Überraschende Wende im Fall des erschossenen Steuerberaters in Berlin-Westend: Die Polizei setzt die zwei jungen Männer, die als tatverdächtig galten, wieder auf freien Fuß. Das teilte die Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag der Berliner Morgenpost mit. Es gebe keinen hinreichenden Tatverdacht, einen Haftbefehl auszustellen. Dafür reiche die Beweislage nicht aus. Gegen sie werde aber weiter wegen Totschlags ermittelt, sagte ein Sprecher.
Nach den tödlichen Schüssen auf den Berliner Steuerberater Ingo W. sucht die Polizei nun weiter nach Zeugen der Bluttat. Der 49-Jährige war am Montag in seiner Kanzlei in Charlottenburg niedergeschossen worden und starb im Krankenhaus an den schweren Verletzungen.
Die 16 und 18 Jahre alten Söhne des Opfers waren in der Wohnung ihrer Mutter festgenommen worden. Dort wohnt die Familie. Zu Medienberichten, wonach Familienstreitigkeiten das Motiv für die Tat gewesen sein könnten, gab es zunächst keine Bestätigung. Die Mordkommission ermittelt.
Sechs Schüsse trafen den Anwalt
Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft weitere Details zu der Bluttat bekanntgegeben. Demnach wurden mehr als sechs Schüsse auf Ingo W. abgegeben. Sechs trafen den Steuerberater, einer in den Kopf, die anderen in den Körper. Alle Schüsse waren tödlich. Die Polizei hat zahlreiche Patronenhülsen gefunden und überprüft. Von der Tatwaffe fehlt bislang allerdings jede Spur.
In Gegenwart von drei Angestellten hatte am Montagnachmittag offenbar ein junger Mann in der Steuerberater-Kanzlei auf das Opfer geschossen. Die Mitarbeiter blieben unverletzt. Die Aussagen der drei Zeugen widersprechen sich allerdings. So ist nicht sicher, ob ein oder zwei Männer in die Kanzlei eingedrungen sind. Sicher ist jedoch, dass der oder die Täter sich mit einem Schlüssel Zugang zu dem Büro verschafften. Die Angaben der Zeugen reichen laut Staatsanwaltschaft nicht aus, um den Tatverdacht gegen die beiden Söhne des Anwalts zu erhärten.
Opfer war gebürtiger Berliner
Die Bluttat hatte sich in einer gutbürgerlichen Gegend im Berliner Westend ereignet. Das 49 Jahre alte Opfer wurde in Berlin geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete der Mann als Steuerberater, Anwalt und Notar, wie es auf der Internetseite seiner Kanzlei heißt. Seit einiger Zeit war er demnach auch Mitglied im Vorstand der Steuerberaterkammer Berlin.
ag/plet/dpa/seg















