Auszeichnung

Wie Adolf Hitler als Kind von einem Mercedes überrollt wird

Im umstrittenen Videoclip „MCP“ wird Hitler im Kindesalter von einem Mercedes überfahren. Der Autohersteller hatte dies nicht autorisiert. Nun wurde der Clip aber als bester Werbefilm ausgezeichnet.

Foto: - / dpa

Der Mercedes der E-Klasse rollt durch eine Landschaft, die deutlich altmodischer aussieht als das Gefährt. Die Karriere hält noch rechtzeitig bei zwei spielenden Mädchen, überfährt dann aber einen Jungen, der über die Straße rennt, obwohl er noch hätte halten können. Die Mutter ruft: „Adolf“, das Kind liegt, die Gebeine verrenkt, in Hakenkreuzform auf dem Boden. Der Wagen fährt am Ortsschild Braunau vorbei. Darüber erscheint der Werbeslogan für ein Bremsassistenzsystem von Mercedes: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Der Werbeclip „MCP“ entstand, um das gleich zu betonen, ohne Einverständnis des Autoherstellers. Regisseur Tobias Haase ist Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, für ihre Abschlussfilme suchen sich die Studenten ihre Marken selber aus. „MCP“ aber hat nun eine Aufmerksamkeit bekommen, die Mercedes kaum schmecken kann. Auf Youtube wurde er bereits 900.000 Mal aufgerufen, nun wurde er am Montag auch mit dem First Steps Award als bester Werbefilm ausgezeichnet.

Jury hat sich schwer getan

Besonders pikant: Mercedes unterstützt First Steps, und deren Vertreterin Bettina Haussmann vergab just den Preis in der Sparte Werbefilm. Noch ein zweiter nominierter Film, „The Journey“ von Andreas Bruns (aus derselben Hochschule), hat die Automarke beworben, aber ganz in deren Sinne. Dieser Clip ist sogar gekauft worden und läuft in manchen Kinos. Von „MCP“ hat sich Mercedes dagegen in aller Form distanziert.

Auch die Jury hat sich schwer getan. Darf ein Spot eine existierende Marke zum Richter über Leben und Tod machen? Darf Werbung das Thema Nationalsozialismus überhaupt aufgreifen? Darüber haben die fünf Juroren hitzig debattiert. Aber, so heißt es in der Begründung: „‚MCP’ hat das, was heutigen Werbespots oftmals fehlt: Wirkung.

Zuschauer muss sich eine Meinung bilden

Dieser Spot versendet sich nicht. Als Zuschauer wird man förmlich dazu gezwungen, sich eine Meinung zu bilden.“ Und: „Solche Ideen-Verfechter braucht die Kreativbranche.“ Bettina Haussmann stand daneben und betonte, Mercedes nehme keinen Einfluss auf die unabhängige Jury. Dieser Spot musste geradezu gewinnen. Andernfalls hätte jeder vermutet, dass Mercedes sich doch eingemischt hätte. Regisseur Haase bekam ein Preisgeld von 10.000 Euro. Die Frage, ob das lustig sein soll, ein Kind totzufahren, muss er sich dennoch stellen lassen.

Die First Steps wurden zum 14. Mal verliehen. Die anderen Preise gingen fast unter: Talkhon Hamzavi gewann mit „Parvaneh“ in der Kategorie Kurzfilm, Anna Thommen, wie Hamzavi Absolventin der Zürcher Hochschule der Künste, für die Doku „Neuland“. Der Preis für den besten mittellangen Film ging an „Sunny“ von Barbara Ott (Filmakademie Baden-Württenberg), der Preis für den besten Spielfilm an „Lamento“ von Jöns Jönsson (HFF Potsdam).