Sommerbäder

Bäderbetriebe planen neues Sicherheitskonzept für Freibäder

Nach dem Tumult im Freibad Pankow soll es Konsequenzen geben. Doch was kann helfen? Türsteher, Videokameras, mehr Personal - Vorschläge gibt es viele. Im nächsten Sommer soll alles besser werden.

Foto: Andreas Gandzior

Die umstrittene Entscheidung, das Sommerbad Pankow am vergangenen Wochenende nur für Familien zu öffnen, haben die Berliner Bäderbetriebe und die Polizei gemeinsam getroffen. Das wurde am Sonntag bekannt. Anlass für die auch von einigen Landespolitikern kritisierte Weisung waren gewalttätige Auseinandersetzungen, zu denen es am Freitag zwischen etwa 50 Jugendlichen und den Bademeistern, dem Sicherheitspersonal sowie schließlich auch knapp 60 Polizeibeamten gekommen war.

Wie bereits bei früheren Vorfällen sollen es überwiegend arabisch- und türkischstämmige Jugendliche gewesen sein, die den Sprungturm und die Rutsche besetzt und den Bademeister körperlich bedrängt haben sollen, als er die Sportanlagen aus Sicherheitsgründen sperren wollte. „Am Eingang müssen individuelle Entscheidungen getroffen werden, wer ins Bad darf und wer nicht“, sagte am Sonntag Peter Trapp (CDU), Mitglied des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus. Pauschal bestimmten Gruppen den Einlass zu verwehren sei eigenartig. „Die Vorfälle werden Thema im nächsten Sportausschuss sein.“ Auch der innenpolitische Sprecher der SPD, Thomas Kleineidam, lehnte pauschale Aussperrungen ab. „Hier werden bei 35 Grad alle Jugendlichen bestraft, obwohl es sich nur um ein paar Spinner handelt“, sagte er. „Langfristig müssen Konfliktlotsen in die Schwimmbäder, kurzfristig mehr Sicherheitspersonal.“

Zu wenig Sicherheitsleute

Nach Informationen der Berliner Morgenpost suchen sich verschiedene Gruppen Jugendlicher die Bäder als Treffpunkt aus, in denen nicht so streng durchgegriffen wird. „Wird in bestimmten Bädern konsequent durchgegriffen, spricht sich das schnell rum, und diese Gruppierungen suchen sich andere Freibäder“, sagte Polizeidirektor Norbert Baehr vom Abschnitt 13. Vor sieben Jahren habe es im Sommerbad Pankow bereits ähnliche Konflikte gegeben. „Mit einer Videoüberwachung und einem anderen Sicherheitsdienst haben wir das in den Griff bekommen.“ Dies sei aber in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden. Die Videoüberwachungsanlage funktioniere nicht mehr. Auch reichte die Anzahl der Bademeister und Sicherheitsleute nicht aus. Am Freitag seien lediglich vier Sicherheitsmitarbeiter im Sommerbad gewesen. „Es hätten an so einem Tag zwischen zwölf und 18 sein müssen“, sagte Polizeidirektor Baehr.

Rangeleien im Kassenbereich

„Wir müssen die Winterpause mit den Bäderbetrieben nutzen, um gemeinsam ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten“, sagte Baehr. Am Sonnabend versuchten zehn Jugendliche, über den Zaun des Schwimmbades zu klettern. Die Bäderbetriebe sprachen Hausverbote aus. In zwei weiteren Fällen kam es zu Rangeleien im Kassenbereich. Die Polizei schrieb Anzeigen wegen Körperverletzung. Am Sonntag blieb es laut Polizei friedlich.

Ertrunkenes Mädchen konnte nicht schwimmen

Das 13 Jahre alte Mädchen, das am Sonnabend im Freibad Lübars ertrunken ist, stammt aus Polen. Es war mit seinen Eltern zu Besuch bei polnischen Freunden in Berlin. Am Ziegeleisee in Lübars war das Mädchen mit zahlreichen Angehörigen. Nach Auskunft der Familie konnte das Mädchen nicht schwimmen. Ein Cousin passte auf. Das Kind hatte die Wasserrutsche genutzt und war nicht mehr aufgetaucht. Die Strandbad-Betreiber warfen der Familie in einer Mitteilung unverantwortliches Handeln vor: „Ein sehr deutlich durch Absperrungen begrenzter Nichtschwimmerbereich wurde leider nicht beachtet. Eine 13-jährige Nichtschwimmerin wurde von einem verwandten Erwachsenen in dem Schwimmerbereich zur Schwimmerrutsche mitgenommen. Nach dem Rutschen wollte oder sollte der Erwachsene dieses Mädchen auffangen. Das ist aus unserer Sicht unverantwortlich gewesen.“