Bier- und Grillstände reihen sich aneinander, aus Lautsprechern tönt die Musik der Blaskapelle „Berliner Löwen“, Menschen strömen vom Brandenburger Tor und vom Großen Stern auf die Festmeile. Noch bis Sonnabendabend feiert Berlin die deutsche Einheit. Deshalb ist der Große Tiergarten entlang der Festzone abgezäunt. Um zu verhindern, dass Menschenmassen unkontrolliert auf das Gelände strömen, sind Einlasspunkte eingerichtet, gegen Abend ist das Festival nur noch von zwei Seiten erreichbar und Taschenkontrollen sind an der Tagesordnung.

Doch nicht nur entlang der Wiedervereinigungs-Party werden Besucher des Großen Tiergartens von einem Zaun gebremst. Auch entlang der Lennéstraße und der Ebertstraße ist dieser abgezäunt. Obwohl kein direkter Zugang zum Fest auf der Straße des 17. Juni besteht, müssen Spaziergänger nach Eingängen in den Park suchen. Die gibt es. Hin und wieder tun sich in dem Bauzaun, der seit dem Marathon am vergangenen Wochenende dort steht, Lücken auf. Gerade groß genug, um im Notfall schnell abriegeln zu können.

„Sicherheit ist nicht verhandelbar“

„Wir kennen das schon“, sagt eine Mutter, die ihren Kinderwagen die Ebertstraße entlang schiebt. „Ich weiß, wo ich rein komme.“ Das dauert. Etwa 300 Meter weit geht sie den Zaun ab, bevor sie auf einem der Hauptwege in den Park gelangt. Auch innerhalb des Tiergartens gibt es Barrieren, einige Grünflächen sind umzäunt, Schließlich stehen Teile der Absperrung direkt vor Bänken oder an Statuen, sodass dem Besucher zwar seine Bewegungsfreiheit bleibt, nicht aber der schöne Blick ins Grüne. Nicht nur Berliner sind verwundert über die umfangreichen Zaunanlagen im Park. „Wir waren schon einmal in Berlin“, sagt Menno Klok, 45. Der Niederländer ist mit seiner Frau Simone für vier Tage in die deutsche Hauptstadt gereist. „Damals war das Gebiet noch nicht umzäunt“, sagt er. In den Niederlanden, sagt er, seien solche Absperrungen nicht üblich. „Das wurde Zeit, dass man hier den Riegel vorschiebt“, sagen Sabine Voss, 67, und ihr Mann Heiner, 69. Bei solchen Festen sei der Park oft voll mit Betrunkenen.

Eine Sicherheitsumzäunung bei Großveranstaltungen am Brandenburger Tor und auf der Straße des 17. Juni werde es auch künftig geben. Das stellt Harald Büttner, Leiter des Tiefbau- und Landschaftsplanungsamtes im Bezirksamt Mitte, klar. Als Großveranstaltung gelten Events mit mehr als 100.000 Besuchern – und das sei, so Büttner, auf dieser Festmeile eigentlich immer der Fall. „Sicherheit ist nicht verhandelbar, auch nicht politisch“, mahnte der Amtsleiter. Daher sei es nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft bei Festen sogar noch umfassender abgesperrt werden müsse.

Andere Zaunführung als beim Marathon

Die Zaunführung sei nicht mehr identisch mit der beim Marathon. Dort war sie, vor allem innerhalb des Großen Tiergartens, weitreichender. Zurzeit verläuft der Zaun von der Scheidemannstraße über Ebertstraße, Lennéstraße und Große Querallee, folgt dem Tiergartentunnel und der Yitzhak-Rabin- sowie der Scheidemannstraße bis zur Dorotheenstraße. Am Donnerstag habe die Polizei die Sperre am Platz des 18. März sogar vorübergehend vorgezogen, weil der Andrang auf das Einheitsfest sehr groß gewesen sei, so Büttner.

Der jetzige Zaun bleibe bis zum Ende des Festes stehen und werde von Sonntag an abgebaut. Auch Bewachung und Personenkontrolle würden bis Sonnabendabend aufrecht erhalten. Die Kosten dafür trage der Veranstalter. Bis Montag, 18 Uhr, müsse das Partygelände besenrein an den Bezirk übergeben werden, sagte Büttner. Und weiter: „Die Menschen auf dem Fest sollen sich sicher fühlen können, weil keine gefährlichen Gegenstände auf das Gelände gelangen können.“

Gewaltsame Durchbrüche

Der Amtsleiter erläuterte, dass jeder Veranstalter ein Sicherheitskonzept vorlegen müsse. Vorher werde eine Risikoanalyse erstellt. Dabei ließen die Vorgaben des Bundeskriminalamtes zu Großveranstaltungen und potenziellen Gefährdungen „wenig Interpretationsspielraum“ zu. Das Sicherheitskonzept des Veranstalters werde in Konferenzen erörtert und in aller Regel mehrfach überarbeitet. Während der Veranstaltung werde das Konzept dann lageabhängig umgesetzt. Dazu seien Polizei, Feuerwehr, Bezirksamt Mitte und Verkehrslenkung Berlin im ständigen Kontakt. Auf einen Zaun könne nicht verzichtet werden. Büttner erinnerte an die Fanmeile zum Champions-League-Finale im Mai dieses Jahres und die Warnung vor Anschlägen tschetschenischer Terroristen. Ohne Absperrung hätte man die Fanmeile nur noch absagen können.

Er räumte ein, der jetzt am Tiergarten aufgestellte Bauzaun sei „unschön“. Zudem sei er nur schwer zu bewachen und daher nicht sachgerecht. Am Donnerstag habe es zwei gewaltsame Zaundurchbrüche gegeben, beim Deutschlandfest der SPD im August ebenfalls zwei. „Wenn Sie das verhindern wollen, brauchen Sie eine Menschenkette“, sagte Büttner. Eine Außensicherung des Großen Tiergartens sollte anders aussehen, forderte er deshalb.

Das Bezirksamt Mitte hat einen Entwurf für einen ständigen, stabilen Sicherheitszaun aus schmalen Metallpfählen vorgelegt, in den mehrere Tore integriert sind. Je nach Sicherheitserfordernissen bei Veranstaltungen könne man die Tore schnell und unkompliziert schließen, so Büttner. Ansonsten stünden sie offen, der Zugang zum Park wäre nicht beeinträchtigt. Allerdings kostet ein solcher Zaun etwa 3,25 Millionen Euro.

Bislang steht der Senat dem Projekt sehr kritisch gegenüber. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sieht keine Notwendigkeit dafür. Man solle sich gut überlegen, ob man den Großen Tiergarten dauerhaft einzäunen will.