Skulptur gestohlen

Dreister Diebstahl auf Friedhof mit Bewährung geahndet

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Nach dem Diebstahl einer Skulptur von einem Friedhof im Berliner Stadtteil Lichterfelde sind drei Brüder zu Bewährungsstrafen von sieben bis 12 Monaten verurteilt worden.

Buntmetalldiebe sind für Berlin seit Jahren ein Problem. Ermittler und Betroffene sprechen auch schon mal von einer „regelrechten Plage“. Die meisten Täter haben es auf Kupferkabel abgesehen und sorgen häufiger dafür, dass ein ganzer Streckenabschnitt der Bahn lahmgelegt wird.

Einige Täter schrecken allerdings auch nicht vor Friedhöfen zurück. Zu dieser Gruppe gehören drei Brüder, die sich am Montag vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten mussten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen räuberischen Diebstahl in einem besonders schweren Fall sowie Störung der Totenruhe vor.

Objekt der Begierde war eine Bronzeskulptur, die nach Expertenmeinung als „kunstgeschichtlich bedeutsam“ anzusehen ist. Die Skulptur „Ricke mit Kiez“ zierte das Grab eines 1934 verstorbenen Berliner Industriellen auf einem Friedhof in Lichterfelde.

Am 16. Juni 2012 rückten die Angeklagten mit einem Transporter auf dem Friedhof an, rissen in einem wahren Kraftakt die Skulptur mitsamt Betonanker aus der Grabplatte, verluden sie auf dem Klein-Lkw und wollten mit ihrer Beute davonfahren.

Diebe wurden beobachtet

Die Tat war allerdings von den Beamten einer Zivilstreife beobachtet worden. Als die Polizisten den Lkw der Diebe verfolgen wollte, stieg einer der Brüder aus dem Fahrzeug und baute sich mitten auf der Straße vor dem Funkwagen auf, um diesen an der weiteren Verfolgung der Täter zu hindern.

Dabei nahm der Täter gegenüber den Zivilpolizisten eine „bedrohliche Haltung ein“, wie es in der Anklageschrift hieß. Das genügte, um aus einem herkömmlichen einen räuberischen Diebstahl zu machen. Der Unterschied zwischen den beiden Delikten kann im Strafgesetzbuch durchaus einige Jahre ausmachen.

Im Prozess am Montag gestanden die drei Männer im Alter von 31, 33 und 35 Jahren, die Skulptur abtransportiert zu haben. Aus dem Grab gerissen hätten das Kunstwerk allerdings andere.

Für ihre Taten wurden die Angeklagten von einem Schöffenbericht zu Freiheitsstrafen zwischen sieben und zwölf Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Offen bleibt, was die Angeklagten mehr ärgert, ihre Festnahme und Verurteilung oder das schlechte Geschäft, das sie bei der Tat gemacht hätten. Man habe ihnen für den Transport des Beutegutes 500 Euro angeboten, sagte einer der Männer. Der tatsächliche Wert der Skulptur liegt laut Sachverständigen bei 30.000 Euro.

( hhn/dpa )