Das Plakat ist auffällig gelb. Zwei Strichmännchen sind darauf zu sehen, ein Junge und ein Mädchen. Die beiden halten sich an den Händen und strahlen. „Kitas machen schlau“, steht ganz oben auf dem Plakat. Und: „Jetzt anmelden“. Zwei Wochen lang werden 100 Exemplare davon in der Stadt zu sehen sein. Auf neun Quadratmeter großen Werbetafeln, die in der Dunkelheit leuchten, sollen sie an insgesamt 200 Standorten angebracht werden.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat mit der Plakataktion am Freitag eine Kampagne pro Kita gestartet. „Wir wollen die Eltern erreichen, deren Kinder noch nicht in der Kita sind“, sagt Scheeres. Von den über Dreijährigen seien das noch etwa sieben Prozent. Deren Eltern sollen darauf hingewiesen werden, dass Kitas Bildungseinrichtungen sind, die Sprach- und Sozialkompetenz der Kinder stärken. Und dass es ganz einfach ist, die Kinder anzumelden.

Zu der Kampagne gehört auch, dass alle Familien, deren Kinder älter als drei Jahre alt sind und noch keine Kita besuchen, von der Bildungsverwaltung einen Basisantrag für einen Kita-Gutschein zugeschickt bekommen. Dieser Antrag wird bereits an das jeweils zuständige Jugendamt adressiert sein. Nur Name und Geburtsdatum des Kindes müssen die Eltern dann noch eintragen und unterschreiben.

Vor allem Migrantenfamilien im Fokus

Knapp 3000 Familien werden im kommenden Jahr einen solchen Brief bekommen. Neben dem Anmeldeformular wird darin ein Schreiben enthalten sein, das den Eltern erklärt, worum es geht. „Wir wollen dieses Schreiben in vielen verschiedenen Sprachen, darunter Türkisch, Polnisch, Arabisch und Russisch abfassen“, sagt die Senatorin. Sie will mit dieser Aktion vor allem Migrantenfamilien, aber auch deutsche Eltern erreichen, für die der Gang zur Behörde eine unüberwindliche Hürde darstellt. „Wir gehen davon aus, dass viele dieser Eltern ihre Kinder in der Kita anmelden werden.“

Christa Preissing, Leiterin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung, sagt, dass die Kampagne vor allem auch Familien ansprechen will, die in Armut leben. „Diese Eltern scheuen sich oft, ihre Verhältnisse offenzulegen, und gehen schon deshalb nicht zum Amt.“ Von einer Kita-Pflicht hält die Wissenschaftlerin nichts. Gäbe es eine Pflicht, müsse die Einhaltung kontrolliert werden. Zu den Sanktionen gehörten Bußgelder, aber auch die Inhaftnahme. „Das wollen wir nicht.“ Angestrebt werde indes eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita.

6300 statt 3200 neue Kita-Plätze

Bildungssenatorin Scheeres kann am Freitag schließlich auch noch einen Erfolg vermelden. „Unser Ziel war es, 2012/13 3200 zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen. Es sind nun mit 6300 fast doppelt so viele geworden“, sagt sie. Um zu vermeiden, dass sich Eltern gleich in mehreren Kitas anmelden und dann auf verschiedenen Wartelisten stehen, werde es Anfang 2014 zudem ein EDV-gestütztes Programm geben, das alle Kita-Anträge erfasst. Eltern, die einen Platz für ihr Kind bekommen haben, würden anschließend aus allen übrigen Listen gelöscht.

„Fast alle Kita-Träger haben uns signalisiert, dass sie dieses Programm nutzen werden“, so Scheeres. Die Situation habe sich aber bereits entspannt. Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses Kita, sagt, dass es kaum noch Hilferufe von Eltern gebe, die händeringend einen Kita-Platz suchen. „Wir merken, dass die Anstrengungen der Verwaltung sich auszahlen.“