Alkoholmissbrauch

Sauftour auf der Klassenfahrt endet im Krankenhaus

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Gandzior und Steffen Pletl

Foto: Steffen Pletl

Ein 16-jähriger Schüler aus Franken ist mit 3,95 Promille von der Polizei am Alexanderplatz aufgegriffen worden. Angeblich soll ein Fremder dem Jungen den Alkohol besorgt haben.

Volltrunken auf einer Parkbank – so endete in der Nacht zu Donnerstag die Sauftour des 16 Jahre alten Berlin-Besuchers Peter F.* aus Wolframs-Eschenbach in Franken. Passanten hatten den Jugendlichen kurz vor Mitternacht in der Panoramastraße am Alexanderplatz gefunden und die Rettungskräfte alarmiert. Diese brachten den Schüler zur stationären Behandlung ins Klinikum Friedrichshain.

Eine erste Atemalkoholmessung hatte 3,95 Promille ergeben, eine spätere Blutentnahme im Krankenhaus Friedrichshain korrigierte das Ergebnis auf zwei Promille. Der Jugendliche konnte am Donnerstagnachmittag die Klinik wieder verlassen.

Der Schüler war mit vier Klassenkameraden auf dem Weg vom Hotel an der Landsberger Allee Ecke Storkower Straße zum Alexanderplatz unterwegs. Nach Angaben der Polizei hätten die Jugendlichen an zahlreichen Kiosken und Spätverkaufsstellen Alkohol gekauft und konsumiert. Am Fuße des Fernsehturms fanden Polizeibeamten den betrunkenen Jugendlichen. Die Polizeibeamten informierten einen Erzieher.

Mit Wodka und Eistee auf der Bank gesessen

Peter F. ist auf Klassenfahrt in Berlin. Rund 80 Schülerinnen und Schüler, drei Klassen des gesamten Jahrgangs des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums in Winsbach, sind seit Montag in der Stadt. Begleitet werden sie von sechs Erziehern. Am Freitag fahren sie zurück nach Franken. Das Gymnasium ist die Heimat des Winsbacher Knabenchors. Ein Teil der Jugendlichen besuchte am Mittwochabend das Musical „Hinterm Horizont“ am Potsdamer Platz, andere schauten sich die Stadt an.

„Es hat klare Regeln gegeben“, sagt Betreuer Alexander Höhn. „Schnaps und Spirituosen waren verboten, eine geringe Menge Bier war gestattet. Bis Mitternacht sollten alle wieder zurück im Hotel sein.“

Nach Angaben des Rektors des Gymnasiums, Jens-Paul Rabe, hätten ihm die Lehrer nach Gesprächen mit den Betroffenen den Verlauf des Abends am Telefon anders geschildert. Eine bereits angetrunkene Person habe die fünf Jugendlichen auf ihrem Weg zum Alexanderplatz angesprochen und ihnen angeboten, Alkohol im Supermarkt zu kaufen. Dem hätten die Jugendlichen aus Franken zugestimmt. Mit Wodka und Eistee hätten sie dann gemeinsam auf der Bank gesessen und getrunken.

Alkoholabsturz hat disziplinarische Konsequenzen

„Einigen Schülern hätte ich das eher zugetraut“, sagte Rabe der Fränkischen Landeszeitung. „Vom erwähnten Schüler hätte ich das nie geglaubt. Ich vermute, er hat das gar nicht so mitbekommen, was und wie viel er getrunken hat und die Wirkung völlig unterschätzt.“

Der Alkoholabsturz der Jugendlichen am Mittwochabend hatte auch erste disziplinarische Konsequenzen für alle anderen Schüler. Das gemeinsame Abendprogramm am Donnerstag wurde abgesagt. Die 80 Schülerinnen und Schüler mussten in ihrem Hotel bleiben.

Einen besonders tragischen Zwischenfall im Zusammenhang mit einer Schülerreise von jungen Amerikanern hat es am 28. Juni gegeben. Ein 16 Jahre alter Schüler aus Kalifornien fiel aus dem Fenster eines Hotels in Charlottenburg und starb noch an der Unfallstelle. Der Jugendliche hatte offenbar zuvor Whisky getrunken.

( (* = Name geändert) )