Er hatte seiner Ex-Frau in Schulter und Bauch gestochen, Ayla K. überlebte nur knapp: Ali K. aus Berlin-Spandau wollte seine Frau töten. Wegen versuchten Mordes muss der 44-Jährige nun für zehn Jahre ins Gefängnis. So das Urteil vor einem Moabiter Schwurgericht. Der Staatsanwalt hatte nur sechs Jahre gefordert.

Ali K. soll vor der Tat ganz ruhig gewesen sein. „Ich habe mich zu dir schlecht verhalten“, sagte er zu seiner geschiedenen Frau Ayla K. am 15. November 2012. „Aber im Namen Gottes und des Propheten, ich möchte dich wieder heiraten.“ Sie lehnte ab.

Er habe anschließend in seinem Rucksack gekramt, hatte die 42-Jährige vor Gericht ausgesagt. Und dann habe er leise gesagt: „Ich muss dich umbringen“ – und mit einem großen Küchenmesser zugestochen.

Die Mutter seiner drei Kinder überlebte knapp. In der vermittelten Ehe war es mehrfach zu häuslicher Gewalt gekommen. Organisiert wurde die Heirat nach Angaben der Frau über Verwandte.

Messerangriff auf die Tochter

Ali K. war ein Jahr alt, als seine Eltern mit ihm nach Berlin zogen. Ayla K. lebte bei ihren Eltern in einer kleinen Stadt an der türkischen Schwarzmeerküste. Den künftigen Ehemann sah sie zum ersten Mal, als er mit Verwandten in die Türkei kam und um ihre Hand anhielt.„Es war keine Liebesheirat“, sagte sie.

Nach der Heirat zogen sie sofort nach Berlin und wohnten mit Ali K.s Eltern und Geschwistern in einer Wohnung in Schöneberg. Nach etwa drei Jahren – die ersten beiden Kinder waren schon geboren, ein Drittes kam später dazu – bezogen sie eine eigene Wohnung in Spandau. Ali K. arbeitete als Lagerist. Ayla K. war Hausfrau, hatte nie Kontakt zu Deutschen, spricht bis heute nur Türkisch. Es habe türkische Nachbarinnen gegeben, sagt sie, aber auch diese Verbindungen hätten Ali K. nicht gepasst.

Streit und manchmal auch Schläge soll es schon in Ali K.s Familie in Schöneberg gegeben haben. Dort richtete sich die Gewalt meist gegen die jüngere Schwester von Ali K.. Das setzte sich nahtlos fort, so Ayla K., als sie allein wohnten. Nur dass sie und die Kinder jetzt die Opfer waren. Ali K. habe sich über alles erregen können: wenn sie sich das Haar schneiden ließ, wenn das Essen nicht genügend gesalzen war. Manchmal habe es auch gar keinen Grund für seine Wutausbrüche gegeben.

Ayla K. hatte „immer wieder mal an Scheidung gedacht“. Den endgültigen Entschluss habe es gegeben, als Ali K. auf die Tochter mit einem Messer losgegangen sei. Die Scheidung hätte die Frau beinahe mit ihrem Leben bezahlt.

sei/mim