Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) ermittelt intensiv in den eigenen Reihen: Ein Polizist soll zwei Kinder und einen Jugendlichen sexuell missbraucht haben. Mit Hinweis auf die laufenden Untersuchungen wollte sich die Polizei am Freitag nicht näher zu dem Fall äußern. Der Polizist wurde vom Dienst suspendiert. Ein Angehöriger eines der mutmaßlichen Opfer hatte ihn am Mittwochabend angezeigt. Ermittler durchsuchten am Donnerstag die Wohnung und den Arbeitsplatz des Beamten. Sie stellten einen Computer und Datenträger sicher. Details zu den mutmaßlichen Missbräuchen wie Alter oder Geschlecht der Opfer sind noch nicht bekannt.
Nach Informationen der Berliner Morgenpost erscheint als sicher, dass der Verdächtige auch sexuelle Handlungen an seinen Opfern begangen und ihnen nicht lediglich Bilder und Videoaufnahmen mit pornografischem Inhalt gezeigt hat. Es soll auch um „persönliche Kontakte“ gegangen sein.
Das Material wird ausgewertet
Mitarbeiter des betroffenen Polizeiabschnitts, der für den Schöneberger Süden und den Stadtteil Friedenau zuständig ist, wollten sich am Donnerstag nicht zu dem Vorgang äußern. Dort wurde lediglich bestätigt, dass bei den Durchsuchungen am Donnerstag Datenträger und ein Computer beschlagnahmt wurden. Das sichergestellte Material müsse zunächst einmal von Beamten des Landeskriminalamts gründlich ausgewertet werden.
Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll das Beweismaterial auch Aufnahmen mit Kinderpornografie enthalten, deren Herstellung, Besitz und Verbreitung strafbar ist. Die Ermittlungen nahmen erst am Mittwochabend ihren Anfang, nachdem ein Angehöriger eines Jungen eine Anzeige wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erstattet hatte. Die Polizei reagierte umgehend darauf, indem am folgenden Vormittag die Durchsuchungen in der Wohnung des Tatverdächtigen und an seinem Arbeitsplatz stattfanden.
Bruder eines der Opfer brachte Taten ans Licht
Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist es einem älteren Bruder eines der Opfer zu verdanken, dass die mutmaßlichen Verbrechen ans Licht gekommen sind. Möglicherweise hatte der in Verdacht geratene Polizist seine Opfer mit verschiedenen Formen von „Belohnungen“ angelockt. Der Betreffende hatte sich darüber gewundert, dass sein kleiner Bruder plötzlich mehr Geld besaß als üblich. Außerdem hatte er ungewöhnlich viele neue Spielsachen, was den Älteren schließlich misstrauisch machte. Das Misstrauen wuchs noch weiter an, weil der Junge seinem Bruder keine glaubhaften Aussagen zur Herkunft des Geldes und des Spielzeugs machen konnte. Als der Ältere sich nicht mit den Erklärungen zufriedengab und weiter auf seinen Bruder einwirkte, offenbarte sich der Junge ihm gegenüber dann offensichtlich doch. Der große Bruder redete mit seinen Eltern. Einer der Erziehungsberechtigten erstattete daraufhin Strafanzeige.
Angaben darüber, warum sich die laufenden Ermittlungen auf drei Opfer – darunter einen Jugendlichen – beziehen, machte die Polizei nicht. Auch ist bislang unbekannt, woher die mutmaßlichen Opfer des Verdächtigen stammen und ob die Kontakte in irgendeinem Zusammenhang mit der Diensttätigkeit des mutmaßlichen Täters stehen.
Ähnliche Vorwürfe gegen Polizisten sind eher selten
Vergleichbare Anschuldigungen gegen Polizeibeamte in Berlin oder in der Region sind selten. Ende 2008 war ein Kriminaloberkommissar wegen sexuellen Missbrauchs eines Jungen und Besitzes von Kinderpornografie von einem Moabiter Schöffengericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 57-jährige hatte im Dezember 2006 in seiner Wohnung in Treptow einen elfjährigen Jungen in obszönen Posen fotografiert. Das Kind kam aus der Stricherszene und war für diese Dienste offenbar bezahlt worden. Außerdem waren bei dem Beamten bei seiner Einreise aus Bangkok am Flughafen Düsseldorf vier Pornofilme gefunden worden, die Sex mit kleinen Jungen zeigten. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung entdeckten Kriminalbeamte zudem rund 100 weitere einschlägige Videos und etwa 50 Bilddateien.
Im Herbst 2007 wurde in Brandenburg ein 41 Jahre alter Polizist in Frankfurt (O.) wegen Vergewaltigung sowie sexuellen Missbrauchs und Nötigung von Kindern zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte sich zwischen 2004 und 2006 an drei Mädchen, die damals acht, zwölfund 14 Jahre alt waren, unter anderem in einem Vereinshaus des Spielmannszuges sexuell vergangen hatte.
Im Frühjahr 2007 waren in den Wohnungen von vier Polizeibeamten aus Pankow, Lichtenberg, Reinickendorf und Neukölln Computer und Datenträger wie CDs beschlagnahmt worden, die Kinderpornografie enthielten.




