Congress Centrum

Es gibt kaum noch Hoffnung für das Berliner ICC

Im Frühjahr 2014 muss das Internationale Congress Centrum Berlin geschlossen werden. Wirtschaftssenatorin Yzer hält eine Sanierung nur für möglich, wenn sich private Investoren beteiligen.

Eine Schließung des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Berlin-Charlottenburg ohne einen Plan, wie es künftig einmal genutzt werden soll, wird immer wahrscheinlicher. Spätestens im Frühjahr 2014 muss der Senat entscheiden, was mit dem ICC geschehen soll. Zum Jahresende läuft die Betriebsgenehmigung für das Congress Centrum aus, die höchstens für einige Wochen verlängert werden kann. Dann muss das ICC saniert oder stillgelegt werden. Aber auch ein Abriss wird im Senat nicht mehr ausgeschlossen.

„Es wird jetzt konsequent nach einem Investor gesucht, das wurde in Berlin jahrelang nicht betrieben“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) der Berliner Morgenpost. Erst dann werde über das weitere Vorgehen entschieden. Die Wirtschaftssenatorin warf dem Vorgängersenat im Zusammenhang mit dem ICC Untätigkeit vor. „Als ich hier ins Haus kam, gab es überhaupt keine Perspektive für das ICC“, sagte Yzer. „Obwohl man jahrelang wusste, dass das ICC schließt, ist nichts geschehen.“ Die Sanierung des Congress Centrums beschäftigt die Berliner Landesregierung seit Jahren. Das Haus muss asbestsaniert werden, dafür errichtet die Messe derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Deutschlandhalle den sogenannten CityCube als Ersatzstandort. In mehreren Gutachten zur Sanierung wurden unterschiedliche Kostenschätzungen ermittelt. Sie variieren zwischen 200 und 600 Millionen Euro.

Zuletzt hatte sich der Berliner Senat für die Sanierung ausgesprochen und dafür bis zu 200 Millionen Euro bereitgestellt. Doch dieser Beschluss wird im Senat inzwischen wieder infrage gestellt, da SPD und CDU die Sanierungskosten wesentlich höher einschätzen. In der SPD-Fraktion mehren sich deshalb die Stimmen, das ICC abzureißen. „Die Koalition ist sich einig, dass das ICC kein Fass ohne Boden sein darf“, sagte dazu SPD-Fraktionschef Raed Saleh.

„Was die ICC-Sanierung kostet, hängt davon ab, was man am Ende damit anfangen will und ob es dafür Investoren gibt“, sagte Senatorin Yzer. „Wenn wir Anfang 2014 ein Konzept haben, das auf die Strecke gebracht werden kann, stehen dafür 200 Millionen Euro zur Verfügung.“ Aber auch diese Summe wird nach ihrer Auffassung nicht ausreichen. „Für mich steht völlig außer Frage, dass wir auch eine Beteiligung privater Investoren brauchen.“

Veranstaltungen und Messegeschäft sollen ins ICC

Doch ob sich tatsächlich ein Investor findet, ist völlig offen. Die Wirtschaftssenatorin will sich zu den Erfolgsaussichten öffentlich nicht äußern. „Wir haben ein mehrstufiges Verfahren in Gang gesetzt, das wir jetzt zu Ende führen. Eine sehr angesehene internationale Projektentwicklung hat von uns im Zuge einer europaweiten Ausschreibung den ganz klaren Auftrag erhalten, ein finanzierbares Nutzungskonzept vorzulegen.“ Geplant ist eine Mischnutzung des ICC mit Veranstaltungen und Messegeschäft. Weil die Investorensuche aber schwierig ist, schlägt die CDU das ICC als Standort für die neue Landesbibliothek vor. Das jedoch lehnt die SPD ab – und hält an dem Plan fest, die Bibliothek auf dem Tempelhofer Feld zu errichten.

Sollte der Senat den Abriss des ICC beschließen, wird aber auch das sehr teuer. Ein erstes Gutachten aus dem Jahr 2005 kam zu dem Schluss, dass die Kosten 30 Millionen Euro betragen würden. Inzwischen geht Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) davon aus, dass sie bei mindestens 180 Millionen Euro lägen. Denn ein Abriss des ICC wäre äußerst kompliziert. Das Gebäude liegt direkt an der Autobahn und am Verkehrsknotenpunkt Neue Kantstraße Ecke Messedamm. So müssten allein für die Vorbereitungen des Abrisses sowohl die Autobahn als auch die S-Bahn und umliegenden Straßen monatelang gesperrt werden.