Die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Rockermilieu sind nach Einschätzung eines leitenden Berliner Kriminalbeamten noch nicht zu Ende. Der Chef einer Spezialeinheit zur Bekämpfung der Rockerkriminalität wurde im Strafprozess gegen einen früheren Rockerboss befragt. „Wir wollen der Szene zeigen, dass wir da sind“, sagte der Zeuge am Dienstag vor dem Berliner Landgericht zur offenen Beobachtung von Rockergruppen durch die Polizei.

In dem Prozess muss sich der frühere Chef der Hells Angels Nomads wegen Anstiftung zum Mord verantworten. Der 52-Jährige bestreitet, einen Auftrag zur Ermordung seines Nachfolgers André S. erteilt zu haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte sich der 52-Jährige für seinen Ausschluss aus dem Club rächen.

André S. wurde in der Nacht zum 10. Juni 2012 vor seinem Lokal in Berlin-Hohenschönhausen durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt. Als Schütze gilt ein untergetauchter Ukrainer.

Polizisten aus ganz Deutschland bewachen André S.

Der Kriminalbeamte schilderte vor Gericht, dass die Polizei den schwerverletzten Rockerboss rund um die Uhr im Krankenhaus bewachte. Hundertschaften aus dem ganzen Bundesgebiet seien deshalb nach Berlin gekommen, berichtete der Zeuge über den mehrere Wochen andauernden Einsatz. Aber auch Hells Angels hätten vor der Klinik Wache gestanden und den Polizisten angeboten, sich diese Aufgabe mit ihnen zu teilen. „Sie haben halbe-halbe angeboten, wir haben abgelehnt“, sagte der leitende Beamte.

Vor Gericht hatte André S. eine Aussage verweigert. Die Richter verhängten deswegen 500 Euro Ordnungsgeld. In der Rockerszene gilt es als eisernes Gesetz, nicht mit Polizei und Justiz zu kooperieren. „Der Mann hat seine eigenen Regeln“, sagte auch der Kriminalbeamte im Zeugenstand. Sollte André S. von der Schuld des Angeklagten überzeugt sein, würde er ihn eher selbst bestrafen, meinte der Polizist.