Noch sieht das Ganze etwas improvisiert aus. Ein mobiler Stand, zwei Mitarbeiter in der blau-gelben Uniform der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Und doch handelt es sich um eine kleine Sensation. Nachdem die BVG schon vor Jahren ihr Bahnsteig-Personal auf sämtlichen 173 U-Bahnhöfen abgezogen hat, weil Mitarbeiter zur Abfertigung der Züge dank moderner Technik nicht mehr gebraucht wurden, kehren die BVGler nun zurück.
Wenn auch mit völlig anderen Aufgaben. Die Mitarbeiter sollen keine Züge abfertigen, auch keine Tickets verkaufen, Schwarzfahrer kontrollieren oder Randalierer dingfest machen. Sie sollen vor allem den Service verbessern, Fragen zu Verbindungen oder Tarifen beantworten oder beim Bedienen der Ticketautomaten helfen, wie Unternehmenssprecherin Petra Reetz am Freitag bestätigte.
Noch ist das Projekt in der Probephase. Auf zunächst zehn Stationen im Berliner U-Bahnnetz sollen die mobilen Stände in den kommenden Tagen aufgebaut werden. Die Bahnhöfe Potsdamer Platz und Wilmersdorfer Straße machten in dieser Woche den Anfang. In Kürze folgen die Stationen Wittenbergplatz, Friedrichstraße, Walther-Schreiber-Platz, Rathaus Steglitz, Schönhauser Allee, Frankfurter Allee, Rudow und Kaiserdamm.
Elf weitere Bahnhöfe hat die BVG als mögliche Standorte identifiziert. Zunächst bis Ende dieses Jahres wollen die Verkehrsbetriebe erproben, ob der Service angenommen wird und die gewählten Standorte sinnvoll sind. Bei positiver Resonanz könnte das Projekt ausgeweitet und dauerhaft werden.
Keine Sicherheitskräfte
In der Regel sollen die Service-Stände von 7 bis 23 Uhr besetzt sein. Zusätzliche Kosten entstehen den hoch verschuldeten Verkehrsbetrieben dadurch nicht. Die vorgesehenen 60 bis 80 Mitarbeiter kommen aus anderen Abteilungen der BVG. Beispielsweise sollen Bus- oder Bahnfahrer die vorübergehend oder dauerhaft nicht fahrdiensttauglich sind, an den Ständen eingesetzt werden.
Als Beitrag zur Debatte um die Sicherheit im Nahverkehr will BVG-Sprecherin Reetz die Initiative deshalb auch nicht missverstanden wissen. Die Mitarbeiter seien nicht für die Aufgaben von Sicherheitskräften ausgebildet, sagte sie. Auch die Bahnhöfe seien nicht ausgewählt worden, weil es sich um Problemschwerpunkte handele, sagte Reetz. Die Anlaufstellen für Fahrgäste würden vor allem dort eingerichtet, wo es wichtige Umsteigebeziehungen zwischen U-Bahn, S-Bahn oder Regionalverkehr gebe.
Gleichwohl – das wissen auch die BVG-Manager – trägt allein die Anwesenheit von Uniformierten dazu bei, das Sicherheitsgefühlt vieler Fahrgäste zu verbessern. Und selbstverständlich seien die Mitarbeiter auf den Bahnsteigen mit Handys und Funkgeräten ausgestattet, um im Notfall die BVG-Wachmänner, die Polizei oder Rettungskräfte alarmieren zu können.
Eine Garantie dass alle genannten Bahnhöfe mit Personal besetzt sein werden, gibt es indes nicht. „Eben weil es sich um Servicekräfte handelt, kann es sein, dass sie – etwa bei größeren Störungen im Verkehr – abgezogen werden, um den Fahrgästen an anderen Orten zu helfen“, sagte Reetz.



