2007 beschloss der Bundestag, dass Berlin ein Freiheits- und Einheitsdenkmal bekommt; wenig später wurde ein zweites Denkmal in Leipzig avisiert. Seither wird um die Ideen dafür gestritten. In Berlin sind die Planungen einen Schritt weiter. Immerhin laufen am Schloßplatz in Mitte die Vorarbeiten für den Sockel, bis 2015 soll das Denkmal fertig sein.
Nach dem Entwurf des Stuttgarter Designers Johannes Milla und der Berliner Choreografin Sasha Waltz soll am Standort des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals eine riesige begehbare Waagschale entstehen – nur einen Steinwurf von dem bis 2019 geplanten Wiederaufbau des Preußenschlosses entfernt. „Bürger in Bewegung“ heißt der Siegerentwurf.
Erfahrung der gemeinsamen Kraft
Zwar ist Waltz wegen Meinungsverschiedenheiten bei der Gestaltung aus dem Projekt ausgestiegen, an der Idee soll sich aber nichts ändern. Danach können die Besucher, wenn sie sich zu einer Gruppe zusammentun, die Schale durch ihr Gewicht sanft in Bewegung setzen. Diese Erfahrung der gemeinsamen Kraft, begründeten die Erfinder, „soll zugleich zur Zivilcourage ermutigen und an sie erinnern“.
In Leipzig soll das Denkmal am Wilhelm-Leuschner-Platz entstehen – einem Ort, der nicht direkt mit den Montagsdemos verknüpft ist, aber viel Fläche bietet. Der Bund stellt fünf Millionen Euro zur Verfügung, der Freistaat Sachsen 1,5 Millionen. Eigentlich sollte das Denkmal bis zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2014 fertig sein. Dieser Termin ist aber nicht mehr zu halten. Wenn in nächster Zeit alles nach Plan läuft, könnte aber an jenem Tag der erste Spatenstich erfolgen.
Form des Leipziger Denkmals steht noch nicht fest
Was in Leipzig entsteht, ist noch offen. Vor einem Jahr hatte eine Jury nach einem Wettbewerb drei Entwürfe ausgewählt und Platzierungen vergeben. Die 70.000 Würfel – eine Idee von Marc Weis und Martin de Mattia (M+M/München) und Annabau/Berlin – waren der Favorit. Auf den zweiten Platz kam die „Demokratiewerkstatt“ des Studios „realities: united“ aus Berlin. Dritter wurde der „Herbstgarten“ von Tina Bara, Anna Dilengite und Alba d’Urbano.
Als die drei Siegerentwürfe dann zur öffentlichen Diskussion ins Netz gestellt wurden, hagelte es Kritik; unter anderem hieß es, sie seien zu bunt und damit dem Ernst des Themas nicht angemessen. Schließlich wurden alle drei Entwürfe überarbeitet – und ein Gremium stellte die Platzierungen Anfang Juli auf den Kopf. Im Oktober soll nun der Stadtrat entscheiden, ob die Stadtverwaltung Verhandlungen mit allen drei Preisträgern aufnehmen darf. „Für jeden Entwurf ist die Aussicht, realisiert zu werden, noch voll gegeben“, sagte Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber.









