverständlich fließt auch der aktuelle Vorfall in diesen Optimierungsprozess ein.“

Unklar ist noch, warum das Wachpersonal, das normalerweise in Shopping-Centern eingesetzt wird, offenbar nichts von dem Überfall am Mittwochabend bemerkt hat. Eine Sprecherin der Schönhauser Allee Arcaden wollte sich dazu am Donnerstag nicht äußern, sagte aber: „Die Sicherheitsvorkehrungen sind so, wie sie sein sollen.“

Ob es Videoüberwachungsmaterial von dem jüngsten Überfall gibt, das die Täter zeigen könnte, konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht sagen. Die Täter sollen 1,80 bis 1,85 Meter sowie 1,75 bis 1,80 Meter groß, schlank und sportlich sein. Sie sollen Deutsch mit Akzent gesprochen haben. Die Zeugen gaben gegenüber der Polizei an, dass es sich um einen türkischen oder arabischen Akzent gehandelt haben könnte.