Großbrand

Festsaal Kreuzberg soll an Skalitzer Straße zurückkehren

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Christina Brüning

Der Festsaal Kreuzberg ist am Wochenende ausgebrannt. Die Brandursache ist noch nicht klar, doch die Betreiber schauen schon in die Zukunft. Sie wollen unbedingt an die Skalitzer Straße zurückkehren.

Sogar der Klempner hat angerufen und seine Hilfe angeboten. Überwältigend sei die Anteilnahme, erzählt Björn von Swieykowski am Montag. Der 40-Jährige ist einer der vier Betreiber des Festsaals Kreuzberg. Der Saal ist in der Nacht zu Sonntag vollständig ausgebrannt. Natürlich seien er und seine Kollegen schockiert, sagt Swieykowski. Trotzdem wollen sie weitermachen: „Wir geben noch nicht auf.“ Noch in dieser Woche sei geplant, eine Art Förderverein zu gründen. „Ziel ist es, Spenden zu sammeln, um den Festsaal möglichst an seinem bisherigen Ort wieder zu eröffnen“, so der Geschäftsführer.

Ein Blick auf die Facebook-Seite des Festsaals vermittelt einen Eindruck davon, von welcher Unterstützung die Betreiber sich angespornt fühlen, ihren Club wiederauferstehen zu lassen. Auch am Montag hinterlassen noch Dutzende Fans dort Nachrichten. „Ich hoffe, ihr macht weiter, Kreuzberg ohne Festsaal geht nicht“, schreibt einer. „Gemeinsam ranklotzen!“, ein anderer. Musiker, DJs und andere Künstler bieten ihre Hilfe an.

Im Festsaal Kreuzberg fanden in den vergangenen Jahren unzählige Veranstaltungen von Konzerten über Hochzeitsfeiern bis hin zum Kiezboxen statt. Mit den vielen auch fremdsprachigen Kommentaren in den sozialen Online-Netzwerken zu dem verheerenden Brand am Wochenende zeigt sich deutlich, wie bekannt der schmucklose Flachbau an der Skalitzer Straße ist.

Innenräume stark verkohlt

Insgesamt rund 300 Feuerwehrleute hatten in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag in Kreuzberg gegen die Flammen gekämpft. Ein freier Mitarbeiter hatte den Brand gegen 21 Uhr entdeckt, der Notruf ging wenig später bei der Feuerwehr ein. Obwohl die Beamten sehr schnell in der Skalitzer Straße eingetroffen waren, konnten sie das Feuer nicht mehr daran hindern sich auszubreiten. „Der Mitarbeiter und einer meiner Geschäftspartner sind sogar noch gemeinsam mit der Feuerwehr im Gebäude und auf dem Dach gewesen“, sagt Swieykowski. „Doch sie konnten den Brandherd nicht finden.“ Zu diesem frühen Zeitpunkt sei der Veranstaltungsraum noch nicht so vollgequalmt gewesen, auch sei bereits eine automatische Notentrauchungsanlage im Gebäude angesprungen. Trotzdem sei kurze Zeit später die Rauch- und Hitzeentwicklung so groß gewesen, dass keiner mehr das Gebäude habe betreten können.

Die Ursache des Feuers ist noch Gegenstand der Ermittlungen beim Brandkommissariat der Polizei. Ausgeschlossen werden könne bisher nur, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, heißt es am Montag bei der Polizei. Der Brandherd sei vermutlich bei der Haustechnik gewesen. Ob aber ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst habe oder doch eine fahrlässige Brandstiftung, müsse weiter untersucht werden. Die Ermittlungen seien jedoch mühselig, weil das ganze rund 300 Quadratmeter große Gebäude untersucht werden müsse, in dessen Innenräumen alles nach den hohen Brandtemperaturen stark verkohlt sei. Das Ausmaß des Schadens ist noch unklar. Der Festsaal ist nach Angaben des Betreibers versichert gewesen.

„Mit viel Herzblut aufgebaut“

Er selbst sei zu Hause gewesen und sofort zum Festsaal gefahren, als er von dem Feuer gehört habe, erzählt Swieykowski, der seit neun Jahren mit seinen Partnern den Festsaal und zwei Bars betreibt. Bis in die späte Nacht hinein hätten sie zusehen müssen, wie ihr Club abbrannte. „Wir haben da gestanden und konnten nichts machen“, sagt Swieykowski. „Wir hatten den Festsaal über die Jahre mit viel Herzblut aufgebaut.“

Zehn Stunden brauchte die Feuerwehr, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Die Bauweise des Festsaals machte den Experten dabei Schwierigkeiten. Weil es vorn im Gebäude nur zwei Türen, hinten einen Liefereingang und sonst keine Fenster oder Dachluken gibt, entwickelte sich schnell eine große Hitze von zeitweise 600 bis 800 Grad in dem Gebäude, der Rauch und der heiße Wasserdampf des Löschwassers konnten nicht abziehen. Die Feuerwehrleute wiederum konnten den Bau immer nur kurz betreten, um Wasserwerfer aufzustellen.

Ausweichort ist gefunden

Bisher habe es noch keine Probleme mit der Technik gegeben, sagt der Geschäftsführer mit Blick auf den möglichen Brandherd. Auch hätten alle erforderlichen Genehmigungen für das Gebäude vorgelegen, die Brandschutzauflagen wie Fluchtwege, Sicherheitspersonal bei Veranstaltungen oder Beleuchtung der Notausgänge seien erfüllt gewesen. „Trotzdem sind wir heilfroh, dass es nicht während einer Veranstaltung passiert ist“, sagt Swieykowski. Zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers hätte ein Hip-Hop-Konzert stattfinden sollen.

Mit den nächsten Konzerten, die im Festsaal geplant waren, weichen Swieykowski und seine Kollegen an einen anderen Ort, ins „Lido“, aus. Für die mittelfristige Planung im Winter seien ihnen bereits andere Orte in Kreuzberg und Neukölln angeboten worden. „Unser Ziel ist es aber, irgendwann wieder an der Skalitzer Straße zu eröffnen“, sagt Swieykowski. „Ob das geht, müssen wir jetzt herausfinden.“ Am Montag noch wollten sich die vier Betreiber einen Eindruck von den Schäden verschaffen.