Verhandlungen

Schneller Abschied von Zoo-Chef Blaszkiewitz gewünscht

Mitarbeiter sind erleichtert darüber, dass Zoo-Chef Blaszkiewitz spätestens 2014 geht. Der Aufsichtsrat verhandelt derzeit über sein vorzeitiges Ausscheiden, auch eine Abfindung ist im Gespräch.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Mit Erleichterung ist unter den Mitarbeitern in Berliner Zoo und Tierpark die Nachricht aufgenommen worden, dass ihr langjähriger Chef Bernhard Blaszkiewitz in spätestens zehn Monaten abgelöst wird. Auch in der Politik gilt die Entscheidung des Zoo-Aufsichtsrats in der Sitzung am Mittwochabend parteiübergreifend als überfällig.

Skepsis bis hin zu Kritik erntet dagegen die gewählte Konstruktion, nach der der umstrittene Zoodirektor noch bis zum Auslaufen seines Vertrages Ende Juni 2014 im Amt bleiben könnte. Denn bis dahin müssten mindestens für den defizitären Tierpark Berlin wichtige Richtungsentscheidungen gefällt werden.

Ob es zu einem vorzeitigen Ausscheiden Blaszkiewitzs kommt, wird derzeit noch mit dem Aufsichtsrat verhandelt. Dabei soll es es auch um eine Abfindungszahlung gehen, die Blaszkiewitz seinen Abschied erleichtern würde. Angeblich geht es um eine sechstellige Summe. Genaue Angaben gab es nicht. Blaszkiewitz lehnte am Donnerstag jede Stellungnahme ab. Unklar ist außerdem bisher, wer auf seinem Posten nachfolgen könnte.

Eine Chance für den Tierpark

Bei der Politik überwiegt vorerst die Hoffnung auf den Neuanfang. Nun sei der Weg frei, um Zoo und Tierpark anders aufzustellen, begrüßte der Sozialdemokrat Daniel Buchholz das schon mehrfach erwartete Ende der Ära Blaszkiewitz. „Wir haben erleben müssen, dass das mit Blaszkiewitz nicht möglich ist“, so der umweltpolitische Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Bei allen Verdiensten und bei allem Herzblut ist er mit seinen Methoden und Inhalten aus der Zeit gefallen.“ Der Stillstand habe bereits viel zu lange angehalten, meinte auch Danny Freimark, tierschutzpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

„Chapeau für Frau Thöne“, kommentierte der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens, Jürgen Brückner, unter Verweis auf den Rücktritt der für Finanzen zuständigen Zoochefin Gabriele Thöne vor zwei Monaten. Sie hatte über Jahre im Clinch mit Blaszkiewitz gelegen, was die Entwicklung neuer Konzepte für den Tierpark anbelangt, und hatte noch kurz vor dem Auslaufen ihres Vertrages das Handtuch geworfen. „Dieses Signal hat die Entscheidung des Aufsichtsrates ganz sicher befördert“, so Brückner.

Stimmung unter den Kollegen ist abwartend

„Verantwortungsvoll“ nannte auch der Vorsitzende des Fördervereins für den Tierpark Friedrichsfelde, Thomas Ziolko, den Beschluss des Aufsichtsgremiums. Gleichwohl wisse er auch, wie zurückhaltend in der Belegschaft des Tierparks die Freude auf das Kommende derzeit noch sei. „Viele machen sich Gedanken über das nächste Dreivierteljahr, in dem Herr Blaszkiewitz noch im Amt bleiben könnte“, so der Betriebsratsvorsitzende des Tierparks, Peter Stanke. Da gebe es Verunsicherung, „wie ein Direktor agieren wird mit dem Wissen, vorerst alleiniger Vorstand zu sein, im nächsten Jahr aber gar nicht mehr.“ Als „abwartend“ beschrieb auch der Betriebsratschef im Zoologischen Garten, Mario Cohn, die Stimmung unter den Kollegen.

Tatsächlich ist die Situation, sollte Blaszkiewitz noch bis zum Auslaufen seines Vertrages im Amt verbleiben, nicht ganz unproblematisch. Als schwierigstes Kapitel gilt die Zukunftsplanung für den Tierpark, der jährlich sechs Millionen Euro Zuschuss aus dem Landeshaushalt erhält. Der Zoo arbeitet demgegenüber seit längerem profitabel und kommt ohne Zuwendungen des Steuerzahlers aus.

Zukunftsfähiges Konzept gesucht

Um den Investitionsstau im Tierpark abzubauen, verlangen Senat und Abgeordnetenhaus allerdings ein stimmiges und zukunftsfähiges Konzept für eine publikumsorientierte Gestaltung des Friedrichsfelder Geländes. Der seit langem angekündigte Masterplan 2020+ sieht Erlebniswelten rund um einzelne Tierarten sowie Vergnügungsangebote für Familien vor. Im September sollte er im Hauptausschuss vorgestellt und beraten werden. Zur Entscheidung stehen dann neben Investitionen für die Umsetzung des Konzeptes auch die jährlichen Zuwendungen aus dem Haushalt für 2015 und 2016 an.

Ob der nie endgültig konkretisierte Masterplan nun allerdings noch rechtzeitig vorgelegt werden – und ob er verhandelt und in die Investitionsplanung aufgenommen werden kann, wenn ein künftiger Zoodirektor möglicherweise ganz andere Pläne mitbringt – gilt jetzt als äußerst fraglich. Ohnehin hatte der in der Welt der Zoologen als konservativ geltende Blaszkiewitz eine Modernisierung allein zur publikumsorientierten Attraktivitätssteigerung von Zoo und Tierpark stets kategorisch abgelehnt. „Den Zuschuss kann man wohl nicht in Frage stellen, nach dem Motto: kein Konzept, kein Zuschuss.

Das wird nicht gehen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Hauptausschusses, Jochen Esser (Grüne). Nichtsdestotrotz „rächt sich jetzt das Verschleppen der Problematik. Das kostet uns möglicherweise zwei weitere verlorene Jahre“, so Esser. Er hält es deshalb für möglich, wenigstens Teile des Masterplans bereits vor der Einsetzung eines neuen Zoo-Chefs zu beschließen.

Keine leichte Aufgabe

Auch für den Nachfolger von Blaszkiewitz wird der Tierpark zur größten Herausforderung werden. „Da sind jetzt Managerqualitäten gefragt“, sagte CDU-Politiker Danny Freymark. Für nicht zwingend hält er es dagegen, wie bisher zwei gleichberechtigte Zoochefs zu engagieren. Denkbar sei auch ein Geschäftsführer und ein zoologischer Direktor.

Der SPD-Abgeordnete Buchholz warnte vor einem Schnellschuss bei der Besetzung des Postens. „Da übernimmt jemand keine ganz leichte Aufgabe. Vor allem, weil die allgemeine Erwartungshaltung jetzt sehr hoch ist“, sagte er.