Die Charité setzt auf personelle Kontinuität. Berlins Universitätsklinik geht mit dem Vorstandschef Karl Max Einhäupl in die nächsten Jahre. Der 66 Jahre alte Medizin-Professor wurde am Montag vom Aufsichtsrat der Charité für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt, er führt die größte Universitätsklinik Deutschlands mit 13.000 Mitarbeitern seit 2008.
Mit dem Vorstandsvorsitzenden werden auch seine engsten Führungskräfte weitermachen. Klinikdirektor Matthias Scheller, der Mann für die Zahlen, wurde ebenso für fünf weitere Jahre berufen wie die für die Wissenschaft zuständige Dekanin Annette Grüters-Kieslich.
Die Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte, Einhäupl habe in den zurückliegenden Jahren „Großes geleistet und wichtige Weichen gestellt“. Die Charité sei klinisch und wissenschaftlich ein Aushängeschild der Hauptstadt. „Daran hat Herr Einhäupl maßgeblichen Anteil“, sagte Scheeres.
Mit Einhäupl schrieb die Charité wieder schwarze Zahlen
Das Lob der Wissenschaftssenatorin kontrastiert mit den eher kritischen Tönen, die der Charité-Chef lange Zeit von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) zu hören bekommen hatte. Solange die Charité jedes Jahr Verluste einfuhr und bei Bauprojekten den Kostenrahmen massiv überzog, war der Hüter der Landesfinanzen nicht gut zu sprechen auf den früheren Vorsitzenden des Wissenschaftsrates.
Seit die Charité aber schwarze Zahlen schreibt und die Sanierung des Campus Mitte mit dem Bettenhochhaus im Plan liegt, äußert sich Nußbaum selten kritisch über Einhäupl. Mit einem Sparkurs hatten Einhäupl und Scheller den Krankenhauskonzern zuletzt 2012 bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro auf ein Jahresplus von 5,2 Millionen Euro gebracht. Als Einhäupl anfing, waren es 57 Millionen Euro minus.
Die neue und alte Führungsmannschaft muss in den nächsten Monaten zahlreiche Baustellen bearbeiten. Es laufen Verhandlungen mit der Gewerkschaft Ver.di über die Frage, ob im Tarifvertrag eine Mindestbesetzung für die einzelnen Stationen festgeschrieben werden soll. Die Arbeitnehmervertreter fordern eine solche Regelung vehement, weil sich die Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert habe.
Senat stellt 330 Millionen Euro zur Verfügung
Entscheidend für die Glaubwürdigkeit Einhäupls wird sein, ob seine Bauabteilung es schafft, Kosten- und Zeitpläne für die Sanierung in Mitte einzuhalten. Der Senat hat der Charité zur Umsetzung ihres Masterplanes 330 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dafür musste die Klinik zusagen, ihre drei wichtigsten Standorte in Mitte, Wedding und Steglitz zu erhalten und 500 ihrer noch 3200 Betten abzubauen, 200 Betten sollen beim Umbau in Mitte wegfallen.
Wenn dieses Großprojekt erfolgreich bewältigt ist, müsste Einhäupl gleich weiterbauen. Denn mit den Jahren stehen auch im Virchow-Klinikum in Wedding und vor allem im Benjamin-Franklin in Steglitz weitere Sanierungen an, für die der Senat aber noch kein Geld freigegeben hat. Einhäupl wirbt seit Jahren dafür, dass die Politik der Charité 100 Millionen Euro pro Jahr überlässt, um damit den Verfall zu verhindern.
Hauptaugenmerk liegt auf Aufbau des BIG
„Die schwierige Phase liegt noch vor uns“, sagte Einhäupl: „Große Bauprojekte, die Gestaltung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung, Berufungen exzellenter Köpfe nach Berlin und der Ausbau der Industriekooperationen sind echte Herausforderungen unter den schwierigen Bedingungen der Krankenhausfinanzierung.“
Wissenschaftlich wird der Aufbau des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) das Augenmerk des Vorstandschefs, aber vor allem der Dekanin Gründers-Kieslich erfordern. Im BIG wollen die Charité und das maßgeblich vom Bund getragene Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin mit Sitz in Berlin-Buch eng kooperieren. Ziel ist, die Erkenntnisse der Grundlagenforscher aus dem Berliner Nordosten näher an die Krankenbetten der Charité heranzubringen, um schneller Therapien entwickeln zu können, die enger auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten sind. „Es muss gelingen, das BIG erfolgreich zu etablieren, damit die Charité ihr Potenzial als internationale Spitzenuniversität voll entwickeln kann und auch für Studierende noch attraktiver wird“, sagte die Dekanin





