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Heißes Wochenende in Berlin mit Stress in den Freibädern

Die Berliner strömen am Wochenende in die Freibäder und zu den Seen. Dort gab es nicht nur Vergnügen: 50 Jugendliche bedrohten und bedrängten einen Bademeister. In Pankow zog man Konsequenzen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Bei Temperaturen bis zu 35 Grad zog es Zehntausende Berliner am Sonnabend in die Freibäder und an die Seen. Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) registrierten mehr als 40.000 Badegäste und lange Wartezeiten an den Kassen. Überschattet wurde der Tag von einem tragischen Unfall im Strandbad Lübars, nach dem ein Kind in Lebensgefahr schwebt.

Wie der Feuerwehr-Lagedienst am Abend mitteilte, wurden Rettungskräfte um 16 Uhr zum Strandbad Lübars gerufen. Ein zehnjähriges Mädchen war nach der Benutzung der Wasserrutsche untergetaucht und blieb verschwunden. Feuerwehrtaucher bargen das Kind 30 Minuten später. Suche und Bergung gestalteten sich schwierig, weil das Wasser im Bereich der Rutsche teilweise acht Meter tief ist. Das Mädchen konnte zunächst im Schwimmbad vom Notarzt wiederbelebt werden und wurde dann in eine Klinik geflogen. Dort starb es am Abend.

Neben der Feuerwehr war auch die Polizei in Lübars im Einsatz. Kräfte einer Einsatzhundertschaft mussten Absperrungen für den Rettungshubschrauber vornehmen und zudem zahlreiche Schaulustige abdrängen, die die Rettungsmaßnahmen teilweise behinderten.

Schließlich kam die Hundertschaft ins Freibad

In Pankow blieb das Freibad am Wochenende ausschließlich Familien vorbehalten. Die eingeschränkte Nutzung des Bades an der Wolfshagener Straße war die Konsequenz eines Polizeieinsatzes am Freitagabend, nach dem das Bad vorzeitig geschlossen werden musste. Offiziell begründeten die Bäderbetriebe die Einlassbeschränkungen mit einem nicht mehr zu bewältigenden Ansturm von Badegästen und langen Warteschlangen an den Kassen.

Wie die Polizei am Sonnabend mitteilte, hatten am Vortag gegen 18 Uhr etwa 50 Jugendliche überwiegend türkischer und arabischer Herkunft den Sprungturm, aber auch die Wasserrutsche gleichzeitig betreten. Der verantwortliche Schwimmmeister versuchte vergeblich, dies zu unterbinden. Als er daraufhin Turm und Rutsche sperrte, wurde er von den jungen Männern massiv bedroht und bedrängt.

Er alarmierte schließlich die Polizei, die mit 60 Beamten einer Einsatzhundertschaft anrückte und die aggressiven Angreifer mit Platzverweisen für das Bad belegte. Auf Hinweisschildern am Eingang des Bades wurde am Sonnabend mitgeteilt, dass Sprungturm und Wasserrutsche das ganze Wochenende über geschlossen bleiben, um insbesondere Familien mit kleinen Kindern ein ungestörtes Badevergnügen bieten zu können.

Messerattacke am Plötzensee

Der Angriff im Freibad Pankow blieb am Freitag nicht der einzige gewalttätige Zwischenfall. Am Plötzensee wurde wenige Stunden später ein 30 Jahre alter Mann niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte der 36 Jahre alte Täter zuvor mehrere am Strand liegende Frauen belästigt und beleidigt. Als der 30-Jährige dagegen einschritt, stach der Angreifer zu.

Das Opfer konnte nur durch eine Notoperation im Krankenhaus gerettet werden, der Messerstecher wurde kurz nach der Tat im Bereich eines nahe gelegenen FKK-Strandes festgenommen. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.

Zu Zwischenfällen aufgrund der eingeschränkten Nutzung des Pankower Freibades kam es am Sonnabend nicht. Bäderbetriebe-Sprecher Mathias Oloew hatte allerdings auch zuvor erklärt, man werde nicht rigoros alle Einzelpersonen ausschließen, sondern eher die Aufmerksamkeit auf „eine bestimmte Klientel“ richten, durch die möglicherweise Probleme zu erwarten seien. Dafür wurde an den Kassen des Bades Sicherheitspersonal eingesetzt, das allerdings nicht eingreifen mussten.

Besucheransturm führt zu kürzeren Öffnungszeiten

Viele Familien, die es am Sonnabend in das Freibad zog, begrüßten die Maßnahme ausdrücklich. Ein junges Pärchen, das am Freitag Augenzeuge des Polizeieinsatzes wurde, äußerte sich zwar grundsätzlich positiv zur Maßnahme, kritisierte aber zugleich, dass darunter nicht nur die Verursacher des Einsatzes, sondern alle Jugendlichen leiden müssten, denen an diesem Wochenende der Zutritt zum Bad verwehrt blieb. Eine junge Mutter sagte hingegen: „Das könnten die ruhig jedes Wochenende machen.“

Nicht nur im Freibad Pankow haben die Berliner Bäderbetriebe inzwischen Maßnahmen ergriffen, um dem Besucherandrang standhalten zu können. So wurden die Öffnungszeiten mehrerer Hallenbäder verkürzt, um Personal von dort zusätzlich in den Freibädern einsetzen zu können. zudem gibt es nach Angaben von Matthias Oloew Überlegungen, Eintrittskarten via Internet zu verkaufen, um so die mitunter sehr langen Schlangen an den Kassen der Bäder zu vermeiden.

Die extreme Hitze, wie sie in den vergangenen Wochen mehrfach auftrat, ist manchen Badegästen offenbar schon häufiger nicht gut bekommen. In den Berliner Freibädern kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die oft genug Auslöser größerer Polizeieinsätze sind. Am gestrigen Sonnabend blieb es bis zum Abend in allen Berliner Freibädern allerdings weitgehend ruhig, die Badegäste genossen friedlich die hochsommerlichen Temperaturen.

Ansturm in Neukölln

Auch in anderen Bädern der Stadt lief der Betrieb reibungslos. Im Columbiabad in Neukölln mussten Badegäste am frühen Nachmittag teilweise bis zu 20 Minuten an den drei Kassen anstehen, in einigen anderen Bädern waren es nach Angaben von Besuchern bis zu 45 Minuten. Viele Gäste verließen das Bad allerdings schon am Nachmittag, darunter Marion und Sebastian W. Aufgrund des Ansturms könne man nicht mehr schwimmen, und Liegeplätze gebe es auch nicht mehr, sagten die beiden entnervt.

Im Prinzenbad in Kreuzberg blieb es am Nachmittag ebenfalls ruhig, dort kam es sogar nicht einmal zu längeren Wartezeiten an den Kassen. Vielleicht hatte die Bewölkung, die um die Mittagszeit aufzog, viele Berliner von einem Besuch im Freibad abgehalten. Ein Verantwortlicher der Berliner Bäderbetriebe sagte dazu, im Prinzenbad sei wesentlich weniger Betrieb als etwa am vergangenen Wochenende gewesen. Da hätten die Warteschlangen zeitweise bis zum knapp 50 Meter entfernt gelegenen U-Bahnhof Prinzenstraße gereicht.