Veggie-Day

Auch Berliner Grüne fordern Vegetarier-Tag in Kantinen

Nach Renate Künast wollen auch die Grünen in Berlin einen fleischlosen Tag in den Kantinen einführen. Der „Veggie-Day“ diene der gesunden Ernährung. Jetzt soll sich der Senat dafür einsetzen.

Foto: Robert Schlesinger / dpa

Mit rein vegetarischem Essen an einem Tag pro Woche in Berliner Kantinen will auch die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus Umwelt und Tiere schützen. Ein regelmäßiger sogenannter Veggie-Day diene auch einer gesunden Ernährung, heißt es in einem Antrag der Fraktion. Ziel der Grünen ist es, dass sich der Senat für einen solchen Tag in allen öffentlichen Kantinen und Mensen, aber auch in privaten Restaurants einsetzt. "Wir wollen nichts verbieten, sondern für mehr Gesundheit, Klimaschutz und Nachhaltigkeit werben", betonte der verbraucher- und naturschutzpolitische Sprecher Turgut Altug. Über den Antrag soll im Abgeordnetenhaus abgestimmt werden.

Anlass ist ein Vorstoß der Spitzenkandidatin Katrin-Göring Eckart. So sei gut vorstellbar, dass es jeden Donnerstag nur vegetarische Gerichte gebe, sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt am Montag in Berlin. Dies werde bereits in mehreren Städten wie Bremen und in Unternehmen so gehandhabt. Bundesregierung und FDP warfen den Grünen Bevormundung der Bürger vor. Damit ist das Reizthema Ernährung im Bundestagswahlkampf angekommen.

"Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen", sagte Göring-Eckardt. Dies entspreche ungefähr dem durchschnittlichen Fleischkonsum der Bundesbürger – nämlich rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Weniger Fleisch zu essen sei gut für die Gesundheit, den Tier- und den Klimaschutz.

Zwang hin zum Veggie Day solle es keineswegs geben, betonte Göring-Eckardt. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass die Politik es fördere, wenn der Speiseplan an diesen Tagen abwechslungsreich gestaltet werde. Früher habe es in vielen Familien mindestens freitags kein Fleisch gegeben; ein Veggie Day sei eine moderne Form dieser Tradition.

Brüderle: "Was kommt als nächstes? Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?"

Fraktionschefin Renate Künast sagte der Deutschen Presse-Agentur, als erstes solle es um die öffentlichen Kantinen gehen. So eine Initiative werde gut ankommen: 60 Prozent der Deutschen seien zu weniger Fleischkonsum bereit. "Es wird ja niemandem etwas verboten."

Bereits im Ende April beschlossenen Programm für die Bundestagswahl betonten die Grünen, der hohe Fleischkonsum erzwinge Massentierhaltung. "Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden."

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sagte der "Bild", die Menschen seien klug genug, selbst zu entscheiden, wann sie Fleisch und Gemüse essen. "Menschen ständig Vorschriften zu machen, ist nicht mein Verständnis von Freiheit und Liberalität." Brüderle: "Was kommt als nächstes? Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?"

Bundesregierung: "Fleisch gehört dazu"

Auch Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) wandte sich gegen den Grünen-Vorstoß. "Wir halten generell wenig von Bevormundungen", sagte ein Ministeriumssprecher. "Am Ende brauchen wir eine ausgewogene Ernährung. Da gehört Fleisch dazu." Die Bundesregierung habe eine ganze Menge unternommen, den Kantinen Empfehlungen zu geben. Ernährung sei auch eine Frage von Grundwerten. Der Bund unterstütze, dass in Deutschland immer weniger Fleisch konsumiert werde.

Erst im Februar hatte die Techniker Krankenkasse eine Studie vorgestellt, nach der viele Bundesbürger nach wie vor viel mehr Fleisch und Wurst essen als empfohlen – vor allem Männer. Während nur vier von zehn Frauen täglich Wurst oder Fleisch zu sich nehmen, sind es demnach sechs von zehn Männern.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit langem, sich vorwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Laut einer vom Umweltverband WWF herausgegebenen Studie bewirkt hoher Fleischkonsum zudem viel Landverbrauch und weit mehr Treibhausgase als pflanzliche Ernährung. "Es geht tatsächlich auch ohne", sagte Göring-Eckardt. Ob der Donnerstag oder etwa der Freitag fleischlos bleibe, sei egal.

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