Zukunft

Das sind die ersten Pläne für das Tempelhofer Feld

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer möchte das Gelände zu einer „Smart City“ machen. Die Öko-Modellstadt könnte von privaten Investoren finanziert werden. Berlin will gutes Vorbild sein.

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Für die Nutzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof gibt es im Senat neue Pläne. Nach dem Willen von Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) soll dort eine Öko-Modellstadt entstehen, finanziert von privaten Investoren. „Wir sollten über Tempelhof neu nachdenken. Es könnte doch ein Modell-Kiez, eine wirkliche Smart City, entstehen“, sagte Yzer der Berliner Morgenpost.

Der Senatorin zufolge ist Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) in neue Überlegungen für das Tempelhofer Feld eingeweiht. „Im Aufsichtsrat von Tempelhof Projekt haben wir das kürzlich erörtert und waren uns sehr einig“, sagte die CDU-Politikerin. Yzer und Müller sind Mitglieder im Aufsichtsrat der landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH, die das Areal in den nächsten Jahren entwickeln soll.

Stadt der Zukunft

Der im Jahr 2008 geschlossene Flughafen sei eine der größten zu entwickelnden Innenstadtflächen Europas, sagte die Wirtschaftssenatorin. „Schaffen wir doch dort eine Referenzstadt, in der moderne Technologien zum Einsatz kommen. Dort könnten dann Interessenten anderer Metropolen sehen, wie die Stadt der Zukunft funktionieren kann.“ Neue Technologien für Energie, Bauen und Verkehr sollten bei der Entwicklung der innerstädtischen Fläche zum Einsatz kommen. Das Land Berlin müsse dabei intensiv um private Investoren werben, sagte Yzer. „Es ist illusorisch, ein Areal wie Tempelhof allein mit öffentlichen Mitteln entwickeln zu wollen.“

Die Ideen der Senatorin dürften für neue Kontroversen sorgen. Die bisherigen Pläne für die künftige Nutzung der gut 300 Hektar in bester Innenstadtlage sind vage: An den Rändern des Geländes sind Wohnungen und Gewerbebauten geplant. Mittendrin soll ein Park gestaltet werden. Die Internationale Gartenausstellung ist aus finanziellen Gründen aufgegeben worden. Vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wünscht sich auf dem Tempelhofer Feld den Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek.

Eine Bürgerinitiative will die Fläche erhalten

Die Finanzierung all dieser Vorhaben ist weitgehend unklar, allein der Bau der Landesbibliothek wird mit rund 280 Millionen Euro veranschlagt. Aber auch die finanziellen Mittel für die Sanierung des riesigen, denkmalgeschützten Flughafengebäudes sind noch nicht im Landeshaushalt eingeplant. Überdies formiert sich gegen die Bebauungspläne Widerstand. Die Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld e.V.“ arbeitet an einem Volksbegehren für den Erhalt der Freifläche im derzeitigen Zustand. Die Initiative lehnt auch Neubauten ab – trotz der zunehmenden Wohnungsknappheit in der Berliner Innenstadt. Wirtschaftssenatorin Yzer schwebt nichts weniger als ein Neustart für Tempelhof vor. „Wenn wir einfach die bisherige Planung weiterverfolgen, werden wir noch 2025 kaum etwas sehen - einfach, weil die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stehen.“ Zudem sieht die Politikerin in Tempelhof eine Alternative zum geplanten Industriepark in Tegel.

Dort soll nach Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafens BER auf dem jetzigen Flughafengelände ein Gewerbepark für urbane Technologien entstehen. Da noch immer nicht klar ist, wann der Flughafen BER in Schönefeld eröffnen wird, ist auch der Zeitplan für die Nachnutzung von Tegel nicht klar. In Senatskreisen wird nicht ausgeschlossen, dass der BER erst im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen wird. Dies würde aber auch bedeuten, dass Tegel mindestens bis Ende 2015 für den Flugverkehr geöffnet bleibt. „In dem Moment, in dem ein Investor kommt, müssen wir einen geeigneten Standort anbieten können. Wir können ja nicht sagen: ,Kommen Sie später wieder, dann können Sie in Tegel Flächen erwerben‘“, sagte Yzer.

Flughafengebäude soll mehr Einnahmen generieren

Zugleich fordert die Wirtschaftssenatorin mehr Anstrengungen bei der Vermietung der alten Flughafengebäude in Tempelhof. Die Hangars sind schon seit vielen Jahren bei Unternehmen und Event-Veranstaltern beliebt. Sie werden beispielsweise für Präsentationen, Charity-Veranstaltungen oder Techno-Partys genutzt. Auch die Modemesse Bread & Butter findet regelmäßig in Tempelhof statt. Insgesamt sei es aber noch zu wenig, sagte die Senatorin. „An vielen Tagen sind die Hallen auch ungenutzt. Damit gehen Einnahmen verloren“, sagte Yzer. Die Vermietung der Hangars müsse professioneller gemacht werden als bisher. Nach Ansicht der Wirtschaftssenatorin könnte sich die landeseigene Messe Berlin um die Bewirtschaftung der Eventflächen kümmern. „Man braucht im Eventgeschäft ein etabliertes internationales Netzwerk - das hat die Messe“, sagte die CDU-Politikerin.

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