Ein Geiselnehmer, der mit einer Bombendrohung bis zu 500.000 Euro von einer Berliner Bank erpressen wollte, muss für neuneinhalb Jahre in Haft. Der 30-jährige Wolfsburger wurde am Mittwoch vom Berliner Landgericht außerdem für zwei Banküberfälle in seiner Heimatstadt mit 37.000 Euro Beute verurteilt.
Kurz vor Weihnachten 2012 hatte der Mann in Berlin-Zehlendorf einen 40-jährigen Bankangestellten zehn Stunden in seiner Gewalt. Die Polizei konnte den Nervenkrieg unblutig beenden. Der geständige Thomas D. hatte als Motiv einen Rachefeldzug gegen Banken genannt.
„Ich wollte die Banken schädigen, weil sie die Wirtschaftskrise ausgelöst haben“, sagte der 30-jährige Thomas D. vor Gericht. Die psychiatrische Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten eine volle Schuldfähigkeit.
Ersten Überfall abgebrochen
Zweimal hatte der gebürtige Niedersachse Thomas D. im vergangenen Jahr Berlin besucht, beide Male in der Absicht, mit einem radikalen Schritt seine finanziellen Probleme zu lösen.
Beim ersten Besuch brach er sein Vorhaben, eine Bank zu überfallen, im letzten Moment ab, beim zweiten Mal schlug er zu. Am Nachmittag des 21. Dezember 2012 betrat er die Filiale der Deutschen Bank an der Potsdamer Straße in Zehlendorf, drohte mit einer angeblich in seiner Tasche befindlichen Bombe, nahm einen Kundenberater als Geisel und forderte 500.000 Euro.
Es folgte ein zehnstündiger Großeinsatz für die Polizei und eine genauso lange Zeit des quälenden Wartens für den 40 Jahre alten Bankangestellten, bevor D. schließlich aufgab. Die Geisel blieb unverletzt.
Bei zwei vorherigen Banküberfällen in seiner Heimatstadt Wolfsburg hatte D. ebenfalls mit der Sprengung einer Bombe gedroht.
Angeklagter war neidisch und enttäuscht
Einem Gutachten nach war nicht die Geiselnahme das Ziel des 30-Jährigen, sondern schnell viel Geld zu kommen. Der extrem egoistische Mann fühle sich oft abgelehnt, Thomas D. verspüre Neid und Wut, hieß es.
Der Berliner Bankangestellte gab dem Erpresser nach eigenen Angaben viel Persönliches preis. „Ich dachte, dann fällt es ihm schwerer Gewalt anzuwenden“, sagte der 40-jährige am Mittwoch im Prozess.
Es helfe auch sehr, zu wissen, dass der Sprengsatz nicht echt gewesen sei. Der Angestellte der Zehlendorfer Bankfiliale sagte weiter: „Ich möchte es vergessen.“
dpa/mim



