Berlin-Mitte

Nackter Mann vom Neptunbrunnen war schizophren

Manuel F. wurde von einem Polizisten in Berlin-Mitte vor dem Roten Rathaus erschossen. Für den Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei war die Situation ein „absoluter Extremfall“.

Zwei Tage nachdem Manuel F. im Neptunbrunnen in Berlin-Mitte tragisch von einer Polizeikugel getroffen wurde, werden nach und nach weitere Details bekannt.

So hat der 31-Jährige offenbar an Schizophrenie gelitten. Möglicherweise ist diese psychische Erkrankung eine Erklärung dafür, warum der studierte Betriebswirt, der einen festen Job hatte, sich am Freitag öffentlich auszog und begann, sich selbst mit einem Messer zu verletzen.

Wie die Berliner Morgenpost zudem erfuhr, soll Manuel F. noch bis Ende 2012 bei seinem Vater in Schöneberg gelebt haben. Anfang 2013 soll er nach Angaben von Nachbarn nach Weißensee umgezogen sein, nachdem es einen Streit zwischen ihm und seinem Vater gegeben hätte.

GdP-Bundeschef verteidigt Schützen vom Neptunbrunnen

Das Video der Szene am Neptunbrunnen von Freitag, das im Internet inzwischen zehntausendfach angeklickt worden ist, hat unterdessen heftige Debatten ausgelöst. Viele Facebook- und Twitter-Nutzer werfen der Polizei vor, der tödliche Schuss in den Oberkörper sei unnötig gewesen.

Nach dem für die Polizei zuständigen Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) hat sich nun auch der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, in die Debatte eingeschaltet und deutlich gemacht, dass der Beamte aus seiner Sicht nichts falsch gemacht habe.

"Nur der betroffene Beamte selbst kann entscheiden, ob er sich in einer Notwehrsituation befindet oder nicht", sagte Malchow in einem Interview. Polizisten in Deutschland würden die Schusswaffe sehr selten anwenden und besonnen reagieren. "In einem Extremfall – wenn jemand mit dem Messer auf mich zukommt – ist der Einsatz jedoch absolut gerechtfertigt. Für mich war die Situation am Neptunbrunnen ein absoluter Extremfall."

Auch der Umstand, dass der Polizist nicht in die Arme oder Beine des Mannes geschossen hat, wodurch der Tod des 31-jährigen Manuel F. vermutlich hätte verhindern werden können, lässt Gewerkschaftschef Malchow nicht zweifeln: "Handelt es sich um eine Notwehrsituation, kann nicht gezielt auf Arme oder Beine geschossen werden", sagte er in dem Interview weiter. Das Ziel sei es, den Angreifer angriffsunfähig zu machen. Die Bewertung dessen müsse aber allein der Betroffene vornehmen.

Auch hätte der Beamte nach Ansicht von Malchow nicht auf Verstärkung beispielsweise durch das SEK warten müssen. "Worauf hätte der Polizist warten sollen? Der 31-Jährige war nicht mehr ansprechbar, verletzte sich selbst und brachte auch Unbeteiligte in Gefahr. Der Polizist musste eingreifen, musste unterbinden, dass sich der Mann weiter selbst verletzt."

Der Beamte sei damit seinem Auftrag nachgekommen. Er habe sich selbst in Gefahr gebracht und müsse sich auch wehren dürfen. Die Sichtweise des Gewerkschaftsvorsitzenden teilt auch der Innenexperte der Grünen im Bundestag, Wolfgang Wieland. "Dem Polizisten ist wohl kein Vorwurf zu machen, er ist durch den Ausgang der Geschichte sehr gestraft", sagte Wieland der "Bild am Sonntag".

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