Vor Beginn seines Prozesses ist ein 39-Jähriger aus dem Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter in Berlin geflohen. Dies teilte das Landgericht am Dienstag mit.

Nach dem Flüchtigen wird jetzt nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit gefahndet.

Der Pyrotechniker, der vermutlich an Wahnvorstellungen leidet, soll in großem Stil ein illegales Lager mit Sprengstoff und Leuchtmunition in Berlin-Neukölln betrieben haben. Am Dienstag sollte der Strafprozess gegen den 39-Jährigen beginnen.

Ein Abteilungsleiter der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik habe das Gericht am Morgen informiert, dass der 39-Jährige nicht auffindbar sei, sagte ein Gerichtssprecher. Nach Klinikangaben sieht es so aus, dass der Verdächtige mit einem Nachschlüssel zunächst seine Station verließ und mit einem weiteren nachgemachten Schlüssel das Gitter eines Kellerfensters öffnete und entkam.

Im Maßregelvollzug werden psychisch kranke Straftäter untergebracht. Es können Verurteilte oder Verdächtige sein, die auf ihren Prozess warten. Berlin hat dafür rund 520 Plätze in fünf besonders gesicherten Teilanstalten an zwei Standorten.

Mann soll auch Behördenmitarbeiter bedroht haben

In der Anklage wird dem Mann auch versuchte Nötigung vorgeworfen. Er soll Mitarbeiter eines Gerichts sowie eines Bezirksamtes Gewalt angedroht haben. Nun will das Gericht den Prozess am nächsten Dienstag (30. Juli) starten – in der Hoffnung, dass der Angeklagte bis dahin gestellt wird.

Nach Angaben der Verteidigung lebe der Mann „in einer anderen Rechtsrealität“. Er gehöre zu einer Gruppierung, die die Bundesrepublik nicht anerkennt.

Laut Gesundheitsverwaltung gab es in diesem Jahr noch keine Fluchten aus dem Maßregelvollzug. Zuletzt entkam im November 2012 ein 23-Jähriger während eines Arztbesuches aus einer Rettungsstelle. Er hatte seine Bewacher abgehängt und stieg in einen bereitstehenden Fluchtwagen.

Auch im Dezember 2011 floh ein Mann aus einer Einrichtung für psychisch Kranke. Seine Unterbringung war angeordnet worden, weil er gefährliche Körperverletzung und zwei Vergewaltigungen begangen hatte.

dpa/sei