Kernspaltung

Berliner Forschungsreaktor in Wannsee wird abgeschaltet

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte den Reaktor bereits zum Sicherheitsrisiko für die BER-Flugrouten erklärt. Nun sind die Jahre des Forschungsreaktors gezählt.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die Jahre des Berliner Forschungsreaktors BER II sind gezählt: Bis zum 1. Januar 2020 sollen Wissenschaftler ihn noch nutzen können; danach soll er abgeschaltet werden, teilte eine Sprecherin des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) am Dienstag mit. Den Berlinern ist das Forschungszentrum besser als Hahn-Meitner-Institut bekannt. Diesen Namen trug es bis zum Jahr 2009.

Der HZB-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Treusch kündigte eine Neuausrichtung der Forschung an. Das Institut will sich demnach als Energieforschungszentrum mit Schwerpunkt Materialforschung etablieren.

Der Forschungsreaktor liefert seit etwa 60 Jahren Neutronen für wissenschaftliche Untersuchungen. Genutzt wird er von Biologen, Chemikern, Physikern und sogar Kunsthistorikern. In einem Wasserbecken hängt der Kern mit sieben Kilogramm spaltbarem Uran 235. Die Kernspaltung erfolgt allein zu Forschungszwecken, nicht zur Energiegewinnung.

Nach Angaben des HZB wird BER II betrieben, „um Neutronenstrahlen für Streu- und Bestrahlungsexperimente zur Verfügung zu stellen“.

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Erst vor wenigen Monaten stand der Reaktor im Zentrum öffentlicher Debatten. Im Januar 23013 hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Flugroute über den Wannsee für den künftigen Hauptstadtflughafen BER im Westen Berlins für rechtswidrig erklärt.

Die Strecke führe zu nah am Forschungsreaktor vorbei, hieß es in der Urteilsbegründung. Das Risiko für einen Flugunfall oder einen terroristischen Anschlag sei vor Festlegung der Route nicht ermittelt worden. Derzeit gebe es nur veraltete Risikobetrachtungen für den Reaktor, so das Gericht.

Vor dem OVG hatten neben den Brandenburger Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow die Stadt Teltow, mehrere Grundstücksbesitzer und Anwohner des Wannsees geklagt. Sie befürchteten, die geplante Flugroute über den Wannsee könne zu Lärm- und anderen Umweltbelastungen führen. Größte Sorge war aber, dass ein Flugzeug auf den Forschungsreaktor am Wannsee stürzen könnte.

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