Vor dem Landgericht Moabit hat einer der größten jemals in Berlin geführte Drogenprozess begonnen. Seit Montag müssen sich vor einer großen Strafkammer acht Männer und zwei Frauen aus Lichtenberg und Marzahn verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, innerhalb von drei Jahren fast zehn Tonnen Marihuana in die Hauptstadt geschmuggelt und von dort aus verkauft zu haben.
Wegen mehrerer Anträge der Verteidiger wurde die Verhandlung direkt nach der Eröffnung schon wieder vertagt. Richter und Prozessbeteiligte stellen sich auf einen ebenso langwierigen wie schwierigen Prozess ein.
Die Dealer besorgten den Stoff im Ausland
282 Fahrten in die Niederlande und nach Tschechien sollen die Angeklagten zwischen Januar 2010 und Februar 2013 unternommen haben, um die Drogen zu beschaffen. In mehreren Wohnungen in Berlin sowie in einem Wochenendhaus bei Oranienburg (Oberhavel) soll die Ware gelagert und in handelsübliche Portionen verpackt worden sein, bevor sie in Berlin sowie im Umland gewinnbringend verkauft wurde.
Die Staatsanwaltschaft spricht von einem groß angelegten banden- und gewerbsmäßigen Drogenhandel. Die Mitglieder der Bande, allesamt Deutsche, sind zwischen 27 und 51 Jahre alt, als Kopf und Drahtzieher gilt ein 41-Jähriger.
Monatelang hatten Kriminalbeamte und Zollfahnder ermittelt, bevor sie den mutmaßlichen Drogendealern auf die Spur kamen. Am 12. Februar dieses Jahres entdeckten die Fahnder einen Konvoi aus drei Mietfahrzeugen auf der Autobahn südlich von Berlin und verfolgten die Verdächtigen, die gerade von einer weiteren Einkaufstour aus Tschechien zurückkamen bis zu ihren Zielen. Dort schlugen die Behörden zu.
Der Verkaufswert der Drogen liegt bei rund 480.000 Euro
Spezialkräfte von Polizei und Zoll durchsuchten fünf Wohnungen in Marzahn, Hohenschönhausen und Friedrichshain sowie das Wochenendhaus im Umland. Die imposante Ausbeute des Großeinsatzes: 60 Kilogramm Marihuana (Wiederverkaufswert etwa 480.000 Euro) , 80.000 Euro Bargeld, 100 Handys und vier Schusswaffen, teilweise mit Schalldämpfer versehen. Den Waffenfund wertet die Staatsanwaltschaft als Beleg für die Gefährlichkeit der Bande.
Noch am gleichen Tag wurden vier mutmaßliche Dealer festgenommen, die nachfolgende Ermittlungen führten die Fahnder auf die Spur von sechs weiteren Verdächtigen, die an den Geschäften beteiligt gewesen sein sollen. Und schon bald wurde der Gesamtumfang des jahrelangen Drogengeschäftes ermittelt. Insgesamt 9.500 Kilogramm Marihuana sollen die Angeklagten nach Berlin geschmuggelt haben, Wert knapp acht Millionen Euro.
Der Prozess soll am morgigen Mittwoch fortgesetzt werden, insgesamt hat das Gericht. 27 Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt, das Urteil soll Ende Janus 2014 gesprochen werden.





