Bei Verdis „Il trovatore“ („Troubadour“) gehört es schon zum guten Ton, über die krude Handlung zu lästern. Nichts anderes macht auch der Berliner Regisseur Philipp Stölzl im Schiller-Theater. Seine Inszenierung ist eine Folge von comicartigen Szenen in historisch schrägen Kostümen.

Das Entscheidende aber bleibt in dieser Sängeroper, wer in den Kostümen steckt. Die russische Soprandiva Anna Netrebko debütierte in Berlin in der seit Monaten restlos ausverkauften Staatsoper im Schiller-Theater in der Rolle der Leonora. Natürlich darf sie an der Rampe singen, sie kann so wunderbar dahin sinken, sie singt makellos und wird vom Premieren-Publikum bejubelt.

Altstar Plácido Domingo hatte es als Luna deutlich schwerer. Domingo, der seit einigen Jahren nicht mehr als Tenor, sondern als Bariton auftritt, sang ebenfalls erstmals in seiner mehr als sechs Jahrzehnten langen Karriere den Grafen Luna.

Regisseur Philipp Stölzl bekam am Ende einige Buhs.

Daniel Barenboim aber brachte seine Staatskapelle auf Verdi-Hochtouren.

vbl