Überfall

Wie eine Party in Berlin-Mitte mit sieben Verletzten endete

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Gandzior und Steffen Pletl

20 Jugendliche wollten eine Party in der einstigen Eisfabrik feiern. Doch dann wurden sie überfallen. Drei mutmaßliche Täter sind gefasst. Die Bauaufsicht geht gegen den Grundstückseigentümer vor.

Nervenkitzel und Partylaune müssen es gewesen sein, die eine Gruppe von ungefähr 20 Jugendlichen dazu brachte, am Montagabend in ein leer stehendes Haus in Mitte einzudringen. Dort aber wurden sie von mehreren Personen angegriffen und mit einer Eisenstange attackiert. Der Abend endete für sieben von ihnen mit Verletzungen an Kopf, Oberkörper und Beinen. Eine Person erlitt einen Schock. Zwei Personen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden, einen weiteren Verletzten versorgten die Rettungskräfte am Tatort.

Es war gegen 21.45 Uhr, als die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 23 Jahren in die ehemalige Eisfabrik an der Köpenicker Straße eindrangen. Dort feierten sie eine Party, als sie plötzlich von mehreren unbekannten Personen attackiert wurden. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde die Gruppe von den Angreifern die Treppen hinauf zum Dach des Hauses gedrängt.

„Auf dem Dach hat ein Mann die jungen Leute mit einer Metallstange angegriffen“, sagte der Sprecher der Behörde. Zwei Frauen und ein weiterer männlicher Täter hätten die Gruppe mit Füßen getreten und auf sie eingeschlagen. Die jungen Leute konnten schließlich fliehen und die Polizei alarmieren.

Die Beamten trafen am Tatort einen 30-jährigen Mann und zwei 37 und 40 Jahre alte Frauen an, nahmen die Personalien der mutmaßlichen Täter auf und schrieben eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. Der mutmaßliche Haupttäter, der mit der Metallstange zugeschlagen hatte, konnte nach Angaben der Polizei fliehen. Als Motiv für den Überfall vermuten die Ermittler, dass sich in dem Gebäude wohnende Obdachlose gestört gefühlt hatten.

Eigentümer „kommt Sicherungspflicht nicht nach“

Die ehemalige Eisfabrik steht seit Jahren leer und verfällt zusehends. Inzwischen leben ungefähr 50 Personen aus Osteuropa in dem Gebäude. Dabei handelt es sich um Menschen aus Bulgarien und Rumänien. In den riesigen Räumen wurden Öfen provisorisch eingebaut, die Wäsche hängt offen in den Räumen. Gekocht wird häufig über dem offenen Feuer. Es gibt keine sanitären Einrichtungen, weder fließendes Wasser noch Duschen. Zwischen den Mauern stinkt es nach Urin und Fäkalien, berichten Passanten. Tausende von Ratten bevölkern das Grundstück und die leeren Hallen. „Die Viecher sind ja schon so zutraulich, dass sie Männchen machen, wenn ich vorbeikomme“, sagt ein junger Mann, der in der Nachbarschaft arbeitet.

Polizei und Bezirksamt kennen die Probleme rund um das Grundstück seit Jahren. „Solange der Eigentümer keine Anzeige erstattet, sind uns die Hände gebunden“, sagt ein Polizeisprecher. Dann gebe es keinen Grund einzugreifen.

Beim Bezirksamt Mitte hat man reagiert. „Die Bauaufsicht des Bezirksamtes geht per Anordnung gegen den Grundstückseigentümer vor“, sagte ein Mitarbeiter der Behörde auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Er kommt seiner Sicherungspflicht nicht nach.“

Sollte in der gesetzten Frist nichts geschehen, werde die Bauaufsicht als letztes Mittel die Sicherung des Grundstückes und des Gebäudes mittels einer Ersatzvornahme selbst übernehmen. Die Kosten der staatlichen Maßnahmen werden dann dem Eigentümer in Rechnung gestellt.