Berlins Kindertagesstätten sind ein überaus beliebtes Ziel für Diebe. In jede fünfte Kita wird im Durchschnitt einmal pro Jahr eingebrochen. 2012 zählte die Polizei 419 Einbrüche bei den rund 2000 Kindertagesstätten in der Stadt. Das sind deutlich mehr als in den Vorjahren, als die Zahl der Einbrüche meist bei rund 350 lag.
Auch in diesem Jahr dürfte nach den bisher vorliegenden Zahlen für das erste Quartal eine ähnlich hohe Zahl wie 2012 erreicht werden. Bis Ende März nahmen die Beamten 109 Mal einen Einbruch in einer Kita auf. Insgesamt sind Kriminelle seit 2005 genau 3009 Mal in die Gebäude von Kindertagesstätten eingestiegen.
Den entstandenen Schaden beziffert die Polizei auf fast 2,5 Millionen Euro. Allein im vergangenen Jahr summierten sich die Kosten zur Reparatur von Beschädigungen und der Wert der entwendeten Gegenstände auf mehr als 400.000 Euro. Das geht aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage der Piratenfraktion hervor. Auch die Schadenssumme lag im vergangenen Jahr deutlich über den Werten der Jahre 2005 bis 2011.
Kita-Träger gehen von drogenabhängigen Tätern aus
Betroffen sind Kitas überall in der Stadt. Viele Kita-Träger haben inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „Alarmanlagen, Wachschutz, nichts liegen lassen“, beschreibt Kathrin Jahnert vom Evangelischen Kirchenkreisverband Berlin Mitte-Nord die Präventionsstrategie. „Wir haben in jeder Einrichtung Tresore, alle Kitas haben einen Laptop, den man wegschließen kann“, sagt Jahnert. Der Träger betreibe 26 Kitas in Mitte, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg, fünfmal im Jahr werde eingebrochen. Die Täter seien nie erwischt worden, sagt Kathrin Jahnert. Sie geht von Drogenabhängigen aus, die sich Geld für ihre Sucht beschaffen wollen. Manchmal ließen sie auch etwas Essen mitgehen.
Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) verweist auf die Beratungsstelle Einbruchschutz im Landeskriminalamt. Dort bekämen auch Kita-Verantwortliche Hilfe, was diese auch wahrnähmen. Wie genau die Kita-Betreiber ihre Gebäude jedoch sicherten, sei der Senatsinnenverwaltung nicht bekannt.
In vielen Fällen erweist sich der Schaden als überschaubar. „Oft ist es nur eine zerbrochene Scheibe“, sagt Detlev Nagi, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Kita Nordwest. Der betreibt 63 Kindertagesstätten in Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf. Zwölfmal sei dort nach den Worten des Geschäftsführers im vergangenen Jahr eingebrochen worden. Als es vor einiger Zeit eine Häufung von Einbrüchen in einer bestimmten Kita im Märkischen Viertel gab, habe es eine Direktschaltung zur Polizei gegeben. In den vergangenen Monaten sei aber kein Täter gefasst worden, sagt Nagi.
Tempelhof-Schöneberg an der Spitze
Martina Castello, pädagogische Geschäftsführerin des Kita-Betriebs Südwest mit 37 Einrichtungen in Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf, sagt, in diesem Jahr habe es erst zwei Fälle gegeben. Die Zahlen seien zurückgegangen, seit alle Kitas sichtbar mit Alarmanlagen ausgestattet seien und Schilder vor Videoüberwachung warnten. „Wir hatten vorher wesentlich mehr Einbrüche“, sagt Castello. Dabei sind gerade in ihren Bezirken mehr Fälle vorgekommen als in den Vorjahren. Mit 53 Einbrüchen steht Tempelhof-Schöneberg an der Spitze, gefolgt von Steglitz-Zehlendorf mit 48 und Mitte mit 47.





