Tote Zoe

Warum Ermittler nicht an einen Unfall glauben

Bei der Aufklärung des Todes der zweijährigen Zoe aus Weißensee konnte bislang noch kein Täter überführt werden. Noch diese Woche soll aber ein wichtiger Zeuge vernommen werden.

Die Ermittlungen Vernehmungen von Zeugen im Fall Zoe dauern an. Wie berichtet, war das Kind in der Nacht zum vergangenen Dienstag tot von seiner Mutter in seinem Bett gefunden worden. Eine Obduktion durch die Gerichtsmedizin hat ergeben, dass Zoe an den Folgen einer Bauchfellentzündung gestorben ist, die durch einen Darmriss entstanden war. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass dieser durch äußere Gewaltanwendung entstanden sein muss. Durch den Riss gelangten anschließend Bakterien in den Bauchraum, wo sich eine Entzündung ausbreitete. Solch eine Entzündung des Bauchfells verursacht extrem starke Schmerzen. Das Kind muss demnach furchtbar gelitten haben.

In Ermittlerkreisen glaubt man nicht an einen Unfall, sondern dass die Verletzung durch einen Tritt oder Schlag entstanden ist. Auch bei Zoes Zwillingsbruder wurden jetzt durch das Jugendamt Hämatome und ein gebrochener Arm festgestellt. Nach Informationen dieser Zeitung soll noch vor der Tragödie ein Freund der Familie die Familienhelfer, die die Familie betreuten, darauf hingewiesen haben, dass es Misshandlungen gab. Als Beweis hatte er ein Foto von Zoe gemacht. Es zeigt sie mit Verletzungen im Gesicht. Dieser Zeuge soll nun Anfang dieser Woche beim Landeskriminalamt vernommen werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge gegen die 25 Jahre alte Mutter Melanie S. sowie ihren ein Jahr jüngeren Lebensgefährten Matthieu K. Im Zuge der Ermittlungen sind auch das Jugendamt und der von ihm beauftragte private Träger „Independent Living“ immer stärker in die Kritik geraten. Denn die Familie wurde in der Woche rund zehn Stunden betreut. Das Jugendamt weist Vorwürfe zurück: Es habe keine Hinweise auf eine Gefährdung der Kinder gegeben.

Der Fall wird auch den Kinder- und Jugendausschuss im Abgeordnetenhaus beschäftigen. Aufgeklärt werden müsse, warum selbst in einer Familie, die bereits betreut wurde, das Schlimmste – der Tod eines Kindes – nicht verhindert werden konnte. Es gelte, die Schwachstellen im System aufzuspüren, hieß es.