Die Berliner erwartet erneut ein heißes Wochenende. 36 Grad sind für den heutigen Sonnabend vorausgesagt, am Sonntag sollen die Temperaturen noch einmal 30 Grad erreichen. Wahre Abkühlung versprechen die Berliner Badeseen. Insgesamt 38 Badestellen an natürlichen Gewässern werden vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) regelmäßig auf ihre Wasserqualität überprüft. Die gute Nachricht ist: An 36 Stränden kann bedenkenlos gebadet werden. Nur am Grunewaldturm und an der Kleinen Badewiese in Spandau rät das Amt das vierte Jahr in Folge vom Sprung ins Wasser ab (siehe Artikel unten).
Erfasst wird bei den Kontrollen unter anderem die Belastung durch verschiedene Bakterien. „An den 36 Seen und Gewässern gibt es keine erhöhten Werte“, sagt Silvia Kostner, Sprecherin im Lageso. Aus diesem Grund seien sie alle zum Baden geeignet. Dazu gehören unter anderem der Groß Glienicker See in Spandau, das Freibad Heiligensee, die Krumme Lanke in Zehlendorf und der Seddinsee in Köpenick. Doch nicht nur die Belastung mit Bakterien fließt in die Bewertung ein. Ein weiteres Kriterium sind die Sichttiefen. Die liegt derzeit zwischen 70 und 360 Zentimetern. „Besonders klar ist das Wasser im Groß Glienicker See, im Tegeler See und im Schlachtensee“, sagt Silvia Kostner. Dort könnten Badegäste bis in drei Meter Tiefe blicken.
Das Algenwachstum bereitet derzeit noch keine großen Probleme. „Lediglich im Strandbad Müggelsee gibt es derzeit vermehrt Algen“, sagt die Sprecherin. Baden sei dennoch erlaubt, obwohl die Sichttiefe dort nur 90 Zentimeter betrage. Generell, so Silvia Kostner, sollte man nur dort baden gehen, wo die Sichttiefe mindestens ein Meter betrage. Das könne wichtig sein im Falle von Rettungsmaßnahmen. Als Richtlinie gelte: Das Knie muss im Wasser zu sehen sein. In den kommenden Tagen muss mit einem weiteren Algenwachstum gerechnet werden. Die Hitze wird das Sprießen der Algen fördern. Silvia Kostner rät, Kinder nicht in Seen mit Algenschlamm auf dem Wasser baden zu lassen.
38 Fischarten in Gewässern
Baden in einem See ist allerdings nicht jedermanns Sache. „Die Chance, einem Fisch zu begegnen, ist sehr groß“, sagt Jens Puchmüller, Fischereibiologe im Fischereiamt Berlin. Im Jahr 2012 hätten die Berufsfischer insgesamt 44 Tonnen Speisefisch und 90 Tonnen Futterfisch aus den Berliner Gewässern gefangen. Zu den häufigsten Speisefischen gehören Aal, Zander, Hecht, Karpfen. Blei, Plötze und Barsch sind nicht nur Futterfische, sondern generell „die mit Abstand am häufigsten anzutreffenden Fische in Berliner Gewässern“, so der Fischereibiologe. Sehr gut vertreten seien sie zum Beispiel im Plötzensee und im Wannsee. Allerdings fühle sich auch der Hecht in diesen beiden Gewässern sehr wohl, während sich im Schlachtensee und der Krummen Lanke besonders der Wels tummelt. Das hat schon mehrfach für Aufregung gesorgt. Vor fünf Jahren wurde eine Frau im Schlachtensee von einem Riesenwels attackiert und musste mit einer Schürfwunde im Krankenhaus behandelt werden.
Generell habe aber nicht der Fischbestand sondern die Artenvielfalt zugenommen, sagt Jens Puchmüller. 38 verschiedene Fischarten konnten in den Gewässern nachgewiesen werden. Das sind fünf mehr als noch vor zehn Jahren. Hinzugekommen sind vor allem Fischarten, die sonst nicht in einheimischen Flüssen und Seen gefunden werden, wie der Goldfisch und der Sonnenbarsch. Das seien in den meisten Fällen ausgesetzte Tiere, die vorher in Gartenteichen ihr Zuhause hatten.
Dass der Fischbestand nicht weiter zunimmt, liegt vor allem daran, dass sich die Qualität der Gewässer immer mehr verbessert. „Fische brauchen Nährstoffe, wie Phosphor und Stickstoff“, sagt der Biologe. Diese Biomasse nehme aber immer weiter ab. Das führe dazu, dass sich der Hecht, der sehr klare Gewässer bevorzugt, schneller vermehren kann und wesentlich häufiger Jagd auf kleinere Weißfische mache. Damit werde das Gleichgewicht nach und nach wieder hergestellt, und es müsste weniger abgefischt werden.
Immer mehr Wasserpflanzen
Doch der Schwimmer muss nicht nur Algen und Fische in einem See und Fluss ertragen. Mit zunehmender Wärme breiten sich auch die Wasserpflanzen aus. In einigen Gewässern ist das Hornblatt zu finden, das sich mit Algenteppichen verbindet. Im Strandbad im Tegeler See bekommt der Badegast im Wasser Seegras unter seinen Füßen zu spüren. Das sei ganz natürlich und überhaupt nicht gefährlich, versichern die Strandbadmitarbeiter.
Der Sommer bleibt den Berlinern auch in der kommenden Woche erhalten. Die Temperaturen werden sich dann bei etwa 30 Grad einpendeln. Zur Wochenmitte werde es zunehmend schwüler und drückender, sagt Thomas Globig von Meteomedia. Mit Gewittern sei zu rechnen. Mit Abkühlung vorerst noch nicht.





