Zoo und Tiergarten

Grüne wollen Zoochef Bernhard Blaszkiewitz beurlauben

Bernhard Blaszkiewitz will seinen Posten als Chef von Zoo und Tierpark nicht vor Vertragsende im Juni 2014 räumen. Die Grünen möchten ihn beurlauben und Kuratoren vorerst mit der Leitung beauftragen.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Bernhard Blaszkiewitz will seinen Posten als Zoodirektor nicht vor Vertragsende im Juni 2014 räumen – und sorgt damit nach Ansicht der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus für ein „weiteres Jahr Zooblockade“. Um keine Zeit zu vergeuden, solle der Aufsichtsrat der Zoo-AG den Chef der beiden Berliner Tiergärten bereits vorzeitig beurlauben, fordert die tierschutzpolitische Sprecherin der Fraktion, Claudia Hämmerling.

Für eine Interimslösung im Zoologischen Garten sowie im Tierpark Friedrichsfelde bis zu einer schnellstmöglichen Neubesetzung der Leitungsfunktionen könnten Personen aus dem Kreis der Kuratoren beauftragt werden, schlägt Hämmerling vor.

Die Grünenpolitikerin verlangt weiter vom Senat, dass die Finanzverwaltung weitere Zuschüsse an den Tierpark nur unter „konkreten, kontrollierbaren Auflagen“ gewährt. Eine Fachaufsicht solle die sachgerechte Verwendung der Geldspritzen überwachen. Als problematisch beurteilt das der umweltpolitische Sprecher der SPD, Daniel Buchholz. „Schließlich handelt es sich beim Zoo nicht um ein Landesunternehmen, sondern um eine Aktiengesellschaft.“

Wichtiger ist in den Augen der SPD eine zügige Neubesetzung der Vorstandsposten. „Die Entscheidung, den Vertrag von Herrn Blaszkiewitz nicht zu verlängern, war richtig. Aber man sollte jetzt nicht in Panik verfallen“, so Buchholz. Da bereits Ende September 2013 mit Finanzchefin Gabriele Thöne auch die zweite Leiterin den Zoo verlässt, „würde man sonst ein Kuddelmuddel und eine Führungslosigkeit provozieren, die keiner will“.

Will Blaszkiewitz den Preis für goldenen Handschlag hochtreiben?

Den tierschutzpolitischen Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Danny Freymark, treibt gleichwohl vor allem mit Blick auf den konzeptionell nachholbedürftigen Tierpark die Sorge um, „dass wir bis Juni 2014 weitere wertvolle Zeit verlieren“. Das koste Geld. „Eine vorzeitige Beurlaubung von Blaszkiewitz allerdings auch“, so Freymark.

Der langjährige Herr über die Berliner Zootiere, dessen Vertrag auf der Aufsichtsratssitzung vor zehn Tagen nach etlichen Skandalen nicht erneut verlängert worden war, versucht nach Ansicht von Beobachtern mit seinem öffentlich bekundeten Festhalten an der regulären Amtszeit, den Preis eines möglichen goldenen Handschlags in die Höhe zu treiben.

Erste Gespräche laufen wohl bereits

Auch Freymark erwartet, dass der Aufsichtsrat bei der Suche nach einem Nachfolger aufs Tempo drückt. Sobald eine Besetzung für den Posten des Zoodirektors gefunden sei, könne über einen vorgezogenen Personalwechsel konkret geredet werden.

Tatsächlich sollen bereits erste Gespräche mit potenziellen Kandidaten für die Leitung des Hauptstadtzoos laufen. Unklar ist noch, ob es eine offizielle Ausschreibung geben wird. Denkbar wäre auch eine direkte Berufung aus dem Kreis bereits amtierender Zoodirektoren im deutschsprachigen Raum. Auch eine interne Lösung gilt nicht als völlig ausgeschlossen. Von 1956 bis 1991 gehörte beispielsweise der Vater des heutigen Bären-Kurators Heiner Klös dem Zoo-Vorstand an, davon 22 Jahre lang als Vorsitzender.