Für das Landgericht Moabit stand am Montag nach zweieinhalbmonatiger Verhandlung fest, dass die 24-jährige Julia K. ihren Sohn am frühen Morgen des 10. Dezember 2012 unmittelbar nach der Entbindung mit einer Bettdecke erstickte. Die Richter gingen von einem spontan gefassten Tötungsentschluss der jungen Frau aus, die Verurteilung zu drei Jahren Freiheitsstrafe erfolgte daher wegen Totschlags in einem minderschweren Fall.
Die Studentin hatte ihre Schwangerschaft verheimlicht und das Kind allein und unbemerkt in ihrem Zimmer in der Wohnung ihrer Eltern in Karow zur Welt gebracht.
Die Tötung eines Neugeborenen durch die eigene Mutter als minderschwerer Fall, eine solche Entscheidung weckt für gewöhnlich Unverständnis. Der Gesetzgeber billigt Frauen unmittelbar nach einer Entbindung unter bestimmten Voraussetzungen allerdings einen besonderen psychischen Ausnahmezustand zu, und die Gerichte behandeln eine in dieser Phase begangene Tat entsprechend. Allein, hilflos, überfordert - das sind die typischen Merkmale bei den zumeist jungen Frauen, die solche Taten begehen.
Auch Julia K. war allein und offenkundig überfordert, als sie das Kind zur Welt brachte. Ihr Fall unterscheidet sich dennoch von vielen anderen Fällen, die in Berlin in der Vergangenheit in großer Zahl zu beklagen waren.
Intelligente junge Frau aus gutbürgerlicher Familie
Bei Julia K. handelt es sich um eine intelligente junge Frau aus gutbürgerlicher Familie, in der Zusammenhalt wichtig ist und von der sie wohl jede Unterstützung erhalten hätte. Etwa zeitgleich mit Julia K. wurde auch ihre Schwester schwanger. Die ganze Familie freute sich auf den Zuwachs. Doch die Schwester lebte in einer funktionierenden Partnerschaft, alles war perfekt.
Bei der 24-Jährigen war nichts perfekt. Der Vater des Kindes hatte die Beziehung nach quälend langem Hin und Her beendet und wollte von dem Kind nichts wissen. Julia K. fühlte sich unvollkommen und verschwieg ihre Schwangerschaft aus Scham, wie das Gericht feststellte. In der Tat bemerkte niemand die Schwangerschaft, die Gewichtszunahme der 24-Jährigen schrieben Angehörige ihrer Vorliebe für ungesunde Fast-Food-Nahrung während einer Australienreise zu.
Selbst als die Wehen einsetzten, unterließ sie es, ihre nebenan schlafenden Eltern zu Hilfe zu holen. Stattdessen brachte sie das Kind allein zur Welt, wobei sie sich vor und während der Geburt ständig Tipps und Ratschläge im Internet holte. Als das Kind, ein lebensfähiger Junge, geboren war, fasste sie nach richterlicher Überzeugung ihren fatalen Entschluss.
Julia K selbst hat bis zuletzt die Tötung bestritten und von einem Unglücksfall gesprochen. Ihr Verteidiger führte zudem an, seine Mandantin sei zum Zeitpunkt der Tat gar nicht mehr Herrin ihrer Sinne gewesen. Das Gericht kam dennoch zu einem Schuldspruch.




