Ein fremder Blick kann helfen, die wahre Größe zu erkennen. Touristen laufen durch Mitte, vor der St. Hedwigs-Kathedrale bleiben sie stehen. „Wer ist gestorben?“, fragt ein Amerikaner. „Ein großer Unternehmer“, antwortet ein Trauergast. „Wie viele Mitarbeiter?“ „Mehr als 60.000 in der ganzen Welt.“ Der Amerikaner bleibt einen Moment stehen, dann verbeugt er sich Richtung Kapelle und sagt: „Wow.“
Peter Dussmann ist am Sonnabend beerdigt worden. Der Mann, der im badischen Rottweil geboren wurde und später von Berlin aus als Geschäftsmann mit einem Dienstleistungskonzern die Welt eroberte, hat im Herzen der Stadt die letzte Ruhestätte gefunden. Auf dem Domfriedhof St. Hedwig. Er ist zu einem Teil der Geschichte der Hauptstadt geworden.
In der Kapelle sitzen Angehörige und Freunde, es sind die stillen Minuten vor dem Trauergottesdienst. In der ersten Reihe: seine Frau Catherine von Fürstenberg-Dussmann im schwarzen Schleier, und Christina Rau, Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten. Auf dem Altar steht ein Foto des Unternehmers aus dem Jahr 2006, aufgenommen in seinem Kaufhaus an der Friedrichstraße. Das Bild zeigt ihn auf der Höhe seines Erfolges, vor den Schlaganfällen, die ihn zum Rückzug zwangen. Man weiß nicht genau, ob er auf dem Bild ernst schaut oder lächelt.
Ex-Wirtschaftsminister Clement erinnert an den Macher Dussmann
„Wenn ich mich erinnere, wie er war“, sagt der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement später in seiner Trauerrede, „dann ahne ich, er würde uns auch jetzt ziemlich barsch dazu auffordern, nun das zu erledigen, was jeder von uns heute noch zu tun hat.“ Wer zu diesen Worten das Bild von Dussmann anschaut, meint nun ganz sicher, ein Lächeln zu erkennen.
Clement sagt, der Verstorbene sei ein Macher gewesen, wie er im Buche stehe. Manche hätten ihn einen 24-Stunden-Unternehmer genannt. Er erinnert daran, wie er „mit einem Schlag“ aus der Bahn geworfen wurde, an seinen „unbarmherzigen“ Leidensweg, den seine Frau Catherine bis zum letzten Atemzug begleitet habe. Clement nannte es einen „unvergesslichen Moment“, als seine Frau ihn noch im Mai dieses Jahres im Rollstuhl zur Jubiläumsfeier der Unternehmensgruppe an den Zeuthener See brachte. Wie der schwer kranke Mann in seiner „körperlichen Unbeweglichkeit sichtlich bewegt war“.
Das Orchester spielt ein Klarinettenquintett von Mozart. Für Dussmann, der die Kultur unterstützt hat. Sechs Träger mit weißen Handschuhen bringen den Sarg nach draußen zur Beisetzung im engeren Kreis. Nur wenige Straßen von der Kapelle entfernt herrscht indessen Betrieb im Kulturkaufhaus. So wie immer, auch an diesem Sonnabendvormittag. Man sieht die Kunden zwischen den Büchern und CDs und denkt an das Bild von Peter Dussmann vor dem Altar. Ja, er lächelt darauf.










