DDR-Geschichte

Neue Dauerausstellung zieht in früheres Stasi-Gefängnis

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Ingo Rössling

Foto: Marion Hunger

Im früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen wird eine neue Dauerschau eröffnet. Gezeigt werden Hunderte Zeugnisse politischer Verfolgung.

„Gefangen in Hohenschönhausen“: Diesen Titel trägt die neue Dauerausstellung in der Stasiopfer-Gedenkstätte an der Genslerstraße 66. Sie wird an diesem Freitag von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnet. Auch der ehemalige Häftling Horst Jänichen wird zu den Gästen sprechen.

Im einstigen zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit in Hohenschönhausen (Bezirk Lichtenberg) werden künftig den Besuchern aus aller Welt auf 700 Quadratmetern Zeugnisse politischer Verfolgung von 1945 bis 1989 und die Geschichte des Unterdrückungsortes anschaulich vor Augen geführt. 500 seltene Exponate aus dem Gefängnisalltag und mehr als 300 historische Fotos sind zu sehen. Zusätzlich sind hundert Medienstationen im Einsatz.

Gedenkstätten-Leiter Hubertus Knabe sagt: „Natürlich stehen Biografien und die persönlichen Erfahrungen der Stasiopfer während ihrer Haft in Hohenschönhausen im Mittelpunkt der Ausstellung.“ Gezeigt werden beispielsweise auch Kassiber, die dokumentieren, dass sich die Inhaftierten nicht unterkriegen ließen. Die „Welt der Täter“ werde mit einem separaten Kapitel beleuchtet. Für die Schau wurde das Gebäude der Gefängnisleitung umgebaut. Die Direktorenräume mit gemusterter Tapete, Telefonanlage und Schränken sind originalgetreu hergerichtet worden. Informiert wird in einem Extra–Kapitel der Ausstellung auch über die Welt der Gefängnisbediensteten.

Der 2011 begonnene Umbau der Gedenkstätte ist nunmehr abgeschlossen. Für das gesamte Projekt stellten die Bundesregierung und das Land Berlin insgesamt 16,3 Millionen Euro bereit. Die Kosten wurden zu gleichen Teilen getragen. Bei laufendem Betrieb entstanden in früheren Garagen ein Besucherzentrum mit Buchshop und Café sowie Seminarräume und Toiletten. Auch die Bibliothek mit ihren etwa 8000 Bänden hat nun viel mehr Platz. Die Ausstellung sollte eigentlich schon im Februar zu sehen sein. Durch Schadstoffe in Böden sowie Statikprobleme verzögerte sich die Fertigstellung.

Der dreimillionste Gast kam aus den USA

Die Zahl der Besucher stieg von Jahr zu Jahr, der authentische Ort drohte aus allen Nähten zu platzen. Jetzt können Gruppen besser verteilt werden. 2012 gab es in der 1994 eröffneten Gedenkstätte mit 351.000 Besuchern einen neuen Jahresrekord. Im September 2013 ist der insgesamt dreimillionste Gast - ein Tourist aus den USA – begrüßt worden.

In Hohenschönhausen waren DDR-Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley, Jürgen Fuchs und Ulrike Poppe eingesperrt. DDR-Karten wiesen das Gefängnis als weißen Fleck aus. 1945 hatte der sowjetische Geheimdienst dort zunächst das Speziallager Nr. 3 eingerichtet, 1951 übernahm die Stasi das Kommando. Die Aufgabe, an das DDR-Unrecht zu erinnern, werde mit größerem zeitlichen Abstand nicht kleiner, sondern eher größer, sagt Knabe. Auch künftig würden ehemalige politische Häftlinge durch die Zellen und Verhörräume führen, um über Gewalt, Unterdrückung und Selbstbehauptung zu berichten.

( (mit dpa) )