Angesichts der Schulplatznot hat der Senat ein Sonderprogramm für Schulcontainer beschlossen. Im Doppelhaushalt 2014/15 sind für die sogenannten mobilen Unterrichtsräume insgesamt 25,7 Millionen Euro vorgesehen. Nach der Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werden im Jahr 2030 in Berlin 65.000 mehr Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren leben als heute.
Deshalb benötigt die Stadt in den nächsten Jahren etwa 60 neue Schulen. Allein in Pankow fehlen schon bis 2017 nach Berechnungen des Bezirks 6000 Schulplätze, Lichtenberg braucht im selben Zeitraum fünf neue Schulen.
Doch statt Neubauten sind für 2014 nun 16 Millionen Euro für mobile Unterrichtsräume, sogenannte Container, vorgesehen. Im Jahr 2015 soll es dann noch weitere 9,7 Millionen für die mobilen Bauten geben. Daneben sind für beide Jahre zusammen 46 Millionen für Bauinvestitionen an Schulen eingeplant, die von den Bezirken allein nicht gestemmt werden können.
Lange Planungszeiten
„Wir sind froh, dass durch die Container jetzt schnell und unbürokratisch die Platznot gelindert werden kann“, sagt Kathrin Schultze Berndt (CDU), Bildungsstadträtin von Reinickendorf. Für 2014 hat der Bezirk mobile Unterrichtsräume für die Columbus-Grundschule beantragt und für 2015 für die Hausotter-Grundschule. Schon jetzt steht auf den beiden Schularealen ein Sammelsurium verschiedener Containergenerationen.
Erfahrungsgemäß würden die provisorisch gedachten Pavillons zur Dauerlösung, so Schultze-Berndt. Die Planungszeiten für Schulneubauten seien eben extrem lang. Ein solider Neubau benötige mindestens fünf Jahre Vorlauf, dann müssten die Kostenschätzungen vom Senat geprüft werden, möglicherweise seien noch Änderungen nötig, und dann komme es erst zur Ausschreibung.
Wie zäh die Planungen eines Schulneubaus sein können, zeigt das Beispiel der Clay-Schule in Neukölln. Seit 23 Jahren ist die Oberschule in einem provisorischen Containergebäude untergebracht. Wenn es regnet, drückt das Wasser durch das Flachdach in die Räume. Die mehr als 1000 Schüler drängen sich auf viel zu engen Fluren. Es gibt keine Turnhalle, keinen Keller und nur einen Saal, der gleichzeitig als Aula und Mensa dient. Ursprünglich war das Provisorium lediglich auf fünf Jahre ausgelegt.
„Nicht gut gelaufen“
Ob die Clay-Schule diesmal auf der überbezirklichen Investitions-Liste stehen wird, ist ungewiss. Dabei waren die Mittel für den Schulneubau bereits 2011 fest eingeplant, doch der Baubeginn verzögerte sich immer wieder. Nun muss der Starttermin erneut verschoben werden. Der schlechte Zustand des Gebäudes erschwere den Schulalltag erheblich, sagt Schulleiter Hartwig Beier. Deshalb ist bereits seit Jahren ein Neubau geplant. Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) ist in Sorge: „Derzeit wissen wir nicht, wie es mit dem Schulprojekt weitergehen soll“, sagt sie.
Ursprünglich war der Bau auf dem Gelände am Efeuweg geplant, wo bereits eine Sporthalle vorhanden ist. Doch nachdem 2010 ein Immobiliengeschäft rückabgewickelt wurde, entschied man sich für das Baugrundstück Neudecker Straße. Die Planungen mussten von vorn beginnen, denn hier wurde auch eine neue Turnhalle benötigt. Die geschätzten Kosten stiegen von ursprünglich 29 Millionen auf 42 Millionen Euro.
Doch damit nicht genug. Im vergangenen Jahr fand das Aktionsbündnis Rassismus und Fremdenfeindlichkeit heraus,dass sich auf dem Gelände eine alte Baracke des ehemaligen Eternit-Zwangsarbeiterlagers befindet. Zu Beginn dieses Jahres kam das Landesdenkmalamt zu dem Schluss, dass es sich bei der Baracke um ein Baudenkmal handelt – mit landesweitem Seltenheitswert. Die Baracke sei zu erhalten, nun müssen Planungen wieder geändert werden.
Niemand fühlt sich verantwortlich
Senatsverwaltung und Bezirksverwaltung schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu: „Wir haben Verständnis dafür, dass es Unmut an der Schule gibt. Die Planung durch den Bezirk ist hier tatsächlich nicht gut gelaufen“, sagt Sprecher Thorsten Metter.
Eine ähnliche unendliche Geschichte spielt sich in Pankow ab. Seit Jahren wird um die Sanierung eines Nebengebäudes des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums an der Kissingenstraße gerungen. In diesem Sommer wird dort nun der erste Containerbau der neuen Generation aufgestellt, weil das marode Gebäude aus DDR-Zeiten nicht weiter für den Unterricht genutzt werden kann.
Für die kommenden zwei Jahre hat der Bezirk acht solcher „modularer Ergänzungsbauten“ beantragt. „Das sind keine Container, sondern fertige Gebäude, die allen vorgeschriebenen Standards entsprechen“, so die Pankower Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD). Für die Zukunft müsse die Frage geklärt werden, ob es wirtschaftlich überhaupt noch Sinn mache, neu zu bauen.





