Berlin steht ein Temperatur-Rekord bevor. Der Sonnabend wird heiß, der Sonntag noch heißer. Bis knapp unter 40 Grad sollen die Temperaturen steigen. „38, im Innenstadtbereich sogar 39 Grad“, sagt die Meteorologin des deutschen Wetterdienstes in Potsdam, Eva Wille, für die Hauptstadt voraus.

Damit könnte in der Hauptstadt der Hitze-Rekord geknackt werden. Der bisher höchste Wert in Berlin seit den Wetteraufzeichnungen 1893 an einem 28. Juli habe 1992 bei 38,6 Grad gelegen. Zunächst war von einem bisherigen Höchstwert von 38,1 Grad im Sommer 1959 die Rede gewesen. Im Unterschied dazu betrug laut DWD das „tiefste Maximum“ am 27. Juli 1981 in der Bundeshauptstadt 15 Grad.

Der DWD gab am Sonnabend eine amtliche Warnung vor Hitze heraus. Es werde eine zunächst starke Wärmebelastung erwartet, am Sonntag bei Gefühlten Temperaturen über 38 Grad eine extreme Wärmebelastung, hieß es darin.

Berlin hat viele schattige Orte

Die permanente Hitze macht vor allem jungen und neu gepflanzten Bäumen Probleme. Mit dem Höhepunkt am Sonntag findet die momentane Hitzewelle erst einmal ihr Ende. Schon am Montag sollen die Temperaturen wieder angenehmer sein. Bis dahin gilt es, den Sonntag möglichst zu genießen. Die Berliner Bäder melden Höchstzahlen, wer kann, liegt in der Sonne. Doch was, wenn man der Hitze entkommen will, wenn man sich nach Kühle und Frische sehnt? Den Sommerflüchtlingen bietet Berlin schattige und kühle Orte. Eine Auswahl:

Bis in den Berliner Untergrund ist der Sommer noch nicht vorgedrungen. In den Gängen und Gewölben hält sich das ganze Jahr winterliche Kühle. Der Verein Berliner Unterwelten veranstaltet Führungen durch die Hauptstadt unter der Hauptstadt. Egal, ob man mit einer Taschenlampe bewaffnet durch die Räume des Flakturms Humboldthain stolpert oder den ehemaligen Mutter-Kind-Bunker in der Fichtestraße besichtigt, die Sonne bekommt man nicht zu sehen. Auf die niedrigen Temperaturen macht der Veranstalter der Führungen sogar auf seiner Internetseite aufmerksam. Acht bis zehn Grand Celsius herrschen unter den Straßen Berlins. Eine willkommene Erfrischung im Dunkeln.

Die Kältekammer bei Globetrotter gehört sicher zu den kältesten Orten Berlins. Minus zehn Grad herrschen in dem wenige Quadratmeter großen Raum. Ist einem das nicht kalt genug, setzt sich auf Knopfdruck ein Ventilator in Gang und sorgt für künstlichen Sturmwind. Die Kältekammer ist ein Ort des Ausprobierens. Wer bei Globetrotter Anoraks, Sturmjacken, Schlafsäcke oder ähnlich kälteresistentes Equipment kaufen möchte, friert hier Probe. Auf einem Bildschirm sieht man im verwischten Blau und Rot einer Infrarotkamera den Wärmeverlust des Körpers. Im Sommer kann man sich bei Globetrotter an der Schloßstraße 78 auch zur Erholung schockfrosten lassen (10–20 Uhr).

Im Restaurant Brachvogel ist es erstaunlich kühl. Es fühlt sich geradezu erfrischend an, setzt man sich an einen der Holztische im Biergarten. Das Lokal am Carl-Herz-Ufer 34 liegt direkt am Landwehrkanal. Frische Luft weht vom Wasser aus über die Gäste, das dichte Laub der Bäume schützt vor der Sonne. Zum Gelände gehört eine Minigolfanlage, und angesichts der kühlen Temperaturen ist der Gedanke Sport zu treiben, nicht einmal so abwegig. Viele kommen mittags, während die Küche einen Business Lunch anbietet hierher, um sich kurz abzukühlen. Doch auch über den Rest des Tages sind die Bänke niemals leer. Von neun Uhr morgens bis spät in die Nacht wird die Zapfanlage in Betrieb gehalten.

