Eine mit Mohnblumen verzierte Vase und ein Brandenburger Tor aus Porzellan stehen bereits in einer Vitrine im Weißen Haus in Washington. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schenkte das Porzellan aus dem Haus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin – kurz KPM – US-Präsident Barack Obama und seiner Frau Michelle bei ihrem jüngsten Besuch in der Hauptstadt. KPM.

Diese drei Buchstaben stehen für ein Produkt: hochwertiges Porzellangeschirr. Und das seit 250 Jahren. KPM ist eines der ältesten Berliner Unternehmen, und es steht für Tradition.

Ob blumiges Dekor und modernes Design, 1763 begann, was noch heute üblich ist: Edles KPM-Porzellan als diplomatisches Geschenk, als Geschirr der Mächtigen. Egal zu welchen Zeiten, ob in amerikanischen Präsidentenfamilien oder in russischen Zarenhäusern – überall steht ein Stück Berliner Porzellan, denn auch die Geschenke Friedrich des Großen stammten fast alle aus der Manufaktur. Nicht ohne Grund, denn er gründete das Haus vor 250 Jahren.

Friedrich der Große als Eigentümer und bester Kunde

Der Alte Fritz war ein großer Anhänger des sogenannten weißen Goldes: Eine Masse aus den Rohstoffen Kaolin, Feldspat und Quarz, die anschließend in Brennöfen gehärtet wird. Jede Manufaktur hat eine andere, geheime Rezeptur.

Der Preußen-König erwarb die „Aechte Porcelaine Fabrique zu Berlin“ für 225.000 Reichstaler. Ein Kauf, der zu damaligen Zeiten Renommee versprach. Der königliche Käufer gab der Fabrik das kobaltblaue Zepter aus seinem Wappen als Zeichen und veränderte den Namen zu seinen Gunsten. In den Anfangsjahren nannte sich der Eigentümer des königlichen Porzellans auch seinen besten Kunden. So gab er allein für seine Schlösser Tafelservice mit bis zu 450 Einzelteilen in Auftrag, 21 insgesamt.

Er gab den Arbeitern in seiner Porzellanfabrik außergewöhnlich hohe Löhne. Sie fertigten Geschirre, Schreibzeuge, Lampen, Vasen und Figuren verschiedenster Typen: Büsten, Tiere, galante und mythologische Gruppen. Zugleich legte eine strenge Manufakturordnung Strafen für mögliche Vergehen gegen die Arbeitsdisziplin fest.

Das typische blasse Blau

1784 tauchte erstmals das typisch blasse Blau auf dem Lieblingsservice des preußischen Königs auf. Vier Jahre lang hatten Entwickler auf Wunsch des Königs an der Farbe gearbeitet. Sie nannten es „Bleu mourant“ – das sterbende Blau. Bis heute hat sich diese Mundart in Berlin erhalten: Fühlt sich jemand „blümerant“ ist er blass, fühlt er sich unwohl. Schon 1790 wurde das üppig bemalte „Kurland“-Tafelservice vom gleichnamigen Herzog in Auftrag gegeben. Es gilt heute als das bekannteste Produkt der Porzellanhersteller und diente als Vorlage für das diesjährige Jubiläumsservice.

Bis zum Ende der Monarchie waren sieben Könige und Kaiser Eigentümer des Hauses, 1918 ging die KPM als Kulturgut in den Besitz des Staates über. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Berlin Eigentümer. Im Dezember 2004 ließ der Senat das Unternehmen privatisieren, 2006 erwarb der Bankier Jörg Woltmann die Edelmarke für 13,5 Millionen und rettete sie vor der Insolvenz.

Das zerbrechliche Gut wird bis heute ausschließlich in Berlin gefertigt, 170 Mitarbeiter sind in dem Unternehmen beschäftigt. Mehr als 80 Prozent der Arbeitsprozesse erfolgen in aufwendiger Handarbeit. Die Ausbildung eines Malers in der Manufaktur dauert dreieinhalb Jahre. Jede Tasse, jeder Teller, jede Vase geht durch mehrere Hände. Sie formen, brennen und bemalen Vasen, Schalen und Terrinen. Wer ein KPM-Service erworben hat, kann Zeit seines Lebens nachbestellen. Friedrich der Große unterschrieb den Kaufvertrag exakt am 19. September 1763. Anlässlich ihres 250-jährigen Bestehens feiert das Traditionshaus gleich mit mehreren Ausstellungen – unter anderem am heutigen Standort am Rande des Tiergartens und im Schloss Charlottenburg.

Bislang unbekannte Porzellane

Dort wird am Donnerstag die Ausstellung „KPM – Gestalten, Benutzen, Sammeln. 250 Jahre Porzellan aus der Königlichen Manufaktur Berlin“ eröffnet. Bis zum 5. Januar werden Exponate und Vorlagen aus einem Vierteljahrtausend KPM zu sehen sein. Zur Schau stehen eine Festtafel mit einem Silberhochzeitsservice von 1883 und das KPM-Archiv, private Sammler präsentieren bislang unbekannte Porzellane aus drei Jahrhunderten. Die Leihgaben zeigen die künstlerische Entwicklung des Berliner Handwerksbetriebs von Rokoko, Klassizismus und der Belle Époque.

Spätestens im nächsten Jahr will sich die Manufaktur als eine der besten der Welt etablieren und schwarze Zahlen schreiben. Der verhältnismäßig geringem Exportanteil von 15 Prozent geht vor allem in die Vereinigten Staaten und Asien. In den nächsten drei Jahren soll der Export auf bis zu 40 Prozent steigen.

Ausstellung „250 Jahre Porzellan aus der Königlichen Manufaktur Berlin“: Prächtige Festtafel und Sonderpräsentation zum Jubiläumsjahr im Schloss Charlottenburg vom 19. September bis 5. Januar 2014; bis 31. Oktober,

Di.-So., 10-18 Uhr, ab 1. November, Di.-So.,10-17 Uhr, Eintritt 12/8 Euro.