Mit einem besonderen Fall von Zensur hat es in dieser Woche die Berliner Malerin Susanne Schüffel zu tun. Sechs Bilder, die Teil einer Ausstellung von 50 ihrer Werke in der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf sein sollten, mussten kurzfristig abgehängt werden. Es waren Aktbilder. Vonseiten der Volkshochschule sei dies laut Auskunft der Künstlerin und des Organisators der Ausstellung damit begründet worden, dass damit die Gefühle von Muslimen verletzt werden könnten, die in der VHS Integrationskurse besuchen. So wurde kurzerhand verfügt, dass die Bilder verschwinden müssen. Susanne Schüffel blieb daraufhin ihrer eigenen Vernissage fern. Die Leitung der Volkshochschule war am Sonnabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Eine gemeinsame Sichtung oder ein Gespräch mit ihr habe es davor nicht gegeben, sagt die Künstlerin fassungslos. „Einfach hingehen und sagen, die müssen weg, das geht nicht.“ Zumal die Bilder einfache klassische Akte seien, die nichts Anstößiges haben und auch noch in einer Volkshochschule entstanden seien. Es geht der Künstlerin aber nicht nur um die Qualität der Bilder. Sie sieht die Freiheit der Kunst infrage gestellt. „Akte gehören in der Kunst seit der Antike dazu und hängen in jeder großen Ausstellung.“ Schüffel hat überlegt, die Ausstellung ganz abzubauen, aber das wollte sie dem Organisator Manfred Reichel dann doch nicht antun, sagt sie. Die übrigen Bilder sollen bis Februar hängen.
„Fall von Übereifer“
Auch Reichel ist schockiert, er hat die Ausstellung im Rahmen des Projekts Artkunstraum Helle-Mitte kuratiert. Vergleichbares habe er noch nie erlebt. „Wir haben es hier mit einem Fall von Übereifer zu tun“, sagt er. Integration bedeute schließlich auch, sich mit der kulturellen Vielfalt des Gastlandes auseinanderzusetzen. Eine Weisung, bestimmte Kunst im öffentlichen Raum aus Rücksicht auf Religionszugehörigkeiten nicht zu hängen, sei ihm nicht bekannt. „Es wäre gut, wenn darüber eine öffentliche Diskussion geführt würde“, sagt Reichel. Das im Rahmen der Ausstellung geplante Künstlergespräch am 5. Dezember wollen Reichel und Schüffel dazu nutzen. Die Kulturstadträtin des Bezirks, Juliane Witt (Linke), hat sich inzwischen bei der Künstlerin gemeldet und sie zum Gespräch eingeladen.
gs


