Die Deutsche Telekom steht offenbar kurz vor dem milliardenschweren Verkauf der Tochter Scout24. Der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman wolle für rund 1,4 Milliarden Euro 70 Prozent der Anteile an der Internet-Anzeigengruppe übernehmen, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Mittwochs. „Die Transaktion könnte in den nächsten Tagen angekündigt werden, aber noch ist nichts unterzeichnet“, betonte einer der Insider. Scout24 werde mit rund zwei Milliarden Euro bewertet. Das entspricht Finanzkreisen zufolge dem 20-Fachen des operativen Gewinns, was deutlich über dem Branchenschnitt liegt. Private-Equity-Häuser finanzieren einen Großteil ihrer Übernahmen mit Schulden, die sie dann den gekauften Firmen aufbürden.

Die Deutsche Telekom und Hellman & Friedman lehnten eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Einem Insider zufolge sollte sich noch am Mittwoch der Aufsichtsrat des Bonner Konzerns mit dem Verkauf beschäftigen. Sollte ein Geschäft zustande kommen, wäre dies eine der größten Übernahmen durch ein Private-Equity-Haus in Deutschland in diesem Jahr.

Europaweit sind Telekomkonzerne derzeit dabei, sich von Internet- und Inhalte-Geschäftsbereichen zu trennen. Auf diese Weise wollen sie Geld einsammeln, um Hochgeschwindigkeitsnetze auszubauen. Auch die Telekom kann die Finanzmittel aus dem Scout24-Verkauf gut gebrauchen. Mit dem frischen Geld soll unter anderem ein Teil des Netzausbaus in Deutschland und den USA finanziert werden, der Milliarden verschlingt.

Online-Geschäft sollten Verluste ausgleichen

Allerdings dürfte aus strategischer Perspektive die Entscheidung zur Trennung dem Bonner Konzern nicht leicht gefallen sein. Denn die nach wie vor wachsenden Internetgeschäfte wie Scout24 sollten eigentlich dazu beitragen, die Umsatzdelle im klassischen Telefongeschäft auszugleichen. Zu der Scout-Gruppe gehören die Anzeigenseiten Immoscout24, Autoscout24, TravelScout24 sowie Friendscout24.

Immoscout24 war 1997 in Berlin von Arndt Kwiatkowski und Joachim Schoss gegründet worden. Die Telekom war 2004 eingestiegen, 2007 übernahm sie das Portal komplett, um das herum die weiteren Seiten entwickelt oder zugekauft worden waren. Heute gilt Immoscout24 als Marktführer und beschäftigt allein in Berlin mehr als 600 Mitarbeiter. Die monatlich 10,5 Millionen Nutzer finden auf der Plattform 1,5 Millionen Immobilienangebote in zehn Ländern. Darüber hinaus engagiert sich Immoscout24 in der Frühfinanzierung von jungen Unternehmensgründungen. In Berlin betreibt das Unternehmen seit 2010 den Gründerbrutkasten „YouIsNow“.

Ins Schaufenster wurde die Anzeigengruppe schon vor einiger Zeit gestellt, vor allem Finanzinvestoren waren interessiert, weil das Unternehmen stabile Einnahmen verspricht. Neben Hellman & Friedman waren auch der schwedische Investoren EQT und der US-Investor Silverlake im Rennen. Der Medienkonzern Axel Springer („Bild“, Berliner Morgenpost), der sich zu einem Digitalunternehmen wandelt und konkurrierende Portale betreibt, hatte sich wegen der vergleichsweise hohen Kaufsumme Anfang September zurückgezogen.

rtr/gri