Die öffentlichen Schulen in Berlin benötigen im kommenden Jahr mehr Lehrer als ursprünglich geplant. Nach Angaben der Bildungsverwaltung müssen im Kalenderjahr 2014 an den Schulen 2000 Stellen neu besetzt werden. Das sind deutlich mehr als in den Jahren zuvor. In diesem Jahr wurden 1400 Lehrer eingestellt – und schon das gelang nur mit verspäteten Nachbesetzungen nach Schuljahresbeginn. Für Referendare in Mangelfächern wie Mathe, Musik oder Naturwissenschaften gibt es eine Jobgarantie.
Zusätzlich zu dem bereits einkalkulierten Lehrerbedarf zum Ausgleich der Pensionswelle kommen nun etwa 350 freie Stellen hinzu, um die neue Altersermäßigung abzufangen. Danach sollen Lehrer ab 58 Jahren eine Unterrichtsstunde pro Woche ermäßigt bekommen, ab 61 Jahren dann zwei Stunden pro Woche. Die Regelung soll ab August 2014 gelten.
Insgesamt können im Jahr 2014 mehr als 11.000 Lehrer von dieser Entlastung im Alter Gebrauch machen. Das ist mehr als ein Drittel der gesamten Lehrerschaft. Davon sind 7732 Lehrer über 61 Jahre alt und stehen somit kurz vor ihrer Pensionierung. Nach den Berechnungen der Bildungsverwaltung für den Hauptausschuss wird im kommenden Jahr damit der Höhepunkt der Überalterung in der Lehrerschaft erreicht sein. In den Jahren danach geht die Zahl der über 60-jährigen Pädagogen langsam zurück.
Zu wenig Bewerber für Physik und Mathematik
Mit der Altersermäßigung sollen die derzeit geltenden Arbeitszeitkonten abgelöst werden. Bisher können die Lehrer die geleistete unbezahlte Mehrarbeit ansammeln und dafür früher in den Ruhestand gehen. Vor allem Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hatte darauf gedrängt, dieses Modell zu beenden. Denn die früher mitten im Schuljahr ausscheidenden Lehrer wären so in absehbarer Zukunft noch schwieriger zu ersetzen gewesen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt, dass es gerade ab diesem Schuljahr schwer werden würde, genügend Fachkräfte für die Schulen zu finden. Vor allem für sogenannte Mangelfächer wie Physik und Mathematik habe es schon bei der letzten Einstellungsrunde nicht genügend Bewerber gegeben, sagt Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW. Viele Schulen hätten in ihrer Not andere Fachlehrer eingestellt, um die Stellen nicht offen zu lassen.
Scheeres spricht Einstellungsgarantie aus
Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) spricht angesichts des Mangels eine Einstellungsgarantie für Referendare mit den Fächern Informatik, Mathematik, Physik, Chemie, Musik und für Sonderpädagogen aus. Erstmals werden die Mangelfächer zusätzlich auch auf die beruflichen Schulen ausgeweitet. Hier gilt die Garantie für Lehrer mit den Fächern Elektrotechnik, Metalltechnik, Bautechnik und Sozialpädagogik. Insgesamt gilt die Jobgarantie für 285 Lehramtsanwärter, die derzeit an Berliner Schulen tätig sind. Die Junglehrer sind aufgefordert, sich bis zum 31. Oktober bei der Senatsbildungsverwaltung zu bewerben. „Die neu ausgebildeten Lehrkräfte sind unverzichtbar für die Zukunft der Berliner Schulen. Durch frühzeitige Einstellungsgarantien können wir erfahrungsgemäß viele gute Lehrerinnen und Lehrer an Berliner Schulen binden“, sagt Senatorin Scheeres.
Gerade die jungen Pädagogen fordern jedoch bessere Arbeitsbedingungen in Berlin. Seit zehn Jahren werden die Lehrer in Berlin anders als in den meisten anderen Bundesländern nicht mehr verbeamtet. Am kommenden Montag werden viele der 9000 angestellten Lehrer in allen Schulformen erneut dem Streikaufruf der GEW folgen. Sie wollen Tarifverhandlungen mit dem Land Berlin, um die Einkommen denen der verbeamteten Kollegen anzugleichen. Das Land lehnt bisher Verhandlungen ab und verweist auf die Zuständigkeit der Tarifgemeinschaft der Länder.