Im Pinguin-Haus im Berliner Zoo herrscht Winter. Fast zumindest. Schließlich kann den arktischen Vögeln ein heißer Hauptstadtsommer kaum zugemutet werden. Vier, höchstens fünf Grad warm ist das Wasser im „Kältepool“, in dem die Pinguine abtauchen. Die Luft in ihrem Gehege ist dagegen zehn bis elf Grad warm. So gut hat es der Besucher nicht. Doch auch vor der Glasscheibe, durch die man den Vögeln neidisch beim eisigen Planschen zuschaut, herrschen höchstens 15 bis 18 Grad. Täglich findet man von 9 bis 19 Uhr Abkühlung im Haus der Pinguine.

Im Cinemaxx Kino am Potsdamer Platz ist es schön kühl. Gut, zugegeben, der Sommer ist normalerweise nicht die beste Zeit, um den Tag im Dunkel eines Kinosaals zu verbringen. Aber bei über dreißig Grad im Freien werden die klimatisierten Filmräume zu einer echten Verlockung. 23 Grad herrschen dort. Niemals mehr, niemals weniger. Die perfekte Temperatur, um mit einem kühlen Drink in der Hand kurz abzuschalten. Außerdem hat der Sommerliche Besuch im Lichtspielhaus noch einen Vorteil. Kaum jemand verirrt sich hierher.

Ein Schwimmbecken am Hauptbahnhof. Wo normalerweise Taxen halten und Reisende ihr Gepäck durch die Drehtüren bugsieren ist jetzt ein mobiler Pool aufgebaut. „Swim City“ macht auch dieses Jahr gute Werbung für den Schwimmsport und bietet eine kostenlose Abkühlung. Wer aus der Hitze der S-Bahn steigt, braucht nur aus dem Bahnhof zu treten, um im Pool ein paar Bahnen zu ziehen. Zum Programm gehören auch Rettungskurse und Schwimmdemonstrationen. Auf einer Videowand wird die Schwimm-WM übertragen. Das ganze Wochenende kann drei mal täglich ab 10, 15 und 18 Uhr auf dem Washingtonplatz geschwommen werden. Dann zieht das Becken weiter.

Eisvogel Berlin rettet einem den Sommer. Nicht nur natürlich, aber sie tragen doch entscheidend dazu bei. Jeder kennt ihr Produkt. Das gute Nutzeis. Kiloweise lagert es in Plastiksäcken in Supermärkten und Tankstellen. Liter davon werden vor jeder Party in die Badewanne geschüttet, um das Bier kalt zu halten. Kaum etwas ist so häufig ausverkauft wie fertige Eiswürfel. In der Hildburghauser Straße 250 gehen sie nie aus. Dort stellt die Firma Eisvogel ihr Produkt her. In den Lagerräumen herrschen minus 18 bis minus 20 Grad. Das ist dann vielleicht doch ein bisschen zu kühl. Aber es rettet uns die Eiswürfel.

Im Martin-Gropius-Bau herrscht echte Museumstemperatur. Egal wie heiß es draußen ist, in den Räumen in der Niederkirchnerstraße 7 herrschen immer kühle 21 Grad. Im Moment beherbergt das Museum eine Ausstellung der Künstler Itten und Klee. Kosmos Farbe heißt sie. Die bunten Bilder sorgen für sommerliche Stimmung. Die hohen, hellen Räume des Museums sind kühl und luftig. Ein Gang durch die Ausstellung gehört mit zum Besten, will man für einen Moment innehalten und die Hitze des Sommers vergessen.

Der Berliner Dom ist wie alle anderen Kirchen schon seit Jahrhunderten ein Ort des Innehaltens und der Ruhe. Klar, dass er im Sommer einer der besten Plätze ist, will man den Temperaturen und dem Stress eines heißen Tages entkommen. Der kühle Stein des Gebäudes sperrt die Hitze aus. Schon beim Eintreten bemerkt man, dass es im Inneren deutlich kälter ist als draußen. Circa 23 Grad herrschen im Halblicht zwischen den hölzernen Bänken. Wer zwischen 9 und 19 Uhr hierher kommt, hat die Chance bei einem langsam Gang durch das Kirchenschiff Energie zu sammeln, bevor er sich dem Sommer erneut stellt.

Der Große Tiergarten ist wohltuend schattig. Unter den Bäumen liegen Menschen auf Decken und genießen die Kühle. Andere picknicken, lesen oder fahren langsam mit ihren Fahrrädern über die sandigen Wege. Wie viel kälter es im Schatten ist als in der Sonne hängt von vielen Faktoren ab. Beschaffenheit des Bodens, Wassernähe. Im Tiergarten ist es deutlich kühler als im prallen Sonnenschein der Straßen. Der Landwehrkanal fließt durch das Grün des Parks, der Boden ist weich und rasenbedeckt, in den Baumkronen raschelt das Laub im Wind. Erfrischender könnte ein Ort im Freien an diesen Sommertagen kaum sein.