Die Kultusminister der 16 Bundesländer streben bei den Abiturprüfungen mehr Gemeinsamkeit an. Sie wollen einen gemeinsamen Aufgabenpool sowie einheitliche Prüfungskriterien für das begehrte Abschlusszeugnis entwickeln. Ein entsprechendes Konzept soll am Donnerstag während der Kultusministerkonferenz in Wittenberg vorgestellt werden.
2016 soll das Abitur erstmals nach den neuen Kriterien abgelegt werden können. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) soll die zentralen Aufgaben sowie die einheitlichen Prüfungskriterien entwickeln. Experten halten das Vorhaben für die größte Reform des deutschen Abiturs seit der Einführung der gymnasialen Oberstufe im Jahr 1972.
Das IQB überprüft regelmäßig, inwieweit diese Kompetenzziele in deutschen Schulen erreicht werden, und unterstützt die Länder bei der Umsetzung der Bildungsstandards. Ferner gehört das IQB zu den wichtigsten Instituten in Deutschland, die im Bereich der empirischen Bildungsforschung aktiv sind.
Ab 2015 einheitliche Aufgaben in Chemie, Physik und Geschichte
Für Berliner Gymnasiasten werde sich nicht viel ändern, heißt es in der Bildungsverwaltung. Seit Einführung des Zentralabiturs vor vier Jahren würden die Prüfungsaufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch bereits von Experten aus Berlin und Brandenburg erarbeitet. In diesem Jahr habe es erstmals auch zentrale Aufgaben in den Fächern Biologie und Geografie gegeben. 2015 soll zudem in den Fächern Chemie, Physik und Geschichte mit einheitlichen Aufgaben geprüft werden.
In der Bildungsverwaltung geht man davon aus, dass die zentralen Aufgaben, die Berlin seit vier Jahren für die Abiturprüfungen nutzt, den Standards der KMK weitgehend entsprechen. Man werde etliche dieser Aufgaben für den zentralen Pool einreichen, den die KMK plant, heißt es.
Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagt, dass die Bundesländer sich schon in der Vergangenheit zu den Abituraufgaben ausgetauscht haben, um einheitliche Anforderungen sicherzustellen. Diese Zusammenarbeit soll nun verstärkt werden. Die Experten des IQB würden Aufgaben wie Bewertungskriterien vergleichbar machen.
Zentralabitur führte in Berlin zu besseren Ergebnissen
Auch Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, zeigt sich zufrieden mit den Vorhaben der Kultusminister, die Abituraufgaben zu vereinheitlichen. Er geht ebenfalls davon aus, dass sich für Berliner Abiturienten dadurch nicht viel ändern wird. Das Abitur werde in Zukunft weder leichter noch schwerer werden, sagt er.
Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter, Paul Schuknecht, äußert sich ebenfalls positiv. Die Einführung des Zentralabiturs vor vier Jahren habe berlinweit zu einer Verbesserung der Abitur-Ergebnisse beigetragen, betont er. Schuknecht begrüßt es, dass es in diesem Jahr nicht nur in den Hauptfächern, sondern zusätzlich auch in Biologie und Geografie zentrale Abituraufgaben gegeben hat.
Es soll kein deutsches Einheitsabitur kommen
Die KMK will kein deutsches Einheitsabitur einführen. Es soll keine gleichen, zentral gestellten Prüfungsaufgaben geben, sondern gleichwertige Aufgaben für alle Bundesländer. Die Länder sollen sich diese Aufgaben aus einem Pool aussuchen können, den das IQB anlegen wird. Von 2016 an sollen dann Abi-Klausuren und Prüfungen nach bundesweiten Kriterien erfolgen.
Eine Übersicht des Statistischen Bundesamtes konnte jetzt erste Aussagen über den unterschiedlichen Studienerfolg von Abiturienten verschiedener Bundesländer machen. Demnach sind Abiturienten aus Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bei Studienabschlüssen sehr gut. Abiturienten aus Berlin schaffen sogar häufiger einen akademischen Abschluss als Studenten im Bundesschnitt.





