Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) an der Spitze schließt nicht aus, daß sie das Bauvorhaben mit dem Möbelzentrum in Halensee an sich zieht, sollte die Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) gegen die Ansiedlung votieren. "Wir halten den Markt an dieser Stelle für sinnvoll. Das Projekt entspricht unserer Strategie, Warenhäuser nicht am Stadtrand, sondern innerstädtisch, auch am Kurfürstendamm, zu positionieren", sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Wie berichtet, haben sich die Fronten im Streit um die Bebauung auf dem ehemaligen Güterbahnhof Halensee verhärtet.
CDU, Grüne und PDS lehnen das Projekt in dieser Dimension ab. Es sind drei Möbelmärkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 55 000 Quadratmetern geplant. FDP und SPD hingegen wollen das Areal am oberen Kurfürstendamm entwickeln. Die SPD stellt aber drei Bedingungen, erklärte Fraktionsvorsitzender Marc Schulte: "Alle 21 Gewerbetreibenden, die jetzt dort sind, müssen die Chance haben, zu bezahlbaren Mieten auf dem Areal zum Zuge zu kommen, außerdem müssen die Verkehrsfragen sowie die Auswirkungen auf die anderen Geschäftsstraßen geklärt sein." Gerade hat die SPD beantragt, daß das Bezirksamt prüfen lassen soll, ob die Stadtautobahn ab dem Hohenzollerndamm gedeckelt werden könnte, damit der Investor mehr Fläche zur Verfügung hat. Die Schließung des Autobahngrabens sei städtebaulich wünschenswert und verspreche eine wesentliche Reduzierung der Umweltbelastungen.
"Das ist eine uralte Planung aus den 80er Jahren. Ich glaube, die SPD versucht viele Türchen aufzumachen, um sich dann durch eins zu verabschieden", kritisiert der baupolitische Sprecher der CDU, Bodo Schmitt. "Die Abgase müssen trotzdem irgendwo raus. Außerdem hat Lutz/Neubert das Grundstück gerade wegen der gut sichtbaren Werbemöglichkeit gekauft. Abgesehen von den immensen Kosten eines Tunnels, würde dieses Vorhaben ein jahrelanges Planfeststellungsverfahren nach sich ziehen", moniert auch Sibylle Centgraf, baupolitische Sprecherin der Grünen, den Antrag.
Politiker im Bezirk vermuten, daß die Möbelkette Lutz/Neubert beim Senat noch etwas gut hat und deshalb - auch entgegen einer möglichen BVV-Mehrheit - zwangsweise in Halensee etabliert werden soll. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sieht aus städtebaulichen Gründen jedenfalls die Baumasse als Problem an: "Die Messe Berlin hat 150 000 Quadratmeter Nutzfläche, hier soll ein Drittel dieser Größenordnung entstehen. Das ist viel zu groß." Nach seiner Vorstellung könnte das Areal mit Gewerbeflächen entwickelt werden, wenn die mehr als 50 Jahre gewachsene Gewerbestruktur berücksichtigt werde. Die CDU findet die neue Planung der Gewerbetreibenden interessant, die in Kooperation mit dem Bauhaus das Areal nutzen wollen.
Die Bürgerinitiative sieht die Schmerzgrenze bei 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche für ein Möbelcenter erreicht; und zwar inklusive des Randsortiments. "Alles andere wäre eine zu große Belastung für das Umfeld. Mehr geht auch wegen der Einzelhändler an der Westfälischen Straße nicht", sagt Sprecher Heinz Murken.
Die Wirtschaftlichkeitsstudie der Projektentwickler spreche von zehn Prozent Einbußen in den umliegenden Geschäftsstraßen, die verkraftbar seien, berichtet Sibylle Centgraf. "Das sehen wir nicht so. Für etliche kleine Facheinzelhändler könnte das Möbelcenter das Aus bedeuten."
Im Verkehrsausschuß am kommenden Mittwoch (17.15 Uhr, Rathaus Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 100, Sitzungssaal 2) will der Projektentwickler den aktuellen Stand des Verkehrsgutachtens zum Güterbahnhof Halensee vorstellen. Davor wird der Ältestenrat tagen und entscheiden, ob auf der Bezirksverordneten-Versammlung am kommenden Donnerstag (Beginn 16.30 Uhr, Rathaus Wilmersdorf, Fehrbelliner Platz 4) das Projekt abgestimmt wird oder auf die Januar-Sitzung verschoben wird.
"Das wäre wünschenswert", sind sich die baupolitischen Sprecher von CDU und Grünen einig. Die Lage sei prekär. Drei große Möbelhäuser, so groß wie das KaDeWe ohne die Lebensmitteletage, vertrage der Bezirk nicht. Außerdem habe der Investor bei einem informellen Treffen am Anfang der Woche sich erstmals mit den Gewerbetreibenden, die das Gelände räumen sollen, unterhalten. Bislang hatte die Vivico als Verkäufer der ehemaligen Bahnfläche die Gespräche geführt.
"Sollte das Möbelhaus, egal von wem, durchgedrückt werden, starten wir sofort ein Bürgerbegehren", kündigte Heinz Murken vom Bürgerbündnis vorsorglich an.

