Peppone ist ein 14 Jahre alter Jack Russell Terrier, der nicht angeleint mit seinem Herrchen aus dem Schlachtensee in Berlin-Zehlendorf kommt.
Christoph S., so heißt der Mann, kann alles erklären. Der Hund gehöre seiner Schwester und er wusste nicht, dass er gegen so viele Regeln verstoße: Peppone ist nicht angeleint, trägt keine Hundemarke und auf den Rasen darf er auch nicht. Das Leih-Herrchen kommt mit einer – strengen – Ermahnung davon. 35 Euro hätte sonst nur eines dieser Vergehen gekostet.
Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hat vor ziemlich genau einem Jahr den „Bello-Dialog“ ins Leben gerufen. In seinen Aufgabenbereich fällt die Novellierung des Berliner Hundegesetzes. „Hunde interessieren die Berliner“, weiß er, „und ich nehme das ernst.“ Deshalb wolle er das Gesetz auf eine „noch nie da gewesene kooperative, bürgernahe Art und Weise“ überarbeiten. Das schließt für ihn den Dialog am Schlachtensee ein – deswegen geht er auch sofort auf Peppone zu. Nachdem die Kollegen vom Ordnungsamt den Mann ziehen lassen, geht es weiter.
Heilmann trifft an diesem Nachmittag auf angeleinte kleine und frei laufende größere Hunde, auf illegale Grillpartys und Jogger mit Vierbeinern. Vieles wirkt sehr friedlich. „Ich habe gelernt“, sagt er später, „dass es für das Ordnungsamt in Uniform nicht so leicht ist, Menschen, die das Gesetz missachten, zu ertappen.“ Außerdem kann er mit den Mitarbeitern über das Personalproblem reden – und natürlich die Frage des Hundeführerscheins mit einzelnen Bürgern diskutieren. Den will er nämlich einführen, wenn er im kommenden Jahr das neue Hundegesetz ins Abgeordnetenhaus einbringen will.
Hundeführerschein für Alle?
Das ist auch schon ein Thema am frühen Mittag, als Sabine Toepfer-Kataw zeigt, wie wichtig ihr „das friedliche Zusammenleben von Mensch und Hund“ ist. Im orangefarbenen Batik-Kleid besucht die Staatssekretärin für Verbraucherschutz den Hundegarten in Wittenau, einer ehrenamtlich betriebenen Einrichtung für Hunde aller Art. In Reinickendorf gibt es drei Einrichtungen dieser Art und das wird offenbar gut angenommen. Die Tiere können dort kostenlos spielen und toben und andere Hunde kennenlernen.
„Wir weisen keinen Hund ab“, sagt Karsten Müller vom Hundegarten, „wir schauen eher, dass die Besitzer stimmen.“ Dann spricht er von dem Fall der Köpenickerin, die am Freitag von einer Stafford-Mischung gebissen wurde. „Der Hund hat in seiner Logik genau richtig gehandelt“, sagt er. „Der Hundehalter hätte das verhindern müssen.“ Deswegen ist er nicht grundsätzlich gegen den Hundeführerschein. Schließlich will Müller von der Staatssekretärin wissen, ob eine ältere Dame für ihren Couch-Hund auch einen Führerschein machen werde. Sabine Toepfer-Kataw sagt, dass solche Fälle schon mitbedacht werden, wenn das Gesetz eingebracht wird.
Wie ruft Hundehalter Benjamin F. am Schlachtensee dem Senator zu, etwas zu breit lächelnd: „Ich will, dass wir friedlich zu einer Lösung finden!“ Sein Hund Joe liegt in seinem Arm – angeleint.




