Brandstiftung

Polizei kritisiert Bushido nach Brandstiftung in seiner Villa

Nach dem Brand in Bushidos Villa findet die Polizei Brandbeschleuniger. Der Rapper ist verärgert, will aber dennoch in das Haus ziehen. Die Polizei wehrt sich gegen den Vorwurf „schlampiger Arbeit“.

Foto: Paul Zinken / dpa

Rapper Bushido hatte schnell geahnt, dass hinter dem nächtlichen Brand in seinem neuen Haus in Kleinmachnow (Kreis Potsdam-Mittelmark) kriminelle Energie stecken könnte. Nur die Frage, wer ihm das Dach seines künftigen Domizils angezündet haben könnte und warum, könne er auch nicht sagen. Für die Polizei erhärtet sich der Verdacht, dass unbekannte Brandstifter am Werk waren.

Wie die Staatsanwaltschaft Potsdam mitteilte, hätten die Ermittler Spuren von Brandbeschleunigern gefunden. Einen konkreten Tatverdacht gebe es aber bislang nicht, so eine Sprecherin am Donnerstag. Weitere Details wollte die Strafverfolgungsbehörde nicht nennen, um die laufenden Ermittlungen der Kriminalpolizei nicht zu gefährden.

Feuer an drei Stellen gelegt

Bereits wenige Stunden nach dem Dachstuhlbrand hatte die Polizei am Mittwoch von Anhaltspunkten gesprochen, die den Verdacht einer vorsätzlichen Brandstiftung nahe legen würden. Auch Bushido selbst hatte sich dahingehend geäußert. Gegenüber „Focus Online“ hatte der Musiker trotz der gerade angelaufenen Ermittlungen berichtet, es sei eine selbst gemischte Flüssigkeit verwendet und der Brand innen an drei Stellen gelegt worden. Diese freimütigen Auskünfte des Geschädigten haben in Polizeikreisen nicht eben Begeisterung ausgelöst. Das Preisgeben von sogenanntem Täterwissen könne die Untersuchungen erheblich behindern, so ein Ermittler.

Eine Darstellung, wonach die Polizei Bushido als Betroffenen des Brandes nicht rechtzeitig informiert habe, wies die Berliner Polizei zurück. „Wir haben noch in der Brandnacht eine Funkstreife zum Haus des Rappers beordert, wenige Minuten nachdem unsere brandenburgischen Kollegen uns gegen 1.25 Uhr informiert haben, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich. Jedoch habe niemand auf das Läuten reagiert. Bushido hatte in einem Interview am Mittwoch sein Unverständnis geäußert, ihn nicht zu sofort informiert zu haben und sprach vom „schlampiger Polizeiarbeit.“

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hatte an diesem Tag bereits einen unabhängigen Sachverständigen zur Klärung der Brandursache eingeschaltet. Bis dessen Gutachten vorliegt, würden noch einige Tage vergehen, hieß es. Die Polizei sucht unterdessen noch weitere Zeugen, die Angaben zu dem nächtlichen Geschehen am Zehlendorfer Damm in Kleinmachnow machen können. Hinweise, die mit dem Brand aus der Nacht von Dienstag zu Mittwoch in Verbindung stehen könnten, nimmt die Polizeiinspektion Potsdam unter der Rufnummer 0331-5508-1224 entgegen. Wie berichtet, hatte eine Passantin am Dienstag gegen 23.50 Uhr Rauch aus dem Dachgeschoss der dreigeschossigen Villa aufsteigen sehen und die Feuerwehr alarmiert.

Nach Bushidos Angaben habe das Feuer im Dachstuhl seines vor zwei Jahren erworbenen Hauses am meisten gewütet. Insgesamt sei der Schaden auf eine fünfstellige Summe zu beziffern. Bushido nannte das Feuer einen „terroristischen Akt“. An seinen Umzugsplänen von Lichterfelde vor die Tore Berlins halte er fest. In jedem Fall würden die Arbeiten an dem leer stehenden Haus weitergehen, kündigte der 35-Jährige an. Nachbarn beobachten den Neuzugang auf einem großen Waldgrundstück mit der unter Denkmalschutz stehenden Villa mit Argusaugen. „Ich bin nicht glücklich“, sagt eine ältere Dame, deren Reihenhaus direkt an das Bushido-Grundstück grenzt. Sie habe einiges gelesen über den künftigen Nachbarn. Wenn dort künftig möglicherweise häufig Partys gefeiert werden, sei es mit der Ruhe wohl vorbei, ärgert sie sich.

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) wies Vorwürfe Bushidos zurück, er sei im Ort nicht willkommen. „Ich habe nichts gegen ihn“, sagte Grubert am Donnerstag. Er freue sich grundsätzlich über jeden Steuerzahler. Unmittelbar nach dem Dachstuhlbrand hatte Bushido in einem TV-Sender mitgeteilt, dass „Leute in der Gemeinde nicht begeistert“ über seinen geplanten Umzug seien. Darüber hinaus hatte sich der Skandal-Rapper über negative Presse beklagt und sich als Opfer einer Hetzjagd bezeichnet.

Wohnort für Promis und Politiker

In der Vergangenheit gab es auf der Baustelle der Villa am Zehlendorfer Damm einige Verstöße, die für Aufsehen sorgten. Ein unter Denkmalschutz stehendes Eingangstor wurde abgerissen und mehr Bäume gefällt, als genehmigt. „Es wurde versichert, dass alles wieder hergerichtet wird“, sagt Bürgermeister Grubert. Seit der Wende sei der „Promifaktor“ in der rund 20.300 Einwohner zählenden Gemeinde um einiges gestiegen. „Er ist zwar nicht ganz so hoch wie in Berlin oder Potsdam“, betont Grubert. Die Zuzügler vor allem aus Berlin – Schauspieler, Diplomaten, Bundesbedienstete, aber auch Fußballer – legten Wert auf große Privatheit und Diskretion. „Sie wollen in Ruhe wie ganz normale Familien leben“, sagt Michael Grubert.

Die Vorzüge des Ortes sind schnell aufgezählt: preiswertere Grundstücke als beispielsweise im noblen Zehlendorf, viel Grün und Wasser in der Nähe sowie Kitas und Schulen, darunter die Berlin Brandenburg International School. Zudem ist man durch die gute Autobahnanbindung binnen 25 Minuten am Kurfürstendamm.

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