Nein, in ein tiefes Loch werde er nicht fallen, beruhigte Pfarrer Manfred Fischer, als wir uns kurz vor seiner Pensionierung – wie es das Schicksal nun wollte - ein letztes Mal getroffen haben. Weil er nicht irgendein Pfarrer war, sondern der Mauerpfarrer, gab es noch einmal einen großen „Bahnhof“, als er im April mit 65 Jahren in den Ruhestand entlassen wurde. Die Hoffnung trog. Das Herz war schwach. Nach mehreren Eingriffen in kurzer Folge starb Manfred Fischer am vergangenen Freitag im Berliner Herzzentrum.

Sein Name verbindet sich untrennbar mit der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Ohne ihn wären auch dort, wo es die meisten Mauertoten gab, die meisten Fluchttunnel gegraben wurden und wo das DDR-Regime das Gotteshaus seiner Versöhnungsgemeinde sprengte, um freies Schussfeld im Todesstreifen zu schaffen, alle Spuren des brutalen Grenzsystems mitten durch die Stadt getilgt worden. Seinem Kampf gegen die Abrisseuphorie verdankt Berlin die zentrale Mahnlandschaft im ehemaligen Todesstreifen. Zu ihr gehört die ovale Kapelle aus Holz und Lehm auf dem Fundament der 1985 ausradierten Kirche.

38 Jahre ist der gebürtige Hesse der Versöhnungsgemeinde, die zu den kleinsten Berlins zählt, treu geblieben. Sie entwickelten sich zu einem Spagat zwischen Pastor und Seelsorger einerseits, Kämpfer für die Gedenkstätte und damit Person von öffentlichem Interesse andererseits. Manfred Fischer sah darin keinen Widerspruch. „Dieser Ort und diese Kirche leben nicht von einer Person allein. Beide leben von der sie tragenden Gemeinde. Die Gedenkstätte würde an Wirkung verlieren, wenn sie ihr spirituelles Element nicht hätte. Und umgekehrt würde die Gemeinde verlieren, wenn nicht da wäre, was rund um die Kapelle entstanden ist.“ Seinem Nachfolger Thomas Jeutner hat er ein doppeltes Geschenk hinterlassen. Den Ort voller Geschichte und eine volle Pastorenstelle, auf die die kleine Gemeinde eigentlich keinen Anspruch mehr hat.

Für das nächste Jahre hatte Manfred Fischer schon wieder Spektakuläres vor. Die Getreideernte auf dem Feld neben der Kapelle hatte er in Säckchen in alle Länder des Ostens verschickt, die seit 1989 ihre Freiheit zurückgewonnen haben. Mit der Bitte, die Körner auszusäen und die Ernte zurück nach Berlin zu schicken. In der Aktion „FriedensBrot“ sollte das Korn 25 Jahre nach dem Fall der Mauer in der Versöhnungskirche verbacken werden.

Pfarrer Fischer war in zweiter Ehe mit einer Kirchenmusikerin verheiratet. Das Paar hat zwei noch schulpflichtige Kinder.

epd/dpa/sh